Leserdiskussion zu SZ-Artikel "Erschreckend, wie viele Leute glauben, dass Atomstrom billig ist"

Ökostrom? Teuer? Nicht, wenn mal richtig gerechnet wird, sagen Experten. Der Artikel "Das Märchen vom teuren Ökostrom" entfachte eine große Diskussion bei Lesern - sowohl direkt auf Süddeutsche.de wie auch in Netzwerken wie Facebook. Ein Überblick.

Von Pia Ratzesberger

Kostspieliger Strom aus dem Atom- und Kohlekraftwerk, billige Energie von Windrädern und Solarzellen: SZ-Redakteurin Silvia Liebrich widerspricht in ihrem Text "Das Märchen vom teuren Ökostrom" der gängigen These, dass konventionelle Energie aus Kohle oder Kernkraft preiswerter sei als erneuerbare Energien und daher unverzichtbar.

Grundlage des Artikels war eine Studie des Forums Ökologische Marktwirtschaft. Darin rechneten Experten aus, dass die Verbraucher für Atom- und Kohlestrom sehr viel mehr zahlen, als letztlich auf der eigenen Stromrechnung steht. Zum einen sind die volkswirtschaftlichen Folgekosten aufgrund von Umweltschäden und Endlagerungsproblemen viel höher. Zum anderen wird der Preis für den Verbraucher durch enorme staatliche Subventionen gedrückt.

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Der Artikel hat eine breite Diskussion entfacht - allein auf Facebook wurde er mehrere Tausend Mal empfohlen. Die meisten Leser sehen sich durch die Studie in ihrer Meinung bestätigt und schreiben "Na, endlich!", "das sollte einmal in allen Haushalten verteilt werden". Oder "was der gesunde Menschenverstand uns längst gesagt hat, kann nun nachgelesen werden".

Dass in den meisten Köpfen dennoch das Bild des unbezahlbaren Ökostroms vorherrscht, schreiben sie vor allem der Lobby der Energiekonzerne zu. "Es ist wirklich erschreckend, wie viele Leute daran glauben, dass Atomstrom billig ist", schreibt ein User auf Süddeutsche.de Schuld seien falsche Medienberichte oder von der Atomlobby beeinflusste Politiker.

Manche meinen sogar, dass die in der Studie berechneten gesamtwirtschaftlichen Kosten von Atom- und Kohleenergie gar nicht ausreichen und noch viel höher liegen müssten. Das zeige der Reaktorunfall von Fukushima, schreibt "Speedy Gonzales". Dort müsse die Betreiberfirma nur für einen Bruchteil der entstandenen Schäden haften.

Problem Verfügbarkeit

Einige stellen aber auch die Glaubwürdigkeit der Studie, die von Greenpeace Energy und dem Bundesverband Wind Energie in Auftrag gegeben wurde, in Frage. "Und wetten, dass es eine Studie eines "Forums der deutschen AKW-Betreibergesellschaften" gibt, die das Gegenteil behauptet? Woher soll ich als Nicht-Insider denn wissen, wem ich bei solchen Berechnungen trauen darf?", frägt Philipp Ostermann auf der Facebook-Seite der SZ.