Anzeige
Streit um den Dollar: China und Russland wollen die Führungsrolle der amerikanischen Währung beschränken - aber eine echte Alternative ist nicht in Sicht
Wieder eine schlechte Nachricht für die USA: Am Samstag forderte Russlands Finanzminister Alexej Kudrin, der chinesische Yuan solle den Dollar als internationale Leitwährung ablösen. Das gehe zwar nicht sofort, sagte Kudrin auf dem Weltwirtschaftsforum in St. Petersburg, aber bis in zehn Jahren könne China eine Währungssupermacht sein.
Kudrins Äußerungen sind nur der letzte in einer Reihe von Angriffen auf die US-Währung. Im März hatte der Präsident der Bank von China, Zhou Xiaochuan, weltweit für Aufsehen gesorgt, als er die Ablösung des Dollars durch Sonderziehungsrechte (SZR) forderte, eine Kunstwährung, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verwaltet wird. Eine UN-Kommission, die von dem Ökonomen Joseph Stiglitz geleitet wird, bereitet Vorschläge zu einer Grundsatzreform des Weltwährungssystems vor. Sie sollen vom 24. bis 26. Juni auf einer Gipfelkonferenz debattiert werden.
Mehr Mitsprache gewünscht
Ist der Dollar als Leitwährung der Welt am Ende? Kurz- und mittelfristig ist die Antwort ein klares Nein. Langfristig hängt alles von der künftigen Politik der USA, der führenden EU-Mitglieder und Chinas ab. Währungsfragen sind immer auch Machtfragen. Deshalb liegt es nahe, dass Länder wie Russland und China die Finanzkrise nutzen wollen, um ihre Position zu Lasten der Supermacht USA auszubauen.
Anzeige
Für beide geht es dabei nicht unbedingt darum, den Dollar abzulösen, sondern mehr Mitsprache zu bekommen, unter anderem in den Gremien des IWF. Die chinesische Regierung will zudem Kritik an der eigenen Währungspolitik abwehren.
Um die eigene Konjunktur zu stützen, hat China den Yuan in der Krise wieder eng an den Dollar gebunden. Die Währung ist krass unterbewertet, daher wird der Überschuss in der chinesischen Leistungsbilanz in diesem Jahr auf über zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen, was die USA zunehmend beunruhigt.
China braucht einen starken Dollar
Gerade China hat, aller Rhetorik zum Trotz, ein massives Interesse an einem starken Dollar. Es verfügt über zwei Billionen Dollar Währungsreserven, die bei weitem größten der Welt. 700 Milliarden Dollar davon sind in US-Staatspapieren angelegt, insgesamt dürften zwei Drittel der Reserven auf US-Dollar lauten.
China hat sich damit in eine "Dollar-Falle" begeben, wie der Ökonom Paul Krugman schrieb. Dafür gibt es einen wenig beachteten historischen Präzedenzfall, auf den der Ökonom Olivier Accominotti kürzlich hinwies: Im Jahr 1926 band die Bank von Frankreich den Franc an das britische Pfund.
Es war eigentlich eine Maßnahme der Exportförderung: Frankreich erwirtschaftete immer höhere Handelsüberschüsse und sammelte Währungsreserven an, die meisten waren in Pfund denominiert. Zu Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 lagen mehr als die Hälfte aller Währungsreserven der Welt in Paris. Frankreich befand sich in der Pfund-Falle.
Als die britische Währung 1931 trotz aller Stützung kollabierte, war die Bank von Frankreich technisch bankrott, die französische Regierung tauschte die verbliebenen Reserven in Gold um und verschärfte so Deflation und Depression. Die chinesische Führung dürfte aus dieser Geschichte lernen.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, was für eine starke Rolle des Dollars spricht - und was dagegen.

