Ein Kommentar von Marc Beise

Der derzeit allgegenwärtige Zorn über das Bonus-Unwesen ist nur teilweise berechtigt: Nicht die Boni sind das Problem, sondern fehlende Sicherungen gegen Exzesse.

Die Empörung über das Bonus-Unwesen insbesondere im Bankgewerbe ist allgegenwärtig und natürlich berechtigt. Dies zu betonen, ist fast schon ein Akt der Selbstverteidigung, will man im gesellschaftlichen Diskurs noch ernst genommen werden.

Bild vergrößern

Protest gegen übertriebene Boni: Bei Strafzahlungen hätten die Bankmanager umsichtiger agiert. (© Foto: dpa)

Anzeige

Und es lässt sich ja auch vernünftigerweise nicht rechtfertigen, dass Investmentbanker womöglich gar der zweiten oder dritten Reihe Millionensummen dafür einsammeln konnten, dass sie immer waghalsigere Geschäfte betrieben haben.

Zugleich aber wäre es schön, wenn auch noch Platz wäre für eine differenziertere Sicht der Dinge. So war die Erfindung von Bonus-Komponenten des Gehalts als Leistungsanreiz eigentlich sehr klug.

Ihr Geld durchaus wert - in guten Zeiten

Wer gut gearbeitet hat, besonders fleißig oder talentiert war und also Erfolg hatte, sollte an dem Mehrwert, den er der ganzen Firma geschaffen hat, teilhaben und derart weiter angespornt werden. Die besten Händler waren ihr Geld durchaus wert - in guten Zeiten.

Es ist kein Zufall, dass viele der Politiker und Gewerkschafter, die jetzt laut tönen, früher dort, wo sie Einfluss hatten, die Zahlungen brav abgenickt haben. Nicht dass es Boni gab, war nämlich das Problem, sondern dass Sicherungen fehlten gegen Exzesse. Hätten die Händler bei Misserfolg nicht nur mit dem Wegfall der Boni rechnen müssen, sondern sogar mit Mali, also mit Strafzahlungen, hätten sie umsichtiger agiert.

Dies ist eine wichtige Lehre aus der Krise: Verantwortung muss klar benannt werden. Belohnungen für Erfolg sind nötig, aber auch Sanktionen bei Misserfolg. Wer jetzt alle Boni verteufelt und gleich noch Gehaltsgrenzen festlegen will, muss sich nicht wundern, wenn die Besten eines Tages anderswo arbeiten.

Leser empfehlen 

(SZ vom 17.02.2009/pak)