Leere Kirchen Studentenheim? Wunderbar! Moschee? Bloß nicht!

Die Zahl der Christen nimmt ab, die Kosten für kaum noch genutzte Gebäude werden unbezahlbar: Wie Kirchen in Deutschland verwertet werden.

Von Matthias Drobinski

Die Samariterkirche in Freimann wird abgerissen. Auch in Hannoversch-Münden fand am Buß- und Bettag der letzte Gottesdienst in St. Aegidii statt: Die evangelische Kirche gibt die Kapelle an die Stadt zurück, ein Frühstücksrestaurant mit Kulturprogramm soll dort nun entstehen. In Bielefeld soll aus einer Kirche eine Synagoge werden, im klammen Bistum Essen diskutieren die Katholiken über das Ende von 100 Kirchen.

Die Zahl der Christen nimmt ab, Gemeinden werden zusammengelegt, die Kosten für kaum noch genutzte Gebäude werden unbezahlbar. Die Unternehmensberatung McKinsey rät den Kirchen: Verkauft so viele Grundstücke und Immobilien wie möglich, finanziert lieber die Mitarbeiter in der Seelsorge.

Bis jetzt allerdings sind die Schlagzeilen vom allgemeinen Kirchensterben übertrieben - die meisten der 35.000 Gotteshäuser in Deutschland werden auch in Zukunft liturgisch genutzt werden. Die katholische Bischofskonferenz erklärt, dass zwischen 1990 und 2004 1,7 Prozent ihrer Kirchen umgewidmet wurden; in den kommenden zehn Jahren werde der Anteil auf drei Prozent steigen, das wären ungefähr 700 Kirchen.

Auch unter den 159 Angeboten der von der Evangelischen Kirche in Deutschland eingerichteten Internetplattform www.kirchengrundstuecke.de befinden sich derzeit nur zwei Kirchen; verkauft werden vor allem Pfarr- und Wohnhäuser.

Denn Kirchengebäude lassen sich meist nur schwer und zu eher symbolischen Preisen losschlagen. Sie sind oft denkmalgeschützt, Sanierung und Umbau verschlingen Millionen, die Unterhaltskosten bleiben enorm, der Markt für Gebäude dieser Art ist gesättigt. Und dann ist eine Kirche eben doch keine gewöhnliche Immobilie, auch wenn kein Gottesdienst mehr in ihr gefeiert wird. Entsprechend achten auch die Landeskirchen und Bistümer darauf, was aus den Gebäuden wird: Eine Kirche für orthodoxe Christen? Wohnraum für Studenten? Heimat für eine Arbeitsloseninitiative? Wunderbar. Ein Ort gehobener Unterhaltung oder Esskultur? In Ordnung. Ein Supermarkt oder eine Disco? Lieber nicht. Und vor allem: Keine Moschee. Da sind sich die mittlerweile veröffentlichten kirchlichen Ratgeber einig. Wegen der Symbolwirkung.