Lebensversicherungen Nur noch ein Zinschen

Die Lebensversicherung als lukrative Geldanlage? Mitnichten. Der Garantiezins wird wohl sinken. Besonders betroffen: Neukunden.

Von Alina Fichter

Kunden von Lebensversicherern müssen spätestens von 2012 an mit einer niedrigeren garantierten Rendite als bisher rechnen. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) empfahl der Bundesregierung am Montag, den Garantiezins von Lebenspolicen zum 1. Januar 2012 von derzeit 2,25 Prozent auf künftig 2,0 Prozent zu senken. Zwar ist das Bundesfinanzministerium (BMF), das die Höhe des Garantiezinses festlegt, nicht an den Vorschlag der Versicherungsmathematiker des DAV gebunden. Bisher folgte es deren Empfehlung aber fast immer. Die DAV gibt stets zum Jahreswechsel einen Vorschlag für die Höhe des Garantiezinses neuer Verträge bekannt. Diesem folgend hatte die Regierung den Wert zuletzt im Jahr 2007 herab gesetzt. Bis dahin hatte ein Garantiezins von 2,75 Prozent gegolten; zuvor hatte er sogar bei 3,25 Prozent gelegen. Der Garantiezins sinkt seit Jahren kontinuierlich.

Rechnen, rechnen, rechnen - und am Ende kommt nicht viel dabei heraus: Der Lebensversicherungs-Garantiezins wird wohl sinken. 

(Foto: dpa)

Diesmal wird der gewohnte Fortgang seiner Festsetzung durchbrochen: Vergangene Woche erregte das Ministerium mit dem Entwurf einer neuen Verordnung Aufsehen. Demnach beabsichtigt das Ministerium, den Garantiezins bereits Mitte 2011 deutlich um 0,5 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent zu drücken - obwohl die DAV sich dagegen ausgesprochen hatte, den Zins bereits im kommenden Jahr zu senken und auch für 2012 einen Herabsetzung auf 2,0 Prozent für ausreichend hält. Das BMF argumentiert aber, dass die Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere, in die deutsche Versicherer vorrangig investieren, spätestens 2012 die Höhe des derzeitigen Garantiezinses unterschreiten werde. Daher sei es angebracht, den Höchstrechnungszins bereits jetzt deutlich zu verringern. Nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen handelt es sich bei der Verordnung, über die im kommenden Frühjahr entschieden wird, um eine Vorsichtsmaßnahme: Zwar sei derzeit kein Lebensversicherer in seiner Existenz gefährdet, die anhaltende Niedrigzinsphase mache es den Anbietern aber immer schwerer, die notwendige Rendite zu erwirtschaften. Das Ministerium fürchtet wohl ein Szenario, wie es Japan in den 1990er Jahren durchlebte. Wegen einer lang andauernden Niedrigzinsphase waren dort sechs Lebensversicherer Pleite gegangen.

Auch ein zweiter Vorstoß, der im Verordnungsentwurf enthalten ist, dürfte das Ziel haben, Ähnliches hierzulande zu vermeiden: Versicherer sollen ihre Rückstellungen im kommenden Jahr deutlich erhöhen. Die Gesellschaften bilden Rückstellungen, um die garantierten Ansprüche ihrer Kunden in der Zukunft befriedigen zu können. Im vergangenen Jahr hielten sie Kapitalanlagen im Wert von 700 Milliarden Euro; die Verpflichtungen lagen mit gut 740 Milliarden Euro zwar deutlich darüber. Da die Gesellschaften einen Großteil ihrer Lebensversicherungen aber erst nach und nach auszahlen müssen, dürfen sie mit Erträgen kalkulieren, die sie bis dahin erwirtschaften werden. Wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt sinken diese Erträge allerdings - so dass laut BMF höhere Rückstellungen nötig sind. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) begrüßt den Vorschlag nach eigenen Angaben: "Die Unternehmen gewinnen dadurch Planungssicherheit."

Während die neuen Rückstellungs-Regeln keine Auswirkungen für Verbraucher haben, betrifft sie der sinkende Garantiezins direkt: Nach dessen Höhe berechnet sich, wie viel Geld Versicherte am Ende ihrer Vertragslaufzeit mindestens ausgezahlt bekommen. Einmal vereinbart, gilt er für die gesamte Laufzeit. Würde er also tatsächlich ab Mitte 2011 herab gesetzt werden, beträfe das nur die Verträge der Neukunden. Vom Garantiezins unabhängig sind die Überschüsse, die Gesellschaften darüber hinaus erwirtschaften. Sie wird im Branchendurchschnitt von 4,22 Prozent auf knapp über vier Prozent 2011 sinken.