Lebensversicherungen Nur ein bisschen mehr Durchblick
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Vom 1. Juli an müssen Anbieter von Lebensversicherungen die Kosten des Abschlusses in Euro und Cent angeben - doch diese Zahlen sagen den Kunden nicht alles.
Am kommenden Dienstag beginnt in der deutschen Versicherungswirtschaft eine Revolution. Wenn es um das Thema Kosten für den Abschluss einer Police ging, herrschte in der Branche bislang das große Schweigen. Damit ist von 1. Juli an Schluss. Wer dann eine Lebens-, Berufsunfähigkeits-, eine private Krankenversicherung oder eine Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr abschließt, muss in Euro und Cent vorgerechnet bekommen, wie viel von seinem Beitrag für Abschluss- und Vertriebskosten draufgeht.
Diese Angaben finden sich auf dem ebenfalls neuen Produktinformationsblatt, eine Art Steckbrief, der von 1. Juli an übersichtlich und verständlich über die wichtigsten Merkmale der Versicherung informieren soll. Die Kunden können dann erstmals sofort sehen, dass die Beratung durch einen Versicherungsvertreter nicht kostenlos ist, sondern dafür schnell mehr als 1000 Euro zusammenkommen können. Die neue Offenheit ist jedoch nicht grenzenlos: Manche Gebühren müssen die Anbieter nach wie vor nicht angeben. Außerdem kritisieren Verbraucherschützer, dass die Versicherer viel Spielraum haben, um bei der Angabe der Kosten tricksen können.
Eine Musterrechnung
Die Süddeutsche Zeitung gab mehreren Versicherungsgesellschaften diesen Musterfall vor: Ein Mann, 30, schließt zum 1. Juli eine Kapital-Lebensversicherung ab und spart 100 Euro monatlich an. Der Vertrag läuft bis zum 67. Lebensjahr. Die schnellsten Antworten kamen von der Debeka und Allianz Leben. Die Debeka beziffert die Abschluss- und Vertriebskosten für einen solchen Vertrag auf genau 1571,12 Euro.
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Hinzu kommen weitere in dem Beitrag einkalkulierte Kosten "von jährlich 72,05 Euro für die Dauer von 37 Jahren" und gegebenenfalls "jährlich 39,03 Euro für die Dauer des Rentenbezugs". Ähnliche Angaben finden sich bei der Allianz. Der Versicherer beziffert die Abschluss- und Vertriebskosten auf 1694,85 Euro plus jährlich 62,47 Euro und "zzgl. 0,40 EUR je 100 EUR Deckungskapital" an laufenden Kosten. Würde der Kunde mehr Geld monatlich einzahlen, wären die Abschlusskosten entsprechend höher.
Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, warnt aber die Kunden davor, diese Zahlen überzubewerten. "Es ist sicherlich, ein großer Fortschritt, dass die Verbraucher sehen, dass der Abschluss einer Versicherung eine Menge Geld kostet", sagt er. Aber wer bei einer Anlageentscheidung daraus einen Nutzen ziehen wolle, müsse die Zahlen zum Beispiel mit den Kosten im Marktdurchschnitt (die höher liegen als bei der Allianz und der Debeka) und alternativen Geldanlageangeboten vergleichen. "Und dabei sind fast alle überfordert", sagt der Verbraucherschützer.
Auch Marc Ortmann, Chef des unabhängigen Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA), sieht einen positiven Effekt, gibt aber zu bedenken, dass die Versicherer weiter Kosten verschleiern könnten. So sind die Gebühren für die Anlage des Kapitals auf dem Produktinformationsblatt nicht ausgewiesen. "Um die Verwaltungskosten möglichst niedrig zu halten, werden Anbieter versuchen, zum Beispiel über höhere Gebühren für die Kapitalanlage die Kosten wieder hereinzuholen", so Ortmann.
Der Experte verlangt deshalb - wie in Großbritannien üblich und vergleichbar mit dem effektiven Zinssatz in der Baufinanzierung - die Angabe der Kosten als Kennziffer. Diese müsste zeigen, um wie viel Prozentpunkte sich die Rendite verringert, wenn man die Gesamtkosten berücksichtigt. "So viel Transparenz ist bei den meisten deutschen Versicherern aber leider nicht erwünscht."
300 Euro Pauschalgebühr
Schon jetzt ist abzusehen, dass die neue Vorschrift den Markt dramatisch verändern wird. "Die Abschlusskosten werden tendenziell heruntergehen, die laufenden Kosten dagegen zunehmen", sagt Finanzexperte Nauhauser.
Dieser neue Trend lässt schon jetzt an einzelnen Angeboten ablesen: Die Direktversicherung Hannoversche Leben wirbt etwa mit dem Slogan: "0,0 Euro einmalige Abschlusskosten: Die Altersvorsorge der Hannoverschen Leben." Der Versicherer, der nach eigenen Angaben keine Vertriebsprovisionen zahlt, verteilt die restlichen Abschlusskosten wie die Ausgaben für Produktentwicklung oder fürs Bearbeiten der Anträge über die gesamte Laufzeit des Vertrages. Vorteil für den Kunden: Von Anfang an verbleibt ein deutlich größeres Guthaben zins- und zinseszinsbringend auf seinem Konto.
Bei den Karstadt-Quelle-Versicherungen gibt es dagegen erstmals eine Flatrate bei den Abschlusskosten: Bei der "Maxirente", einer privaten Rentenversicherung mit einmaliger Kapitaleinzahlung, verlangt das Unternehmen pauschal 300 Euro plus 60 Euro Verwaltungskosten, unabhängig von der Höhe der Einzahlung. Derzeit prüft der Anbieter, dieses Modell auch auf andere Lebensversicherungen zu übertragen.