Verbraucherfeindliche Verträge der Lebensversicherer: Die Kosten sind hoch, die Renditen schrumpfen in der Krise.
Die Marktschreier in Sachen Geldanlage sind wegen der Finanzkrise leiser geworden, aber verstummt sind sie deshalb noch lange nicht. Und so versprechen viele von ihnen, was sie schon vor der Krise versprochen haben: Bei uns ist Ihr Geld nicht nur sicher, wir garantieren auch eine ordentliche Rendite. Besonders Vermittler von Lebensversicherungen scheinen bei den Anlegern ein offenes Ohr zu finden.
Wer heute eine Lebensversicherung abschließt, sollte vorsichtig sein: Oftmals warten nur geringe Erträge. (© Foto: Illustration: Stefan Dimitrov/SZ)
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Fast jeder Bundesbürger hat eine Kapitallebensversicherung oder eine private Rentenversicherung, um fürs Alter vorzusorgen. Knapp 94 Millionen Lebensversicherungsverträge wurden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) abgeschlossen. So viele Bürger, denkt da so mancher, dürften wohl nicht irren.
Doch, sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Für sie sind Lebensversicherungen eine hochriskante und intransparente Geldanlage. Für die Kunden sei es unmöglich nachzuvollziehen, wie hoch die Kosten für Verwaltung und Provision sind, die die Versicherer vom Anleger kassieren. "Die Lebensversicherung ist kein attraktives Anlageprodukt", meint auch Stefanie Kühn, Finanzberaterin auf Honorarbasis, "nur die alten Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, würde ich da ausnehmen: Vier Prozent Rendite nach Steuern - das muss man mit anderen Anlagen erst mal schaffen."
Geringe Erträge
Wer heute eine Lebensversicherungspolice abschließt, muss mit weitaus geringeren Erträgen rechnen als Kunden, die vor zehn, 20 oder 30 Jahren einen Vertrag unterschrieben haben. Wie groß die Unterschiede zwischen alten und neuen Verträgen sind, zeigt eine Studie des Versicherungsanalysehauses Map-Report. Demnach kann ein 30-jähriger Mann, der am 1. Januar 2009 eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat und 30 Jahre lang jedes Jahr 1200 Euro einzahlt, im Jahr 2039 mit einer durchschnittlichen Auszahlung von 68.137 Euro rechnen.
Das entspricht einer Rendite von 3,85 Prozent - vor Steuern. Vergleicht man diese Werte mit den tatsächlichen Auszahlungen in diesem Jahr, also mit Verträgen, die 1979 abgeschlossen wurden, so kommen auf die Versicherten vermutlich Gesamteinbußen von mehr als 20.000 Euro zu.
Bevor ein Kunde eine Lebensversicherung abschließt, bekommt er in der Regel eine Beispielkalkulation vorgelegt. Die Versicherung rechnet darin hoch, wie viel am Ende der Vertragslaufzeit voraussichtlich ausgezahlt wird. Die Daten sind natürlich fiktiv, kein Versicherer kann vorhersehen, wie sich die Kapitalmärkte in den nächsten Jahrzehnten entwickeln.
Keine Garantie auf Zinsen
Die Beispielrechnungen dürfen also, so Manfred Poweleit, Chef des Map-Report, nicht als Prognose missverstanden werden, sie seien vielmehr ein aktuelles Formbarometer. Besonders gut in Form ist Poweleits Studie zufolge derzeit der Versicherer Europa mit einer prognostizierten Rendite von 5,04 Prozent. Auf Platz zwei liegt die Debeka mit 4,81 Prozent, gefolgt von Cosmos mit 4,71 Prozent (Tabelle).
Seit Beginn der Finanzkrise tun sich die Versicherungsgesellschaften zunehmend schwer, die garantierten Zinsen zu erwirtschaften. Die meisten Unternehmen haben zwar ihre Aktienquote reduziert, aber sie wissen nicht so richtig, wohin mit dem Geld der Versicherten. Risikolose Anlagen in Staatspapiere werden wegen der Niedrigzinspolitik der Notenbanken unattraktiv.
Wie stark die Zinsen gefallen sind, zeigt ein Vergleich: Lag die Durchschnittsrendite festverzinslicher Wertpapiere des Bundes im Jahr 1992 noch bei acht Prozent, betrug die Umlaufrendite am Freitag gerade mal drei Prozent. Die Versicherer garantieren ihren Kunden aber eine Mindestverzinsung - je nach Datum des Vertragsabschlusses zwischen 2,25 und vier Prozent; der Durchschnitt beträgt etwa 3,5 Prozent.
Laut Map-Report zeigen Beispielrechnungen "schmerzhafte Einschnitte in den zu erwartenden Leistungen". Hinzu kommt: Nur ein Viertel aller Verträge würden, so Verbraucherschützerin Castelló, bis zum Ende durchgehalten. Das drückt die Rendite.
Hohe Verwaltungskosten
Es sind aber vor allem die hohen Provisions- und Verwaltungskosten, die den Sparanteil des Kunden auffressen. "In einigen Lebensversicherungspolicen sind zehn bis 15 Prozent Gebühren versteckt. Das ist für die Kunden tödlich, weil sie niemals eine gute Rendite erzielen werden", sagt Christoph R. Kanzler von der Quirin Bank in Berlin.
Verbraucher sollten also genau hinsehen, welches Produkt ihnen verkauft wird. "Altersvorsorge-Produkte sind die am höchsten provisionierten Finanzprodukte", warnt Andreas Beck vom Münchner Institut für Vermögensaufbau. "Vielen Sparern werden Versicherungen angeboten, die aufgrund der Kostenstruktur kaum Aussichten auf reale Erträge bieten."
Für wen lohnt sich dann überhaupt noch eine Lebensversicherung? Finanzberaterin Kühn empfiehlt, Absicherung und Sparen klar voneinander zu trennen: "Wer seine Angehörigen schützen will, schließt am besten eine Risikolebensversicherung ab. Wer sparen will, kauft Fonds. Wenn man dann irgendwann das eine nicht mehr braucht, kann man das andere halten." Ein 35-Jähriger, der heute eine Risikolebensversicherung über 100000 Euro mit 20 Jahren Laufzeit abschließt, zahlt dafür nur 78 Euro im Jahr.
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(SZ vom 18./19.04.2009/kaf/mel)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Nehmen wir nur mal die Deutsche Bank, wo ist da denn die langfristige Rendite ?
Der Kurs stand am 1.6.1995 bei etwa 70 Mark, also knapp 36 Euro. Heutiger Stand 38 Euro. 2 Euro oder 5% in 14 Jahren ist ein Witz. Der Ertrag kommt da doch nur aus der Dividendenrendite, und die liegt auch nicht höher als Tagesgeld oder Festgeld. Zumal viele Firmen lieber reinvestieren und gar keine Dividende zahlen.
Und außerdem schläft man ruhiger :-)
JC
Ja, langfristig bringen Aktien eigentlich immer eine gute Rendite, aber warum investiert die Allianz dann 90% des Geldes der Versicherten in Staatsanleihen, die ziemlich schlecht verzinst sind und davon gehen dann noch Provision, Boni, Verwaltungsapparat, eigener Gewinn, Gebühren weg...
Und das wird auch noch staatlich subventioniert, damit Versicherungen mit dem Geld der Bürger Staatsanleihen kaufen und das als private? Altersvorsorge verpacken.
Wenn denen nichts besseres einfällt, dann braucht die kein Mensch oder Staat.
Liebe(r) sophero,
"wer normal spart, muss nichts versteuern." Das ist natürlich falsch, denn man muss Sparanlagen immer versteuern, nur bei Renten- und Lebensversicherung sind nur 50 % steuerpflichtig. Das alleine ist dafür allerdings sicher kein Grund zum Abschluss.
noch ein Hinweis zum Thema Infaltion: Wer Angst vor hoher Inflation hat (wer nicht, bei diesen steigenden Staatschulden...) der sollte in Sachwerte anlegen. Das bedeutet Aktien und /oder Immobilien. Die Steigerung dessen ist, Immobilien kaufen und voll finanzieren. Zum einen sinken die Schulden durch die Inflation automatisch, zum anderen kann man die Tilgung über einen Aktienfonds ansparen.
Durch die Inflation steigen die Werte der Aktienfonds genauso "automatisch" Das gilt selbst bis in die heutige Wirtschaftskrise. Der Wert des DAX lag 1987 noch bei rund 1.000 Punkte, heute bei 4.500 Punkten. Das sind in 22 Jahren gut 6,8 % p.a. Das ist doch gar nicht so schlecht.
Meinen Kinder habe ich geraten: Ein konsequentes kurzfristiges Sparen mit weniger Zinsen und kurzfristiger Kündigung ist nach meiner Meinung heute das Beste. Und bei Bedarf eines Kaufes einen günstigen Preis aushandeln ist die beste Sparanlage. Und das ist in den wenigsten Fällen ein Autokauf mit Wählersubvention, die doch weitestgehend unseren ausländischen Autoproduzenten dienen. Altersversorgung kann jeder bei den heutigen Prognosen fast vergessen, ob Riester oder andere. Davon wird in 47 Jahren nur die kontoführende Bank oder Institution einen Gewinn haben, mit 99 prozentiger Sicherheit nicht der Sparer.
Meine Kapital-Lebensversicherung wird in ihrer Hochrechnung, obwohl ich eine der besseren Versicherungen habe, je näher ich der Auszahlung komme, bezogen auf die ursprünglichen Versprechen immer weniger.
Das wird leider bei Abschluss verschwiegen und ich kann jedem nur davon abraten.
Wenn einer von seinem Gehalt einen Teil fest regelmäßig per Dauerüberweisung auf ein lausiges Sparkonto abzweigt, ist er wahrscheinlich viel besser beraten, da er kurzfristig über sein Geld verfügen kann. Und die hohen Gebühren für Vertragsabschluss und Kontoverwaltungskosten kann er dann selber verdienen. Und die kosten ihn sonst beim Abschluss eines Vertrags etliche Jahre "Sparen".
Übrigens, wer normal spart, bekommt zwar keinen Staatszuschuss, aber er muss auch bei Rückzahlung nichts versteuern.
Und nicht vergessen, die Inflation gilt für alle Sparanlagen und Kredite! Und wer wissen will, wie hoch die echte Inflationsrate ist, muss sich nur die Preissteigerung von Immobilien in Ballungszentren anschauen: nach meiner Erfahrung alle 10 Jahre ca 100 Prozent bis auf die kleinen Pausen bei Absatzkrisen. Da kann man jeden Warenkorb zur Inflationsberechnung schlicht:
VERGESSEN!...
Und jetzt warte ich auf den ungeheuren Widerspruch der an dem "Sparunwesen" Verdienenden zu meinen Thesen.
Wie sagte doch Ortolan? "Legal betrügen, heißt die Kunst im Staat"...
Die ganze private Altersvorsorge, die kapitalgedeckte Rente, das ist alles bloß von der Finanzindustrie angeleiert, um mit dem Geld der Bevölkerung Rendite für das eigene Institut, für BONI und DIVIDENDE zu sorgen.
Die Versicherten werden mit lachhaften Renditen unter der Inflation abgespeist, da wärs besser, jeder würde das Geld für sich selber anlegen, ABER warum haben die Versicherungen Erfolg?
Der Staat SUBVENTIONIERT sie, bevorteilt sie gegenüber anderen Geldanlagen.
Und die Arbeitgeber sind begeistert, wenn die solidarische Rente, wo der Arbeitgeber die hälfte beiträgt verschwindet und jeder für sich selbst sorgt. Deswegen gibts aber NICHT mehr Netto, sondern einfach mehr Boni, Gewinn, Dividende...