Die Botschaft weckt Hoffnung: Nicht überall wird Essen teurer. Das liegt daran, dass es verschiedene Arten von Lebensmittelpreisen gibt - und vor allem eine Art entscheidet über die Lage in armen Ländern.
Die Botschaft überrascht und weckt sogar Hoffnung. Während die UN vor hohen Lebensmittelpreisen warnt, und bei weltweiten Protesten Menschen sterben, hat Liliana Balbi von der Welternährungsorganisation auch Positives zu berichten: "In Madagaskar fallen die Reis- und Weizenpreise seit einigen Monaten."
Drei Arten von Lebensmittelpreisen - und vor allem eine entscheidet über die Lage in armen Ländern. (© Foto: dpa)
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Das liegt an lokalen Besonderheiten, aber auch daran, dass es grob drei Arten von Lebensmittelpreisen gibt - und während die ersten beiden die Schlagzeilen dominieren, entscheidet vor allem die dritte über die Lage in armen Ländern.
Die erste Art von Preisen sind Börsenkurse. An Finanzplätzen wie Chicago und Minneapolis werden enorme Mengen an Weizen oder Mais gehandelt. Die Transaktionen sind Termingeschäfte. Wer also eine Tonne Mais kauft, erwirbt das Recht, in einigen Monaten auf diese Menge zuzugreifen. Käufer sind jedoch kaum Hilfsorganisationen, sondern Anleger.
Entscheidend sind Preise auf lokalen Märkten
Besonders gefragt war bei ihnen zuletzt etwa Frühlingsweizen, der innerhalb weniger Monate um 380Prozent teurer wurde. Doch wird diese proteinhaltige Edelsorte von armen Ländern kaum importiert und dient ihnen eher als Richtschnur. Zudem schwankt der Preis - und ist seit Ende Februar wieder um 50 Prozent gefallen. Für Madagaskar ist der Börsen-Boom demnach vorerst nur eine Warnung: Der Weltbedarf für US-Edelweizen könnte in Zukunft steigen.
Die zweite Preiskategorie ist für Entwicklungsländer von mehr Bedeutung: Lebensmittelpreis-Indizes der UN. In diesen Kennzahlen messen Agrarexperten den Durchschnitt von Preisen, die große Exportländer für ihre Agrarprodukte berechnen. Der Preisindex für Getreide stieg etwa in den vergangenen 12 Monaten um rund 90 Prozent und gab somit Anlass für zahlreiche Warnungen.
Für Konsumenten entscheidend sind jedoch Preise auf lokalen Märkten - und dort sind weitere Faktoren wichtig: Handelstarife und Transportkosten, örtliche Verkaufsmöglichkeiten und Korruption sowie vor allem die Ernte vor Ort. In Madagaskar etwa werden dieses Jahr gute Ernten erwartet.
Das Land importierte zuletzt nur sieben Prozent seines Reises und war vom Weltmarkt stark abgekoppelt. Hinzu kommen Gerüchte, dass die Regierung ihre Lager mit günstigen Reisimporten aufgefüllt hat und nun langsam Vorräte in lokale Märkte pumpt.
Wie Madagaskar steht das gesamte südliche Afrika relativ gut da. Mit Ausnahme des instabilen Simbabwe erwartet die UN wenig Lebensmittelknappheit in der Region. Südafrika erhöhte seine Mais-Anbaufläche im Vorjahr um zehn Prozent und erwartet dank guten Wetters eine Erntesteigerung um 50 Prozent.
Zudem werden Regierungsprogramme in Sambia und Malawi, die Kleinbauern mit Dünger und Saatgut versorgen, voraussichtlich hohe Ernten ermöglichen. Zuletzt profitieren südafrikanische Konsumenten von einer agronomischen Besonderheit: Der weiße Mais, der in der Region angebaut wird, ist weniger vom Biosprit-Boom betroffen als gelber Mais.
Folglich ist die Mais-Nachfrage in der Region weniger gestiegen als anderswo, und die Länder blieben von Protesten weitgehend verschont.
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(SZ vom 16.04.2008/jkr)
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