Laut Stiftung Warentest schmecken Bio-Lebensmitteln kaum besser als herkömmliche Produkte. Na und? Darauf kommt es überhaupt nicht an.
Es ist ein guter Tag für alle, die kurz davor waren, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil sie Lebensmittel immer noch bei Billigheimern kaufen. Die Stiftung Warentest, jenes Institut, dem die Bundesbürger am meisten vertrauen, hat festgestellt: Bio-Lebensmittel sind gar nicht viel besser als konventionelles Essen. Die Tests hätten ergeben: Sehr gute oder gute Noten bekäme Bio-Nahrung ebenso häufig wie andere Produkte.
Anzeige
Dazu sollte man wissen: Trotz Gammelfleischskandal und Pestizid-Paprika hat Deutschland immer noch die höchsten Lebensmittelstandards. Manche sagen, die Anforderungen seien übermäßig hoch.
Besser als diese Standards kann Bio nicht sein. Drunter liegen sollten Bio-Produkte auch nicht. Aber wer sich an die Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre erinnert, der weiß, dass fast ausschließlich konventionelle Produkte betroffen waren.
Zwar gab es auch mal Weichmacher in Babykost. Schuld daran war aber nicht der Inhalt, sondern der Schraubverschluss. Und selten hat man Unternehmen einer Branche so bemüht gesehen, den Schaden wiedergutzumachen, wie die Produzenten Demeter, Bioland und Neuland.
Die Frage ist: Welche Gründe gibt es, sich für Bio zu entscheiden? Der Geschmack ist es nicht immer. Es ist nicht jedesmal eine sinnliche Offenbarung, in einen Bio-Apfel zu beißen. Inzwischen ist es auch so, dass Bio-Äpfel genauso appetitlich glänzen und in Folie eingeschweißt zu kaufen sind, wie das gespritzte Obst im Nachbarregal.
Der wichtigste Grund für Bio: die Herstellung
Nein, erster Grund, sich für Bio zu entscheiden, sollten die Produktionsbedingungen sein. Etwas, worauf in der Regel die Stiftung Warentest keine Rücksicht nimmt.
Den Testern ist völlig gleichgültig, ob Schweine sich in ihren Ställen aus lauter Platznot gegenseitig die Schwänze abnagen oder ob Orangen mit der Chemiekeule traktiert werden. Ob aus dem Boden mit allen Arten von Düngemitten der maximale Ertrag gepresst wird, oder ob Hühner in winzigen Käfigen ihre Eier im Akkord legen. Wichtig ist den Testern nur, was auf den Tisch kommt. Alles andere interessiert nicht.
Bio-Nahrung ist nicht deshalb teurer, weil es die konventionellen Konkurrenten in der Qualität meilenweit hinter sich lässt. Es kostet mehr, weil artgerechte Tierhaltung aufwändig ist, weil die Ernteausfälle ohne Chemiespritze höher sind, weil die Bauern ordentlich entlohnt werden. Oder einfach gesagt: Weil die Hühner glücklich sind.
Solange die Tester das nicht sehen wollen, darf man sein schlechtes Gewissen ruhig behalten, wenn es das nächste Mal zum Regal mit der Billig-Kost geht.
(sueddeutsche.de)
Diskussion um Leinenpflicht für Hunde
Demeter, Bioland und Naturland sind keine Bio-Produzenten, sondern Siegel-Vergeber als Garant für die Einhaltung bestimmter Kriterien, die teilweise weit strenger als die EU-Bio-Verordnung sind.
Ich bin nur mäßig informiert: Demeter ist mit der Anthroposophie von Steiner verbunden. Ein Hof muss beispielsweise unbedingt Tierhaltung betreiben und das Aussäen ist mit astronomischen Gegebenheiten verbunden.
Bei Bioland ist das weniger philosophisch angehaucht.
Naturland erlaubt zum Teil, dass Nutztiere nicht-bio Lebensmittel bekommen. Wichtig ist es jedoch, dass es keine Massentierhaltung ist.
Ich denke, ebenso wie der Artikel, dass das wichtigste Argument für "Bio" die Haltung von Tieren ist.
Allerdings ist mir dabei egal, ob deren Futter auch ja nicht gentechnisch verändert oder ungespritzt ist. Das aber trägt erheblich zum Preis bei.
Lieber wäre es mir, wenn die artgerechte Tierhaltung gesetzlich für die gesamte Landwirtschaft (auch Importwaren) vorgeschrieben wäre. Dann kann ich auf Bio verzichten.
Man könnte fast meinen, die beiden gehörten geschäftlich zusammen. Anders lässt sich die völlig unkritische Wiedergabe von - vorsichtig ausgedrückt - nicht ganz überzeugenden Testergebnissen in gleich zwei Fällen (Bio-Kost und Schulbücher) kaum erklären. Höchstens noch mit einem seit längerer Zeit zu beobachtenden stetigen Abstieg der journalistischen Qualität der SZ. Schade.
"Laut Stiftung Warentest schmecken Bio-Lebensmitteln kaum besser als herkömmliche Produkte" KAUM - aber doch! Und das "kaum" ist höchst subjektiv; ich finde, der Unterschied ist massiv!!!
H. Müller: Verbraucher-Lobby
Ihren Kommentar kann ich nur unterstreichen.
Ich erlaube mir hinzuzufügen, dass zum Geschäftsmodell ein psychologischer Trick gehört.
Wenn die Verbraucher einen wie auch immer gearteten Test lesen, werden sie durch die Ergebnisse manipuliert, will heißen, selbst wenn man die Testergebnisse anzweifelt, bleiben sie im Hinterkopf präsent. Bei der Kaufentscheidung spielen sie dann doch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Daher möchte ich eher von Manipulation sprechen !
Es ist mir aus vieljähriger Praxis aufgefallen, dass es Produkte gibt, die grundsätzlich immer Testsieger sind, obwohl nachweislich andere, weniger gut getestete Produkte - meistens auf Platz 2 - "besser" sind. Es kam sogar vor, dass Tests so lange wiederholt wurden, bis das vorgenannte Ergebnis herauskam.
Daher ist es schon seltsam, dass der Kommentator der SZ hier ziemlich stark für STIWA macht.
Paging