SZ: Herr Verwaltungsrat Lafontaine, die IKB-Mutter KfW ist selbst ein Saftladen: Am Tag der Lehman-Pleite haben die Staatsbanker noch 350 Millionen überwiesen, die verloren sind. Die Politiker machen doch bei der Kontrolle der KfW keine gute Figur.
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Lafontaine: Falsch. Nach der Panne hat der Verwaltungsrat sofort gehandelt und die Verantwortlichen gefeuert.
SZ: So weit wäre es nicht gekommen, hätten da fähigere Leute gesessen.
Lafontaine: Wo sind die fähigen Leute - bei Lehman Brothers, bei Merrill Lynch, bei HRE oder bei der BayernLB?
SZ: In der entscheidenden Sitzung des Verwaltungsrats zur Lehman-Panne fehlten Sie. Sie fordern ständig mehr Staat und bessere Aufsicht, aber wenn es ernst wird, sind Sie nicht da.
Lafontaine: Bei den entscheidenden Sitzungen, bei denen es um die Rettung der IKB ging, war ich dabei. Hätte man auf mich gehört, ginge es der KfW viel besser. Bei der Sitzung, bei der über die Entlassung der Vorstände und den IKB-Verkauf abgestimmt wurde, war ich im bayerischen Wahlkampf. Ich hatte vorher öffentlich gefordert, die mit vielen Steuer-Milliarden gerettete IKB nicht an eine Heuschrecke zu verkaufen. Aber die große Koalition wollte es anders. Die Entscheidungen trifft im Übrigen praktisch allein der Präsidialausschuss, in dem vor allem Glos, Steinbrück und Koch das Sagen haben.
SZ: Tja. Und Sie glauben wirklich, dass Politiker bei künftigen Krisen schneller als Marktsubjekte wissen, was zu tun ist?
Lafontaine: Die Subjekte auf dem Finanzmarkt sind eher kriminelle Subjekte. In den USA ermittelt das FBI. Durch die irren Summen, die Hedgefondsmanager und Investmentbanker verdienten, sind sie zu kriminellen Handlungen verführt worden. Deshalb ist der Staat die verlässlichere Institution als das Casino.
SZ: Bei der Deutschen Bank haben jahrelang die Investmentbanker einen großen Teil des Gewinns geliefert. Würden Sie die auch als kriminell bezeichnen?
Lafontaine: Alle Investmentbanker, die durch fahrlässiges Handeln ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben, sind kriminell. Und speziell zur Deutschen Bank, deren Chef jetzt als Erster nach dem Staat gerufen hat: Sie rudert über die Beteiligung an der Postbank gerade zurück ans andere Ufer und sucht wieder das solide Geschäft mit vielen Privatkunden.
SZ: Sie fordern ein Milliardenprogramm für die Konjunktur. Wann und wo hat das jemals wirklich funktioniert?
Lafontaine: Auf der ganzen Welt gibt es viele Beispiele, wie das funktioniert. Der Nobelpreisträger Robert Solow fordert ein solches Konjunkturprogramm auch für Europa. Da sollte selbst Kanzlerin Merkel begreifen, dass die Zeit der ruhigen Hand vorbei ist. Wir brauchen jetzt Lohn- und Rentenerhöhungen über der Preissteigerung, Investitionen in Bildung und Infrastruktur sowie Zinssenkungen der EZB.
SZ: Erwarten Sie wegen der Krise Rückenwind für den Kampf gegen den Neoliberalismus, wie Sie es nennen?
Lafontaine: Viele Arbeitnehmer, Rentner und Hartz-IV-Empfänger verstehen nicht, wenn die Regierung Merkel für die Pleitebanker sofort Milliarden bereitstellt, aber zugleich für Lohnzurückhaltung plädiert, eine Rentenkürzung nach der anderen beschließt und die Verbesserung sozialer Leistungen verweigert. Im Übrigen bin ich skeptisch. Die Tatsache, dass jene, die sich früher dem Diktat der Finanzmärkte unterworfen haben, jetzt anders reden, sagt noch lange nicht, dass sich wirklich etwas ändert. In den USA soll der Investmentbanker Hank Paulson als Finanzminister den Weg aus der Krise weisen. Das ist so, als machte man den Chef eines Drogenrings zum Beauftragten gegen den Rauschgifthandel.
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(SZ vom 04.10.2008/ihe)
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Meine Meinung zu Lafontaine ist, er redet viel Mist, sagt auch einiges Richtiges.
Ich halte ihn nicht für unehrlich und nicht nur auf Polterei aus.
Das Argument, er hätte es anders machen können, hat sich aber gedrückt zieht meiner Ansicht nach nicht.
Er war NUR Finanzminister und Schröder. Klar hätte er ausharren können, aber gegen die Widerstände in der eigenen Partei kämpfen muss man ihm nicht zumuten.
Dass er nicht an Posten klebt oder sie nicht um jeden Preis anstrebt, konnte man damals sehen, als Kohl die blühenden Landschaften ohne Steuererhöhungen versprach und er auch gegen Teile seiner Partei einer der wenigen war, die die Wahrheit sagten.
Das hat ihn letztendlich die Kanzlerschaft gekostet.
Also für ehrlich halte ich ihn.
Dass man Finanzmärkte und Gütermärkte trennen muss und die Finanzmärkte stärker kontrollieren muss, damit gehe ich auch konform.
Im Detail gehen mir seine Ansichten teilweise zu weit.
Nichtsdestotrotz halte ich mehr von ihm als von den meisten anderen.
Und wie ihm manchmal Dinge in den Mund gelegt werden, die er so nie gesag hat, ist auch ein schlechter Stil.
Diese Fremdarbeiterdebatte damals war ein Witz. Ich hab die komplette Rede gehört. Da ging es nicht um explizit um das Fernhalten von Ausländern auf dem deutschen Arbeitsmarkt, sondern um Dumpinglöhne.
Ein Wort, was man ihm komisch auslegen konnte, reichte, um ne Hetzkampagne zu starten.
zwischen Hardy 1974 und Kvwupp war viel interessanter als das zur Debatte stehende Interview. Danke schön!
Oskar hat vollkommen recht. dass er bei Hartz und Agenda damals nicht mitspielte, werde ich ihm nie vergessen. er ist sich treu geblieben, seine Ideale
nie verraten.
als Ehrenmann hat er meinen Respekt und meine volle Unterstützung.
danke Oskar, mehr davon!
"SZ: Herr Lafontaine, welche Aktien besitzen Sie?
Lafontaine: Ich will Ihnen keine falschen Tipps geben. Ich würde aber raten, auf sichere Anlagen zu setzen."
Das zeigt, dass Lafontaine genauso verlogen ist, wie alle anderen Politiker auch. Hardy kritisiert Lafontaine zu Recht und er sagte ja auch, dass die anderen ebenso zu kritisieren seien.
Warum man hier einen Politiker verteidigt, der schon in seinem ersten Satz so offensichtlich zugibt, an einem System beteiligt zu sein, welches er angeblich vehement bekämpft?
mit einer inhaltlichen Stellungnahme? Fünf Monate Finanzminister sind eben keine lange Zeit, um »den Gang der Geschichte« zu beeinflussen und zurückgetreten ist Lafontaine, weil er anderer Meinung als Schröder war - das halte ich für ehrenwerter als am Amt zu kleben und entgegen der eigenen Überzeugung Politik zu machen. Inhaltlich hat er schon damals die neoliberale Politik Schröders kritisiert - warum blenden Sie das aus? Haben Sie sein Buch aus dem Jahr 1999 gelesen, die Kritik an den unregulierten Finanzmärkten?
Für was also sollte er Verantwortung übernehmen? Für Schröders Politik, die er nicht wollte und an der er sich nicht beteiligen wollte?
Können Sie einen anderen Politiker benennen, der die Finanzmärkte schon vor neun Jahren brandmarkte?
Natürlich reden wir hier über Lafontaine, aber Sie reden über die KfW und dort saß er eben nicht alleine im Verwaltungsrat - oder wollen Sie sagen, dass der kleine Oskar ganz alleine die versammelte übrige Sachkompetenz in Schach gehalten hat, um dann den Vorstand zu zwingen, riskante Geschäfte einzugehen?
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