Kurzzeit-Police per Handy-App Bequem versichert für einen Tag

Der Schutz vor Randalierern im Stadion ist schon für 1,59 Euro zu haben. Mehrere Versicherer bieten solche Kurzzeit-Policen mittlerweile an - auch nur für einen Tag. Per Handy-App geht das ganz einfach. Verbraucherschützer sehen den Umfang der Leistungen jedoch kritisch.

Von Herbert Fromme und Merlin Schulz

Wer als Großstadtbewohner einmal in der Woche einen Wagen braucht, kauft sich keinen eigenen - er nutzt einen der zahlreichen Carsharing-Dienste. Sporadischen Radfahrern stehen Leihräder zur Verfügung. Der Trend geht weg von der langfristigen Bindung, hin zur bezahlten Nutzung für einen begrenzten Zeitraum. Möglich wird das durch die rasant wachsende mobile Nutzung des Internets; ein Blick auf das Smartphone zeigt, wo welcher Carsharing-Wagen zur Verfügung steht.

Auf diesen Trend springt auch die Versicherungswirtschaft auf. Die Munich-Re-Tochter Ergo Direkt bietet seit 2011 einen "Unfall-Schutz48", 48 Stunden für 99 Cent. Sie werden über die Handyrechnung eingezogen. Die Deutsche Telekom verkauft über ihre Tochter SureNow Reise- und Ski-Policen der Allianz, ebenfalls per App und auf wenige Tage begrenzt.

Jetzt geht ein neuer Anbieter an den Start, dessen Phantasie bei der Erfindung von Kurzzeitversicherungen unerschöpflich scheint. SituatiVe nennt sich das Düsseldorfer Unternehmen. Gründer ist Lennart Wulff, der das Handwerk beim Versicherungsmakler Marsh und bei Inex24 lernte, einer Plattform für die Industrieversicherung.

Der Stadionschutz kostet 1,59 Euro

Mit den bislang eher zaghaften Versuchen reagiert die Assekuranz auf ein Problem: Ihr Markt ist weitgehend gesättigt. Das gilt besonders für die Schaden- und Unfallversicherung. Hier geht es um Gebäude, Autos, Unfall- und Haftpflichtrisiken. Wer eine Versicherung will, hat meist schon eine. Wer keine will, kauft auch keine. Das gilt gerade für junge Leute; bei ihnen haben traditionelle Vertriebswege wie Versicherungsvertreter kaum Chancen.

Abhilfe sollen die neuen, schicken Versicherungen für einige Stunden oder Tage bringen, die nur ein paar Euro kosten. Wulffs Firma tritt mit dem mobilen Angebot "AppSichern" an. Da gibt es den Stadionschutz: 1,59 Euro kosten 24 Stunden Absicherung für den Todesfall (magere 10 000 Euro) und die Invalidität (ebenso magere 50 000 Euro), wenn sie beim Besuch eines Sportereignisses auftreten.

Der Surf- und Badeschutz (3,49 Euro), der Radlerschutz (3,99 Euro, mit Schutz gegen Rad- und Gepäckdiebstahl), "Racer-Cover" für Motorsportveranstaltungen (3,48 Euro), der Hotelschutz zur Absicherung von einfachem Diebstahl im Hotel, der Busreise- oder Dienstreise-Schutz, alles für 2,49 Euro. Auch ein Schüler-Schutz für den Schulweg und ein Kita-Ausflug-Schutz sind im Angebot, je für 24 Stunden. Selbst der Schutz für einen Bungee-Sprung ist vorstellbar; in den USA gibt es so etwas schon.