Kundenbeziehung zu Banken Band des Misstrauens

Tausende Bankkunden klagen, weil sie sich bei der Vergabe von Verbraucherkrediten über den Tisch gezogen fühlen.

(Foto: Imago Stock&People)

Bankkunden dürfen sich freuen, sie bekommen nach einem Urteil des BGH Kreditbearbeitungsgebühren erstattet. Aber das Vertrauen in die Geldhäuser wird allein dadurch nicht zurückkehren.

Kommentar von Ulrich Schäfer

Als es noch die Dresdner Bank gab, da wehte, jedenfalls in der Werbung, an manchen Bankschaltern in Deutschland noch das "grüne Band der Sympathie". Das traditionsreiche Geldinstitut, gegründet 1872, warb damit, dass es seine Kunden besonders zuvorkommend behandele; und die Kunden glaubten es lange.

Im Mai 2009 wurde die Dresdner Bank von der Commerzbank geschluckt, der Name verschwand, das grüne Band auch. Und die Sympathie der Deutschen für ihre Banken hat sich in jener Zeit, in der das Finanzsystem vor dem Kollaps stand, ebenfalls verflüchtigt: Fassungslos verfolgten die Bürger, wie die Regierung viele Hundert Milliarden Euro bereitstellte, um alle Banken zu retten, weil einzelne Institute sich verzockt hatten.

Die Sympathie der Deutschen für ihre Banken hat aber nicht nur im Großen gelitten, sondern auch im Kleinen. Sie wurde nicht allein durch die Milliarden zerstört, die die Kreditinstitute versenkt haben: durch den Handel mit verschachtelten Derivaten; durch das Verschieben seltsamer Kreditpakete namens ABS oder CDO.

Nein, sie wurde auch zerstört durch das Kleingedruckte, das die Kunden entdeckten, als sie sich nach dem Crash ihre eigenen Bankverträge mal näher anschauten. Kunden klagten zu Tausenden gegen ihre Bankberater, weil sie ihnen Lehman-Papiere angedreht hatten; Aktionäre verklagten zu Tausenden die Hypo Real Estate, weil sie sich durch deren öffentliche Mitteilungen getäuscht fühlten. Und nun klagen Bankkunden zu Tausenden, weil sie sich bei der Vergabe von Verbraucherkrediten über den Tisch gezogen fühlen.

Banken müssen Bearbeitungsgebühren zurückzahlen

Der Bundesgerichtshof hat dazu am Dienstag ein bemerkenswertes Urteil gefällt: Die Banken müssen ihren Kunden auf Antrag unzulässige Bearbeitungsgebühren für Konsumentenkredit-Verträge zurückzahlen, zurückgehend bis 2004. Die Kreditinstitute trifft das empfindlich, sie müssen ihren Kunden voraussichtlich eine Milliarde Euro pro Jahr erstatten.

All diese Klagen zeigen, wie sehr die Finanzkrise bei den Deutschen den Blick dafür geschärft hat, was die Banken so alles tun - und was dabei vielleicht nicht rechtens ist. Aus dem Band der Sympathie ist daher in vielen Fällen ein Band des Misstrauens geworden, und dieses Misstrauen ist für die Geldbranche problematisch: Sie ist wie kaum eine andere auf das Vertrauen ihrer Kunden angewiesen.

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Eine Bank nämlich kann - egal ob es sich um Lehman Brothers handelt oder um eine Raiffeisenbank im Allgäu - auf Dauer nur bestehen, wenn die Kunden ihr Geld dort gern anlegen und demjenigen, der es verwahrt, auch vertrauen. Wenn die Kunden einer Bank hingegen in großer Zahl nicht mehr vertrauen, wenn sie an ihr zweifeln und diese Zweifel in Angst oder Panik umschlagen, kann jenes Szenario eintreten, das man im Geldgewerbe so sehr fürchtet: Es kommt zum Bank-Run; zu viele Sparer auf einmal wollen ihr Geld zurück, und die Bank hat nicht genug Bares, um alle zu bedienen.

Auch die Nullzinsen sind eine Folge der Finanzkrise

Befördert wird das Misstrauen gegenüber dem Geldgewerbe noch dadurch, dass die Banken auf Spareinlagen mittlerweile so gut wie keine Zinsen mehr zahlen. Warum also das Geld noch auf dem Sparbuch lassen? Auch die Nullzinsen sind letztlich eine Folge der Finanzkrise; denn was die Banken den Sparern gutschreiben, hängt vom Leitzins der Europäischen Zentralbank ab - und dieser ist, weil andernfalls das Finanzsystem kollabieren würde, so niedrig wie noch nie.

Gerade die Gegner des Euro halten das für einen Skandal und würden die EZB am liebsten zwingen, die Leitzinsen (und damit die Zinsen für Sparer) zu erhöhen; und sie würden die Banken auch gern zwingen, die Dispozinsen zu senken, die teils bis zu 14 Prozent betragen. Ein illusorisches Ansinnen? Nicht unbedingt, denn bis in die 1960er-Jahre hinein waren die Zinsen in Deutschland staatlich begrenzt, ehe nicht nur in diesem Fall die Finanzmärkte dereguliert wurden. Aber will man wirklich zurück in eine Zeit, in der der Staat die Konditionen der Banken mitbestimmt? Wohl kaum.

Das Vertrauen in die Banken wird jedenfalls nicht allein dadurch zurückkehren, dass der Staat nun schärfere Regeln für alles und jedes erlässt. Bestimmte Geschäfte mit hochgefährlichen Derivaten gehören verboten, wohl wahr. Bestimmte Risiken sollten die Banken nicht mehr eingehen. Zudem ist es gut, wenn Gerichte fragwürdige Verträge der Banken monieren. Aber der Staat und die Gerichte können eben nicht alles regeln. Am Ende kommt es auch auf die Banken selber an: Sie müssen sich das Vertrauen ihrer Kunden selber zurückgewinnen. Und zwar nicht als Zocker, sondern als ehrbare Banker, denen der kleine Kreditvertrag genauso wichtig ist wie ein Milliardengeschäft.