Mal mit Humor, doch meist mit Provokation haben sich Jake und Dinos Chapman in das Gedächtnis der zeitgenössischen Kunstszene gearbeitet. Ihr Name steht für grotesk entstellende Darstellungen des Menschen.
Die Karriere von Jake & Dinos Chapman begann mit der Ausstellung lebensgroßer Mannequins im Institute of Contemporary Art (ICA) in London 1996.
Jake & Dinos Chapman (© Copyright: Anna Shori/Kunsthaus Bregenz)
Anzeige
Dieser ersten Ausstellung folgte damals die Teilnahme an Charles Saatchis legendärer "Sensation"-Ausstellung mit den Young British Artists an der Royal Academy of Arts 1997. Momentan lassen die Brüder ihre Werke für bis zu eine Million Dollar auf dem Primärmarkt verkaufen. Der Auktionsmarkt aber mühte sich lange vergeblich, alte Rekorde zu brechen.
Nun spürt man neues Interesse am Markt. Die Tate Liverpool bietet derzeit eine umfassende Retrospektive. Und die Tate Britain hat für Ende Januar 2007 eine neue Arbeit bei den Künstlern in Auftrag gegeben.
Marktvertrauen: Laut der letzten ArtTactic-Marktumfrage im Mai 2006 - sie beruht auf den Aussagen von 150 Experten zeitgenössische Kunst, wie Sammlern, Händlern, Auktionsexperten und Beratern - ist das Vertrauen am Markt in die kurzfristige Preisentwicklung der Chapman-Brüder gesunken. So fiel der Wert von 70 im November 2005 auf 46 im Mai 2006. Eine solche Einstufung unter 50 bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Befragten die kurzfristigen Aussichten negativ einschätzen - das Ergebnis sowohl geringer Präsenz in Ausstellungen, als auch zu weniger interessanter Auktionseinlieferungen. Die aktuelle Solo-Show der Brüder in der Tate Liverpool sollte nun aber für neue Aufmerksamkeit sorgen.
Sammler: Dem Chapman-Markt fehlt das Interesse amerikanischer Sammler, ein entscheidender Faktor für Liquidität und Erfolg im zeitgenössischen Kunstmarkt.
Die Chapmans konnten in Amerika nie Fuß fassen. Daran konnte auch die Schau in der agosian Galerie 1997 nichts ändern. Europa, gerade Deutschland, waren deutlich empfänglicher. Das Museum Kunstpalast, Düsseldorf, organisierte 2003 zusammen mit dem Groninger Museum in den Niederlanden die erste Museumsausstellung in Europa.
Ein weiteres strukturelles Marktproblem ist die fehlende Präsenz relevanter Chapman-Arbeiten in der Tate Collection. Es sind zwar einige Papierwerke vertreten, bedeutende Arbeiten jedoch fehlen in jener Sammlung, die eigentlich die natürliche Heimat der Chapmans sein müsste. Hoffentlich kann dies durch die Retrospektive und die Auftragsarbeit in der Tate nachgeholt werden.
Primärmarkt: Saatchis Bedeutung für den Chapman-Markt hat abgenommen, seit er seinen Fokus auf die neuen, aufstrebenden Künstler in Deutschland und Amerika richtet. Einige von Chapmans Arbeiten wurden an Sammler aus den USA und aus Deutschland verkauft. Dadurch ist die Abhängigkeit von Saatchi gesunken.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite