Die Politik fürchtet sich vor ihrem Urteil: Die Ratingagenturen können die Lage in Griechenland, Portugal und Italien jederzeit verschlimmern. EU-Kommissarin Reding geißelt nun die Macht der Agenturen - und fordert von den USA, die Bewertungsinstitute zu zerschlagen.
Jetzt haben die Finanzmärkte auch Italien im Visier: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist in den Strudel der Schuldenkrise geraten. Erst kurz zuvor hatte die Ratingagentur Moody's Portugal auf Ramschstatus herabgestuft.
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EU-Justizkommissarin Viviane Reding will die drei großen Ratingagenturen in sechs kleine aufteilen - damit nicht ein Kartell über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften entscheidet. (© AFP)
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Die Politik sieht das Treiben auf den Finanzmärkten immer kritischer, vor allem das Verhalten der Ratingagenturen. EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat nun eine Zerschlagung der herrschenden Ratingagenturen ins Spiel gebracht. "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputtmachen lassen", sagte Reding der Welt. Es seien mehr Transparenz und Wettbewerb bei der Bewertung von Unternehmen und Staaten nötig. Ein Kartell dürfe nicht über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und ihrer Bürger entscheiden.
Der Markt wird quasi von den drei großen Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch beherrscht. Das will Reding ändern: "Entweder beschließen die G-20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus den drei Agenturen sechs zu machen. Oder es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen."
Druck auf Ratingagenturen nimmt zu
Bundespräsident Christian Wulff hat die Macht der Ratingagenturen ebenfalls kritisiert. Es sei erschütternd, dass sie weiterhin für Fehlurteile kaum in Haftung genommen werden, sagte er im ZDF. Bei den Ratingagenturen sei nach der Finanzkrise noch nichts passiert. Bereits vor wenigen Tagen hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert, sich von den Ratingagenturen nicht die Urteilsfähigkeit nehmen zu lassen. Damit spielte sie den Befürwortern eine europäischen Ratingagentur in die Hände.
Der öffentliche Druck auf die Ratingagenturen wächst. Die taz nennt Mitarbeiter in Ratingagenturen "Loser mit Routinejob". Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vergleicht die Agenturen mit Weingurus und den Meinungsmachern der Kunstszene: "Sie sind umstritten, anmaßend und unersetzlich."
Noch müssen die Politiker jedoch mit den Ratingagenturen leben. Sie werden in Planungen einbezogen, wie es mit Griechenland weitergehen soll, zitiert die Welt einen hohen EU-Diplomaten. Denn ohne das Okay der Ratingagenturen können Rettungsmodelle mit privater Gläubigerbeteiligung als Zahlungsausfall gewertet werden. Dem Diplomaten zufolge mehren sich die Zeichen für einen Schuldenschnitt: "Die Wahrscheinlichkeit, dass es spätestens bis Dezember zu einer Umschuldung Griechenlands kommt, ist sehr hoch." Dies sei jedoch eine extreme Option.
Linktipp: Der Blog Credit Writedowns hat eine Liste der aktuellen Länder-Ratings von Standard & Poor's zusammengestellt. Ganz unten: Griechenland.
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(Reuters/frsc/bbr)
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Die lieben Freunde der Finanzmärkte machen doch jedem Bürger vor und manche machen mit, wie man ohne Arbeit, als Werte schaffen. mehr Geld verdienen kann als mit Arbeit.
Eine demokratisch nicht legitimierte EU Despotin will eine ihr genehme Meinung von in den USA beheimateten Firmen hören. Größenwahn? Oder Satire?
es geht doch nicht darum, daß Investoren den Politikern glauben sollen - das machen sie ja sowieso schon nicht - ob mit oder ohne Rating-Agentur. Es geht darum, daß hochrangige wirtschaftliche INteressen hinter den Rating-Agenturen stecken (auch in den Aufsichtsräten der besagten Agenturen z. B. sind Vertreter von transnationalen Konzernen, die ganz sicher nicht "Brot für die Welt" im Sinne haben).
Und schon mal darüber nachgedacht, warum diese Agenturen die USA noch nicht schlecht bewertet haben, Deutschland noch nicht, England noch nicht, Frankreich noch nicht?????
Natürlich sind die Rating-Agenturen nicht für die beispiellose Zügellosigkeit Griechenlands verantwortlich. Sie sind aber dafür (mit-) verantwortlich für das Rating, dass sie damals vergeben haben. Ohnehin waren es doch S&P und Konsorten die den Schrottpapieren AAA geratet hatten. Und die Banken haben, obwohl sie ebenfalls ( hoch dotierte) Analysten beschäftigen, einfach den Agenturen geglaubt, obwohl sie es hätten besser wissen müssen. Das sind eben die Zielkonflikte, weil man eben selbst Wirtschaftsunternehmen und dazu noch eng vernetzt ist. Andererseits fragt man sich schon, warum die EZB, die ja inzwischen einen Mammutanteil griechischer Staatsanleihen hält, nicht selbst eine Unterbehörde mit Volkswirtschaftlern einrichtet und selbst ratet. Da kann man ein Personaltableau aufbauen, das wirklich unabhängig ist. Die EZB versucht ja ohnehin die Staatspapiere wieder los zu werden, um ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen.
Was für neue Ratingagenturen sind den gewollt?
Unabhängig/kritische, nie. Da sei der "ClubMed" (F,E,I) davor.
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