Kritik an Riester-Rente Teuer, riskant, renditeschwach

Als Antwort auf die Erosion der Gesetzlichen Rentenversicherung ist die Riester-Rente bislang kaum umstritten. Doch nun muss sie von Ökonomen Kritik einstecken.

Von Thomas Öchsner

Das Geschäft mit der Riester-Rente läuft glänzend. Fast 13 Millionen Bürger nutzen bereits die staatlich geförderte zusätzliche Altersvorsorge. Trotz der Finanzkrise schlossen von Juli bis September 2009 mehr als 250.000 Menschen einen neuen Vertrag ab.

Ist das Riester-Sparen jedoch volkswirtschaftlich überhaupt sinnvoll? Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommt in einer Studie zu einem überraschenden Ergebnis: Arbeitnehmer werden demnach bei der Riester-Rente einseitig belastet. Und gesamtwirtschaftlich gesehen wäre es besser gewesen, die Vorzüge der gesetzlichen Rente zu bewahren.

Die Deutschen werden zunehmend älter. Die Ausgaben für Renten, Pflege und Gesundheit ziehen an. Ziel der Rentenreformen seit Anfang des Jahrtausends war es daher, die höheren Kosten aufzufangen und die Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung bis zum Jahr 2030 auf höchstens 22 (derzeit 19,9) Prozent zu begrenzen.

Um das System auch für die Jüngeren stabil zu halten, wird das Rentenalter deshalb schrittweise bis auf 67Jahre heraufgesetzt und das Rentenniveau gesenkt. Zugleich soll die Riester-Rente, bei der Arbeitnehmer ohne Beteiligung des Arbeitgebers privat ansparen, die Einbußen bei der gesetzlichen Rente ausgleichen. Der IMK-Studie zufolge bringt dies jedoch viele Nachteile:

- Der Beitrag: Zwar dürfte der Beitrag bis Ende 2030 nur auf 22 Prozent steigen. Doch unterm Strich kommt dies die Beschäftigten teuer zu stehen: Einschließlich der Beiträge zur Riester-Rente sollen Arbeitnehmer bis zu 15 Prozent ihres Bruttoeinkommens für ihre Altersvorsorge aufwenden - elf Prozent als hälftiger Beitrag zur gesetzlichen Rente sowie vier Prozent für die geförderte private Vorsorge. Geht man, wie die fünf Wirtschaftsweisen, davon aus, dass der Beitragssatz ohne die Reformen auf knapp 25 Prozent klettern müsste, wäre der Anteil der Arbeitnehmer 2030 mit 12,5 Prozent deutlich geringer.

- Die Zinsen: "Es ist eine Illusion zu glauben, dass die kapitalgedeckte Alterssicherung auf Dauer höhere Renditen erzielt als das Umlagesystem bei der gesetzlichen Rentenversicherung", warnt IMK-Direktor Gustav Horn. Bei dem Umlageverfahren wird nicht wie beim kapitalgedeckten System Geld langfristig angespart, sondern aus den Beiträgen der Versicherten direkt das Altersgeld der Ruheständler gezahlt. Die durchschnittliche Verzinsung von vier Prozent, die beim kapitalgedeckten Verfahren angenommen wird, sei aber unrealistisch, sagt der IMK-Direktor. Denn langfristig könnten Kapitaleinkommen nicht dauerhaft stärker wachsen als Löhne und Gehälter.

- Das Risiko: Horn hält die kapitalgedeckte Altersvorsorge für weniger krisenfest. Das zeige gerade die jüngste Weltwirtschaftskrise. So müssten in den USA alle über 45-Jährigen mit Renteneinbußen zwischen 17 und 25 Prozent rechnen.

- Das Wachstum: Seit den Rentenreformen sparen die Deutschen mehr. Dies habe den privaten Konsum gedämpft, was wiederum das Wachstum schwächte. Und dadurch, heißt es in der Studie, seien die Einsparerfolge des Staates bei der Rentenversicherung zunichte gemacht worden.