Krisengipfel von Brüssel Europa blickt in den Abgrund

Der Gipfel von Brüssel markiert nichts weniger als den Wendepunkt der seit zwei Jahren währenden Euro-Krise. Erst jetzt haben sich die Euro-Retter dazu durchgerungen, die stets ignorierte volle Wahrheit über Griechenland in ihrer gesamten Dramatik anzuerkennen. Nun helfen nur noch immense Milliardensummen, doch auch die erkaufen lediglich die Zeit für nachhaltige Rettungsmaßnahmen.

Ein Kommentar von Cerstin Gammelin

Gäbe es so etwas wie einen Spiegel der Wahrheit in dieser Schuldenkrise, so hätten die europäischen Staatenlenker an diesem Wochenende erstmals wirklich einen Blick riskiert. Was sie darin hätten sehen können, übertrifft alle negativen Erwartungen. Im Epizentrum der Krise, in Griechenland, sind die Schockwellen größer als zuvor. Auch anderswo, in Italien oder Portugal, gibt es keine Entspannung. Es ist nun glasklar, dass das historische Vorhaben, die weltweit zweitgrößte Währung Euro zu retten, mit den kleinen Trippelschritten der auf nationale Interessen Rücksicht nehmenden Politiker nicht gelingen kann.

Dieses Gipfel-Wochenende von Brüssel markiert nichts weniger als den Wendepunkt der seit zwei Jahren währenden Krise. Lang hat es gedauert, bis sich die Euro-Retter dazu durchgerungen haben, die geahnte, aber stets ignorierte volle Wahrheit über Griechenland auf den Tisch zu legen.

Der Bericht der Inspektoren der Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank liest sich wie eine Horrorstory. Er stellt alle bisherigen Rettungsversuche der Europäer in Frage.

Hellas war der Pleite noch nie so nahe, und das trotz aller Hilfen. Schwarz auf weiß bescheinigt die Troika den Staats- und Regierungschefs der Währungsgemeinschaft, dass ihre Kreditprogramme die Krise sogar weiter angeheizt haben.

Ein Land, das kein Geld hat und dessen Unternehmen marode sind, kann keine hohen Zinsen auf Kredite zahlen, ohne dass die Schulden wachsen. Im schlimmsten Fall benötigt das Land in den nächsten Jahren zusätzlich 444 Milliarden Euro, um wieder auf die Beine zu kommen - und wäre dann allerdings immer noch weit davon entfernt, die Schuldenregeln des Euro-Klubs einzuhalten.