Krise verschärft sich Lehman Brothers steht vor Fiasko
Anzeige
Drama an der Wall Street: Die Zahlen der US-Investmentbank Lehman Bros sind weit schlechter als ohnehin schon befürchtet. Die Lage wird immer bedrohlicher.
Die von der Kreditkrise schwer getroffene US- Investmentbank Lehman Brothers stürzt immer tiefer in die roten Zahlen.
Steckt tief in der (Finanz-)Krise: Die US-Investmentbank Lehman Brothers.
(Foto: Foto: Reuters)Die viertgrößte amerikanische Investmentbank schrieb in ihrem dritten Geschäftsquartal unter dem Strich ein Minus von 3,9 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro).
Die Abschreibungen betrugen fünf Milliarden Dollar. Experten hatten lediglich mit einem Verlust von 2,2 Milliarden Dollar gerechnet.
Die Dividende wird jetzt radikal zusammengestrichen. Die Bank will zudem Konzernteile verkaufen, um sich dringend benötigtes frisches Kapital in Milliardenhöhe zu beschaffen. Überdies werden Stellen gestrichen.
Anzeige
"Die Branche steckt in einer besonderen Situation, die eine der härtesten Perioden der Firmengeschichte darstellt", schrieb Bankchef Richard Fuld in einer Stellungnahme.
Die Lehman-Aktien, die bereits am Vortag fast die Hälfte an Wert verloren hatten, verloren im vorbörslichen Geschäft an der Wall Street weitere vier Prozent, konnten sich dann aber nach Handelsbeginn wieder eholen.
Kein Geld aus Korea
Tags zuvor hatte die Korean Development Bank die Gespräche mit Lehman für beendet erklärt, da man sich uneinig über die Konditionen der Transaktion sowie über das Umfeld auf den heimischen und internationalen Finanzmärkten gewesen sei.
Die Koreaner hatten ursprünglich einen Einstieg mit bis zu 5,3 Milliarden Dollar bei Lehman erwogen.
Sollte Lehman kein frisches Kapital bekommen, droht dem Institut das gleiche Schicksal wie Konkurrent Bear Stearns, der im Frühjahr von der US-Notenbank Fed gestützt und vom Konkurrenten JP Morgan Chase übernommen werden musste.
Mehrere Experten und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erwarten jedoch eine Rettung des Instituts. "Ich bin überzeugt, dass sich alle Banken der Verantwortung über Lehman bewusst sind und wir alle eine Lösung finden werden", sagte Ackermann. "Ein Kollaps einer Bank in der Größenordnung von Lehman würde weitere Verwerfungen an den Märkten nach sich ziehen."
Um weitere Finanzmarktturbulenzen zu verhindern, hatte die US-Regierung Anfang der Woche die Kontrolle über die angeschlagenen amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac übernommen.
Lehman hat seit Beginn der Kreditkrise sieben Milliarden Dollar Abschreibungen und Verluste hinnehmen müssen.