Die Nervosität an den internationalen Finanzmärkten ist nach wie vor groß. Die Börsianer blicken mit großer Sorge auf die kommende Woche.

An den internationalen Börsen und Finanzmärkten wird sich heute zeigen, wie stark sie noch von der US-Hypothekenkrise belastet werden. Marktbeobachter sind sich über die weitere Entwicklung uneins. Die einen verweisen darauf, dass in den USA noch fast zehn Billionen Dollar Hypothekenkredite ausstehen, davon rund ein Drittel mit schlechter oder zumindest nicht primärer Bonität.

Auch die Börsenkurse in Japan rutschten vergangene Woche in den Keller. Nun pumpte die japanische Notenbank bereits zum zweiten Mal Milliarden in den Geldmarkt (© Foto: AFP)

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Mehrere Experten in Deutschland äußerten sich dagegen optimistisch. So sagte der Wirtschaftsweise Bert Rürup in der Berliner Zeitung, er sehe noch keine gravierenden Auswirkungen auf die robuste Konjunktur in Deutschland.

Auch der Konjunkturchef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), Michael Bräuninger, betonte: "Die US-Immobilienkrise wird die Konjunktur in Deutschland nicht abwürgen." Sie sei sehr robust und werde durch die Binnennachfrage getragen, sagte er dem Hamburger Abendblatt. Eine Bankenkrise in Deutschland halte er für ausgeschlossen.

Die japanische Notenbank BOJ versorgte am Morgen zum zweiten Mal binnen zwei Handelstagen den Geldmarkt mit zusätzlichen Milliarden. Die Bank of Japan pumpte am Montag in einer auf eine Woche angelegten Operation rund 600 Milliarden Yen (rund 5,1 Milliarden Dollar) in den Geldkreislauf. Bereits am Freitag hatte die BOJ dem Bankensystem umgerechnet 8,45 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt.

Der Wall Street dürfte die ausgewachsene Kreditkrise in den USA auch in dieser Woche eine Berg- und Talfahrt bescheren. Schon die kleinsten Anzeichen dafür, dass weitere Unternehmen betroffen sind und möglicherweise um ihre Existenz fürchten müssen, werde die Aktienmärkte nach unten ziehen, sind sich Experten einig.

Vorübergehende Maßnahmen

Die Frage sei nur, ob die US-Notenbank (Fed) den Dingen ihren Lauf lasse oder als Retter einspringe, meint etwa Chip Hanlon, Präsident von Delta Global Advisors. Für ihn sei letzteres wahrscheinlicher.

Wie andere Zentralbanken rund um den Globus hatte die Fed in der vergangenen Woche zu milliardenschweren Liquiditätsspritzen gegriffen, um den Markt zu stabilisieren. Allein am Freitag pumpte sie 38 Milliarden Dollar in das Bankensystem - so viel wie noch nie an einem Tag seit kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Insgesamt versorgte die Zentralbank die Institute in der abgelaufenen Woche mit 87,5 Milliarden Dollar nach 50,25 Milliarden Dollar in der Woche davor. Auch Markt-Stratege Joseph Quinlan von Banc of America Capital Management hält weitere Liquiditätsspritzen für möglich, sollte sich die Lage nicht entspannen. "Die Fed hat bereits gezeigt, dass sie das tut, wenn es sein muss."

Trotz der teilweisen Verluste am Donnerstag und Freitag hatten die drei führenden Indizes die volatile Woche mit Kursgewinnen beendet: Der Leitindex Dow Jones legte auf Wochensicht 0,4 Prozent zu, der breiter gefasste S&P-500 1,4 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq 1,3 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf präsentiert sich der Dow sogar mehr als sechs Prozent fester.

Viele Experten sehen vor diesem Hintergrund in den jüngsten Finanzspritzen auch nur eine vorübergehende Maßnahme und halten an ihrem langfristigen Ausblick für die Geldpolitik der US-Notenbanker fest.

Angst vor faulen Krediten

Und der ist eindeutig: Eine Zinssenkung durch die Fed sei in naher Zukunft nicht zu erwarten, heißt es. Zwar geht die Mehrheit der Primärhändler in den USA davon aus, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinssenkung sein wird.

Allerdings erwarten inzwischen nur noch wenige von ihnen, dass dies noch vor Jahresende passiert. Eine "Notfall-Senkung" sei nicht ausgeschlossen, sagt Volkswirt Jan Hatzius von Goldman Sachs. "Wir gehen aber ganz sicher nicht fest davon aus, dass dies geschieht."

Für die Fed dürfte in den kommenden Tagen vor allem wichtig sein, wie die Inflationsdaten ausfallen, die am Dienstag in Form der Erzeugerpreise und am Mittwoch mit den Verbraucherpreisen anstehen. Auch die am Freitag zur Veröffentlichung stehenden Daten zum Verbrauchervertrauen im August werden mit Spannung erwartet.

Die Angst vor faulen Krediten in überall auf der Welt verteilten Anleihepaketen hatte vor dem Wochenende beinahe den Geldmarkt ausgetrocknet. Die Notenbanken mussten eine beispiellose Summe von mehr als 200 Milliarden Euro an kurzfristigen Krediten in den Markt pumpen, um dies zu verhindern.

Übers Wochenende kamen neue Berichte auf, die die Furcht weiter schüren könnten. So soll die amerikanische Citigroup mit Kreditanleihen mehr als 500 Millionen Dollar (365 Mio Euro) verloren haben, berichtete die Financial Times.

Betroffenheit deutscher Banken unklar

In Deutschland wurden die WestLB und die Postbank in Medienberichten mit Investitionen im US-Immobiliensektor in Verbindung gebracht, wobei beide Banken betonten, dass nicht unbedingt mit hohen Ausfällen bei den Krediten zu rechnen sei.

In den USA beantragte mit HomeBanc ein weiterer Immobilienfinanzierer Gläubigerschutz. Allerdings hatte die Firma bereits zuvor angekündigt, aus dem Hypothekengeschäft auszusteigen und gab große Teile ihrer Aktivitäten an den deutlich größeren Konkurrenten Countrywide ab. Auch der steht aber immer mehr unter Druck.

Diese Nachrichten sind zwar an sich wenig dramatisch, treffen jedoch auf eine extrem nervöse Stimmung. Der Geldmarkt, an dem die Banken einander Geld ausleihen, um ihre Liquidität aufrecht zu erhalten, funktioniert stockend. Der Grund: Es ist unklar, wer von den Banken wie schwer von den grassierenden Zahlungsausfällen im US-Hypothekenmarkt betroffen ist.

Die Hausbauer-Kredite, auch die mit schlechter Bonität ("subprime"), wurden gestückelt, in Anleihen verpackt und weltweit von Banken und anderen Investoren gekauft. So ist offen, wer plötzlich auf einem Berg von Verlusten sitzen könnte. Das hat zu einer Vertrauenskrise geführt. Als Folge fielen vor allem die Kurse von Bank-Aktien stark und zogen die Börsen mit runter.

In wie weit noch mehr deutsche Banken nach der in Schieflage geratenen Mittelstandsbank IKB von der US-Immobilienkrise betroffen sind, bleibt weiterhin unklar. Ein WestLB-Sprecher sagte dem Spiegel, die Bank habe "über alle Positionen des Handels- und Bankbuchs 1,25 Milliarden Euro in Subprime-Wertpapieren investiert".

Das Institut betont aber, dass selbst ihre zweitklassigen Kreditpapiere von den Rating-Agenturen noch gut bewertet würden. Die Postbank ist noch dabei, das genaue Engagement im Subprime-Markt festzustellen.

Ende Juli hatte die Bank bereits das Volumen von Anleihen, in denen auch Subprime-Kredite stecken könnten, mit 800 Millionen Euro angegeben. Nun wurde bekannt, dass die Postbank mit 600 Millionen Euro bei zwei Gesellschaften des von der Krise schwer getroffenen Rhineland-Fonds der IKB engagiert war. Von dieser Summe entfalle aber höchstens ein Drittel auf Immobilienkredite und die meisten davon seien von hoher Qualität, betonte ein Sprecher.

Die IKB war vor allem durch die Subprime-Kredite bei Rhineland in eine milliardenschwere Schieflage geraten und musste mit Garantien der staatlichen KfW Bankengruppe gerettet werden. Bisher ist dies der einzige schwerwiegende Ausläufer der US-Krise in Deutschland.

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(dpa/Reuters)