Datenschützer kritisieren die Verfahren, mit denen Banken und andere Firmen kontrollieren, ob Kunden zahlungsfähig sind.
Michael Wilken schüttelt den Kopf. Er kann immer noch nicht glauben, was er erlebt hat, als er sich bei einer Bank nach den Konditionen für einen Ratenkredit erkundigte.
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"Das Gespräch verlief ausgesprochen nett", erzählt der Mann mit den kurzen grauen Haaren. Die Bankmitarbeiterin sei freundlich und geduldig gewesen. "Sie entschuldigte sich noch dafür, dass das Eintippen meiner Daten etwas länger dauere, weil sie ein neues Computerprogramm hätten."
Doch plötzlich sei die Stimmung gekippt. "Als der Computer ihr das Ergebnis mitteilte, wurde sie ganz blass: Statt der in der Werbung angebotenen 4,5 Prozent hätte ich elf Prozent Zinsen zahlen sollen", sagt er. "Es war ihr richtig unangenehm." Eine Erklärung habe sie nicht liefern können. "Sie sagte nur, dass ihr leider die Hände gebunden sei. Der Computer habe meine Risiken berechnet, und das sei nunmal das Ergebnis."
Wilken und die Bank kamen nicht ins Geschäft. Das liegt allerdings nicht an den hohen Kreditzinsen, die er hätte zahlen sollen, sondern daran, dass das Ganze ohnehin nur ein Test war. Im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (Vzbv) hatte die Münchner GP Forschungsgruppe 21 Personen in elf verschiedene Kreditinstitute geschickt, um das Prozedere bei der Kreditvergabe näher zu beleuchten.
Undurchsichtiges Verfahren
Die Tester interessierte dabei vor allem das sogenannte Scoring. So nennt man das automatisierte Verfahren, bei dem die Banken anhand von bestimmten Daten des Kunden auf dessen Zahlungsfähigkeit schließen. Beispiele sind Beruf, Familienstand, aber teilweise auch die Wohngegend oder die Staatsangehörigkeit. Kunden mit guter Bonität erhalten günstigere Konditionen als solche mit schlechter Bonität.
Neben der völligen Intransparenz dieses Verfahrens kritisieren die Verbraucherschützer vor allem eines: " Die Resultate, die das Scoring bringt, sind genauso verlässlich wie der Blick in die Kristallkugel", stellte Vzbv-Vorstand Gerd Billen am Mittwoch bei der Präsentation der Testergebnisse in Berlin fest. Banken und Auskunfteien sprächen immer von "wissenschaftlichen Verfahren", doch davon könne keine Rede sein. "Das ist ein einziger Hokuspokus, der da zum Nachteil der Verbraucher veranstaltet wird", sagt Billen.
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Das Instritut für Grundlagen und Programmforschung hat eine Studie über Scoring Verfahren erstellt, die da lautet "Verantwortungsvolle Kreditvergabe" Autor: Dr. Dieter Korczak (wen's interessiert, einfach nach Autor und Titel googlen).
Das Resümee sei hier zitiert (Abs. 6.14):
"Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung, Niedrigeinkommen und schlechte Haushaltsführungskenntnisse/finanzielle Allgemeinbildung sind nach den Auswertungen der Klientendaten von Schuldnerberatungsstellen die Hauptursachen der Überschuldung.
Diese werden -mit Ausnahme des Niedrigeinkommens- durch die Scoringverfahren nicht erfasst."
Und sogar das Einkommen wird meines Wissens nach selten zur Bewertung herangezogen - die Info über das Einkommen muss man der Schufa schon nachtragen, damit sie es berücksichtigt.
Damit haben die Scoringunternehmen mit ihrer "Bewertung" meiner Ansicht nach die Grenze zur üblen Nachrede deutlich überschritten.
Die so genannte Transparenz, will heißen, Auskunftspflicht der Scoringunternehmen gibts ohnehin schon. Nur muss man halt bezahlen um zu erfahren was die so über einen verbreiten. - Auch ein Geschäftsmodell...
Eine Änderung der Bewertung oder gar einen Eindruck, wie diese zustande gekommen ist, hat man durch die so entstandene "Transparenz" noch lange nicht. Da würden Schadenersatzansprüche auf alle entstandenen Folgekosten bei Falschauskunft infolge falscher oder mangelnder Daten schon eher helfen.
Darüber hinaus tragen sie dazu bei, dass Leute einen Kredit bekommen, die eigentlich keinen kriegen dürften - zum Schaden aller Beteiligten ... zumindest auf dem ersten Blick mit Ausnahme der Schufa.
Die Schufaauskunft wird jedoch von den Banken dazu benutzt Lockangebote erst möglich zu machen (gute Schufa, niedrige Zinsen etc.). Die eigentliche Kreditwürdigkeit ist im Grunde völlig egal. Das System hätte sich ansonsten nicht ansatzweise durchgesetzt.
Der Kreis der Geschädigten reduziert sich damit auf die Bankkunden...
... da ein Blick in die Vergangenheit (was so ein Scoring macht) nur selten einen Rückblick auf die Zukunft bietet. Es verhindert maßgeblich Umschuldungen, eventuelle Umzüge in eine günstigere Wohnung ..., erhöht damit dramatisch die Lebenshaltungskosten eines etwaiigen Schuldners und man braucht sich nicht zu wundern wenn die Gläubiger nicht mehr zu ihrem Geld kommen.
Das Insolvenzrecht muss geändert werden. Schufa abgeschafft. Schuldnerberatung umgebaut. Der Berater muss auch zwischen beiden Seiten verhandeln dürfen und in gewissen Dingen im Vorfeld eines etwaiigen gerichtlichen Verfahrens auch Anordnungen wie "keine Pfändung" ... treffen dürfen. Er muss unabhängig sein und vollständig vom Staat bezahlt werden. (Im Moment bekommt ein Anwalt in der ersten Stufe des Mahnverfahrens bis zu rund 2500 Euro für das Versenden von Serienbriefen - da hat sich eine richtige Industrie aus Anwälten, Gerichtsvollziehern ... gebildet). Da könnte sich Frau Zypris mal richtig betätigen.