Zoff ums Geld: Es ist ärgerlich, dass sich die Regierung nicht mehr Einfluss auf die Banken verschafft - denn nur unter Druck werden die Banken genügend Kredite vergeben.
Diese Frage beschäftigt das Land seit Monaten. Verweigern die Banken den Firmen Kredite und verschärfen so die Rezession? Es sind auf diese Frage vor allem zwei Antworten zu hören. Viele Unternehmer und Politiker klagen die Banken an, sich mit Staatshilfe und Notenbankgeld vollzusaugen, aber trotzdem keine Darlehen zu gewähren. Viele Banker verbitten sich diese Einmischung in ihre Geschäfte mit derselben Hochnäsigkeit, mit der sie ihre Mitschuld an der Finanzkrise leugnen.
Unternehmen, Banken und die Politik streiten: Klemmt es bei der Kreditvergabe? (© Foto: dpa)
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Das Problem beider Antworten ist, dass sie an der Realität vorbeigehen. Die pauschale Verurteilung der Geldhäuser ist falsch. Es gibt bisher keine Daten, die eine wirkliche Kreditklemme belegen. Zahlreiche Banken vergeben mehr Darlehen als vergangenes Jahr. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen dafür, dass ein großer Engpass bevorsteht. In den Eurostaaten nahmen die Darlehen im Mai zwar leicht zu, doch die Zunahme war so gering wie noch nie seit Geburt des Euro vor mehr als einer Dekade. Außerdem fällt auf, dass immer mehr Unternehmer über Mühen bei den Darlehen berichten. In der Elektroindustrie etwa hat sich der Prozentsatz seit März verzehnfacht. Diese Beschwerden auf eine Bankenphobie zu schieben, wäre zu einfach. Es gibt offensichtlich eine Realität, die sich in der Statistik (noch) nicht niederschlägt.
Vor diesem Hintergrund erstaunt es, wie sicher schon wieder einige Geldmanager sind, dass sie alles richtig machen. So argumentiert mancher, es sei gut, dass die Banken das Kreditrisiko scheuen - man habe die Branche doch gerade gerügt, durch zu hohe Risiken die Finanzkrise ausgelöst zu haben. Das offenbart ein falsches Verständnis davon, welche Rolle die Branche für die Wirtschaft spielen sollte. Die Banken lösten die Krise durch spekulative Geschäfte aus, fixiert auf immer höhere Renditen, getrieben durch das Verlangen nach Boni. Für diesen Irrweg bezahlen die meisten Menschen auf dem Globus, weil die Wirtschaft schrumpft und die Entlassungen zunehmen. Wenn sich die Geldhäuser nun bei Darlehen besonders zurückhalten, schädigen sie die Menschheit ein zweites Mal. Und sie vernachlässigen ihre primäre Aufgabe: Kredite zu geben statt zu spekulieren - wie schon der Name "Kreditinstitute" anzeigt.
Die Banker sollten weniger jammern, dass sie zu Buhmännern geworden sind; sie sind es zurecht. Sie sollten lieber so viele Darlehen geben, wie es die Bonität der Kunden erlaubt, um die Rezession zu dämpfen. Deshalb ist es richtig, wenn Politiker Druck auf die Branche ausüben, den Unternehmen jetzt nicht den Hahn zuzudrehen.
Selbst wer diesen Druck billigt, muss nicht jede Äußerung aus Berlin gutheißen. Es ist halt Wahlkampf. Wenn Finanzminister Peer Steinbrück mit "noch nie dagewesenen Maßnahmen" droht, zeigt das vor allem sein Temperament. Steinbrück und die anderen könnten mehr tun, als nur auf die Geldhäuser einzuprügeln. So kann die Regierung mehr Darlehen über eigene Förderbanken vergeben, sobald es richtig klemmt. Und die Zentralbank kann die Darlehen direkt an Firmen vergeben.
Ärgerlich ist, dass sich die Regierung nicht mehr Einfluss auf die Geldhäuser verschafft. Gerade erleichterte sie der Branche die Auslagerung fauler Wertpapiere - ohne dabei Eingriffsmöglichkeiten festzuschreiben, mit denen sie auch die Kreditvergabe beeinflussen könnte. Ausgerechnet die sonst so marktliberalen USA und Großbritannien gehen radikaler vor, in dem sie den Geldhäusern Eigenkapital aufdrängen - wohl wissend, dass genügend Kapital die Voraussetzung dafür ist, Darlehen zu vergeben.
Immerhin hat die Bundesregierung erkannt, dass die Finanzregeln Basel II die Krise verschärfen. Sie hat Recht mit ihrem Vorstoß bei der EU, den Banken zu erlauben, in der Rezession etwas weniger Eigenkapital für jedes Darlehen vorweisen zu müssen. Richtig wäre es, das derzeitige Desaster zu einer umfassenden Regulierung zu nutzen. In guten Zeiten sollten die Geldhäuser Kapitalpolster ansammeln müssen, die ihnen in schlechten zur Verfügung stehen - auch um genug Kredite vergeben zu können.
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(SZ vom 07.07.2009/mel)
"Und Betriebe, die nur auf Kreditbasis ihre Produktion, bzw ihre Geschäfte tätigen können, sollten zusperren, "
Dann sollten sie sich beeilen, Ihr Geld abzuholen, wenn Sie etwas bei einer Bank deponiert haben. Man könnte Ihrem Rat folgen =;)
Und wWenn Sie Ihr Geld haben, vergessen Sie nicht SOFORT einzukaufen, bevor alle Geschäfte schließen, die ihre Waren nicht bar Cash bei Anlieferung bezahlen. Das sind praktisch alle, die nicht bar bezahlen MÜSSEN, weil sie nicht kreditwürdig sind.
Ihr Vorschlag ist prinzipiell im privaten Bereich sogar gut ("Schuldenspirale"). Aber spätestens bei einer Immobilienfinanzierung reicht das Angesparte wohl meist nicht aus.
Kaum ein Unternehmen kann ohne Kredite der Nachfrage entsprechend liefern und wachsen, oder sich an veränderte Bedingungen anpassen. Das fängt schon beim Milchbauern an, der keinen Grund hätte in eine Melkanlage zu investieren um konkurrenzfähig zu sein, wenn auch sonst niemand eine Melkanlage kauft -- und die handgezapfte Milch ab Hof 2 Euro pro Liter kostet.
Sozialromantik und Träumen vom Leben vor dem Geldzeitalter wärmen das Herz. Aber kaum jemand ist tatsächlich bereit ein Leben wie vor dem Geldzeitalter zu führen. Sage ich Ihnen als Kritiker dessen, was die Finanzindustrie gerade veranstaltet.
Alles Gute
Kai Hamann
www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,634786-2,00.html
Wenn man sich diesen Artikel zum Thema Banken und Regulierungen durchliest, wird einem jetzt schon wieder übel.
"In guten Zeiten sollten die Geldhäuser Kapitalpolster ansammeln müssen, die ihnen in schlechten zur Verfügung stehen - auch um genug Kredite vergeben zu können."
Da musste ich dann doch sehr schmunzeln. Warum sollten Banken das tun? Das bisherige Modell "in guten Zeiten Gewinne privatisieren, in schlechten Zeiten den Staat anzapfen" funktioniert doch blendend. Auch aus Sicht des Shareholder Value. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Hallo Herr Hagelüken,
vielleicht stimmen Sie sich mit Ihrem Kollegen Beise ab, der ebenfalls in der SZ (www.sueddeutsche.de/wirtschaft/787/479280/text/) vor wenigen Tagen schrieb:
"Wahrscheinlich steht nur noch ein Drittel des Geldes zur Verfügung, das die Wirtschaft am Laufen hält, in dem es beispielsweise an Private und Unternehmen verliehen wird, die damit Geschäfte machen. Kein Wunder, dass das Wachstum auf breiter Front einbricht."
Langfristige Datensammelei mag von wissenschaftlichem Interesse sein, aber wie so oft riskiert man damit bewusst, dass sich ein Schwelbrand zu einem Großfeuer entwickelt. Insbesondere im Umgang mit Banken, die -- wie die HRE -- über Nacht Geld verlangen, um nicht das gesamte Wirtschaftssystem zusammenbrechen zu lassen.
Dass die Regierung noch nicht einmal in der Lage ist, die Verwendung der Hilfen des Steuerzahlers an die Finanzindustrie so zu regeln, dass sie im Auftrage des Bürgers (von dem hat sie ihren Auftrag und NICHT von den Banken!) ein Mitspracherecht hat, spricht für sich.
Und wenn es Ihre Aussage stimmt und es tatsächlich keine Daten gibt, dann stellt sich doch ganz zwangsläufig die Frage, warum der Staat dann nie dagewesene Schulden macht, um Steuergelder in die Banken zu kippen und eine Bad Bank eingerichtet hat?
Keine Daten vorhanden, wenn die Wirtschaft Kredite benötigt, aber Daten vorhanden, wenn Banken billiges Geld und Hilfen verlangen --- kommt Ihnen das nicht irgendwie merkwürdig vor?
Fragt, mit besten Wünschen
Kai Hamann
Plötzlich verbitten sich die Banken wieder "diese Einmischung in ihre Geschäfte", wie bereits vor den zahlreichen Steuergeldgeschenken, Schirmen und Paketen.
Tatsache ist; die Banken bekommen derzeit wieder billiges Geld.
Sie geben es aber nicht an die Kunden weiter, da sie sich erst einmal sanieren wollen. Und dann wären da noch die frustrierten Anteilseigner.
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