Tief im Schlamassel: Der frühere Chef der IKB, Stefan Ortseifen, ist verurteilt worden, die Bank rutschte vor drei Jahren als erstes deutsches Institut in die Krise - und sie weiß immer noch nicht, wo es langgeht.
Die Düsseldorfer IKB galt über Jahrzehnte als langweiliger Mittelstandsfinanzierer. Weil in diesem Geschäft um das Jahr 2000 herum nicht mehr genug Geld zu verdienen war, kamen die Vorstände auf eine neue Idee: Sie investierten nach und nach immer mehr in damals innovative Wertpapiere, die höhere Renditen abwarfen als konventionelle Produkte.
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Die IKB macht Verluste - und ist auf der Suche nach einer Existenzberechtigung. (© dpa)
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Diese hießen ABS oder CDO und waren verbriefte Kredite auf amerikanische Immobilien. Keine deutsche Bank außer der SachsenLB hatte so viele dieser Produkte in ihrem Depot, als 2007 die US-Immobilienblase platzte. Papiere im Wert von 17 Milliarden Euro lagen bei der ausgegliederten Zweckgesellschaft Rhineland Funding.
Als die Papiere wegen des Preisverfalls abgewertet werden mussten, war die IKB faktisch pleite. Am 30. Juli 2007 musste sie mit Milliarden gestützt werden, die überwiegend von der größten Anteilseignerin kamen, der staatlichen KfW. Auch andere Banken, darunter die Deutsche Bank, leisteten einen Beitrag. Insgesamt erhielt die IKB bis heute Garantien über mehr als zehn Milliarden Euro.
Herbe Verluste
Ortseifen wurde im August 2007 vom Aufsichtsrat fristlos gekündigt. Seitdem ist die IKB auf der Suche nach einem Geschäftsmodell oder, dramatischer formuliert, nach einer Existenzberechtigung.
Wie schwierig diese Suche ist, zeigen die jüngsten Zahlen. Erst vor zwei Wochen meldete die IKB für das letzte Geschäftsjahr, das bis 31. März lief, einen Verlust von fast einer Milliarde Euro.
Das war sogar noch mehr als die 580 Millionen Euro im Jahr davor. Hauptgrund dafür war zwar ein Bewertungsgrund; die Bank musste ihre Verbindlichkeiten höher ansetzen. Doch das ändert nichts daran, dass man in der Bank immer noch nicht weiß, woher künftig die Gewinne kommen sollen.
Einfach die Uhr um zehn Jahre zurückzudrehen, reicht nicht. Das Geschäft mit mittelständischen Firmen ist für alle schwieriger geworden, besonders aber für die IKB. Denn sie leidet nach wie vor unter ihren hohen Risiken und ihrem schlechten Ruf.
Die Ratingagentur Fitch bewertet sie nur mit der mittelmäßigen Note BBB-. Das bedeutet, dass die IKB sich selbst nur Geld zu höheren Zinsen beschaffen kann als Konkurrenten, um es an den Mittelstand weiter zu verleihen. Ein einträgliches Geschäft kann daraus vorerst nicht entstehen.
Keine neuen Risiken
Ein neues Geschäftsmodell muss her, doch das ist schwierig. Schließlich muss die IKB wegen der Staatshilfe Auflagen der EU erfüllen: Sie muss die Bilanz zurückfahren und darf keine neuen Risiken eingehen.
Der neue IKB-Chef Hans Jörg Schüttler, der von der Investmentbank Morgan Stanley kam, versucht das Institut auf kundenorientiertes Investmentbanking auszurichten.
Die IKB soll den rund 500 Mittelständlern, denen sie Kredite gegeben hat, künftig auch andere Dienstleistungen verkaufen, etwa die Beratung bei Fusionen oder die Beschaffung von Kapital. Schüttler hat anderen Investmentbanken Leute abgeworben, die das Geschäftsfeld bei der IKB aufbauen sollen. Doch auch dieser Markt ist hart umkämpft.
Den geringen Erträgen stehen bei der IKB hohe Risiken gegenüber: Firmenkredite drohen wegen der Konjunkturkrise weiter zu platzen, die hohen Gebühren auf die staatlichen Garantien belasten das Ergebnis.
Vom Finanzinvestor Lone Star, der die IKB für 150 Millionen übernahm, ist bekannt, dass er sich von der Beteiligung am liebsten trennen würde. Ein Interessent hat sich bisher aber offensichtlich nicht gemeldet. Niemand will sich derzeit die Risiken der IKB aufladen. Das hielten in Finanzkreisen viele aber für die beste Lösung: Wenn die IKB unter das Dach einer stärkeren Mutter schlüpfen könnte - und als eigenständige Bank verschwände.
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(sueddeutsche.de/hgn)
Ägypten
Das Geschäftsmodell steht doch schon in der ersten Zeile. Man müsste sich doch nur seiner Verantwortung besinnen, welche eigentlichen Aufgaben man hat. Klar ist es viel besser, mit Zockereien Unsummen an Provisionen zu ergattern - was am Ende dabei herauskommt, wissen wir mittlerweile.
Der Mittelstand benötigt solide Finanzierungspartner, die eben nicht permanent auf illusorische Renditevorgaben und Shareholdervalue schielen. Wer zocken will, soll zocken. Landesbanken haben aber nicht diese Aufgabe, sondern soll(t)en solider Finanzpartner für die kleinen Firmen sein. Die ganze Diskussion hier ist eigentlich schon im Keim erstickt weil nutzlos. Ebenso nutzlos wie die Bankster dort.
Dieses Problem haben alle deutsche Landesbankster, nicht nur die IKB. In D wäre schon eine einzige Landesbank eine zu viel. Aber wohin mit all den Aufsichtsräten und Vorständen? Nicht mal die Müllabfuhr würde die nehmen. Lieber Monat für Monat Hunderte von Millionen Steuermittel für Gehälter versenken.
Dass bei den Risiken bei der SachsenLB keine falschen Hoffnungen aufkommen.
In 11 verschiedenen Zweckgesellschaften hat die SachsenLB 64 Milliarden Euro absolut wertloser Papierschnipsel ausgelagert, um sie vor der Finanzaufsicht zu verstecken.
Daran wird sich die LBBW noch die Zähne ausbeißen und die Steuerzahler in BW können schon mal üben zu frohlocken und Hossiana zu singen.