Krankenversicherungen Die Kassenpatienten bleiben auf der Strecke

Vielen privaten Versicherern steht das Wasser bis zum Hals. Ihnen hilft die Koalition, indem sie die gesetzliche Krankenversicherung weiter schwächt. Klug ist das nicht.

Ein Kommentar von Guido Bohsem

Man kann die Vertreter der privaten Krankenversicherung (PKV) nur beglückwünschen. Sie sind der große Gewinner der Gesundheitsreformen der schwarz-gelben Koalition. Was FDP und Union da auf dem Weg gebracht haben, ist nichts anderes als ein großangelegtes Förderprogramm für die privaten Versicherer. Die schlechte Nachricht ist, die ganzen Wohltaten gehen vor allem auf Kosten der gesetzlich Versicherten.

Die Koalition hilft den privaten Krankenversicherern.

(Foto: ap)

Statt wie bisher drei Jahre warten zu müssen, können gut verdienende Angestellte schon zu Beginn des kommenden Jahres in die PKV wechseln. Diesen Zeitpunkt zu wählen, ist für die gesetzliche Konkurrenz besonders schlecht. Denn die ist gezwungen, zum gleichen Zeitpunkt die Beiträge kräftig anzuheben. Für potentielle Kunden bietet sich also ein doppelter Anreiz für einen Wechsel.

Zudem nimmt die Koalition den gesetzlichen Kassen die Möglichkeit, ernsthaft mit den privaten Anbietern zu konkurrieren. Zusatzverträge wie Auslandsversicherung und Chefarztbehandlung sollen AOK und Co in Zukunft nicht mehr anbieten können. Schließlich darf die PKV die von der GKV ausgehandelten Arzneimittelpreise übernehmen. Dazu muss man wissen: Für die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie braucht man sehr teure Fachleute und Gutachten. Diese werden aus Beiträgen der Kassenpatienten bezahlt. Den daraus entstehenden Vorteil nutzt den Privatpatienten, ohne dass es sie auch nur einen Cent kostet.

Tatsächlich steht vielen privaten Versicherern derzeit das Wasser bis zum Hals. Ihnen hilft die Koalition jetzt, indem sie die gesetzliche Krankenversicherung weiter schwächt. Klug ist das nicht. Die ungesunde Zweiteilung des Gesundheitssystem wird dadurch weiter verlängert.