Krankenkassen erhöhen im Juli die Beiträge. Warum Kunden ihnen trotzdem treu bleiben sollten.
Von kommenden Dienstag an wollen einige Krankenkassen Kasse machen: So hebt die Gmünder Ersatzkasse (GEK) den Beitrag zum 1. Juli von 13,9 auf 14,3 Prozent an.
Anzeige
Auch die Versicherten der Hamburg-Münchener Krankenkasse müssen ab Juli mehr zahlen, der Beitrag steigt von 14,7 auf 15,5 Prozent. Nach Angaben des Bundesversicherungsamts wollen insgesamt 20 Kassen zum 1. Juli ihre Sätze anheben. Viele Versicherte fragen sich jetzt: Soll ich zu einer günstigeren Krankenkasse wechseln? Gesundheitsexperten raten aber davon ab.
Grundsätzlich lässt sich durch einen Wechsel der Krankenkasse Geld sparen. Denn vor allem einige kleinere Krankenkassen bewegen sich mit einem Beitragssatz in einer anderen Liga als die großen Kassen. Bundesweiter Preisführer ist derzeit die IKK-Direkt mit Sitz in Kiel, die einen allgemeinen Beitrag von 12,4 Prozent verlangt. Zum Vergleich: Die nach Angaben des Internetportals Krankenkassen-Direkt.de bundesweit teuerste Kasse, die ktp-BKK, verlangt dagegen 15,6 Prozent.
Hebt eine Kasse den Beitrag an, haben die Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Dann können sie innerhalb einer Frist von zwei Monaten der bisherigen Kasse kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln. "Das ist aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr ratsam", sagt Stefan Etgeton vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn die Versicherten sind dann zu unflexibel - und können nicht mehr auf die neuen Regeln, die von 2009 an gelten, reagieren.
Eineinhalb Jahre gebunden
Den im Januar 2009 startet der neue Gesundheitsfonds - und damit ein teilweise völlig neues System für Versicherte. Die wichtigste Änderung wird der gemeinsame Beitragssatz sein, der für alle Kassen gleichermaßen gelten wird. Noch weiß niemand, wie hoch dieser genau ausfallen wird. Experten rechnen mit einem Satz von 15 oder 15,5 Prozent.
Die Idee der Gesundheitspolitiker ist nun, dass die Kassen grundsätzlich mit diesem Geld wirtschaften müssen. Klamme Kassen, denen die Beitragseinnahmen nicht ausreichen, dürfen von ihren Mitgliedern eine zusätzliche Gebühr verlangen - allerdings nicht mehr als ein Prozent des Einkommens. Institute, die clever wirtschaften, jüngere und damit gesündere Mitglieder haben und ein Plus erzielen, können im Gegenzug Prämien an ihre Mitglieder ausschütten. "Das soll für Wettbewerb der Kassen untereinander sorgen", erläutert Etgeton.
Geht der Plan der Gesundheitsreformer auf, dann wird es von 2009 an tatsächlich eine verschärfte Konkurrenz unter den Kassen geben. "Es könnte sein, dass einzelne Kassen bereits ab November 2008 mit Prämienauszahlungen werben", sagt Etgeton.
So rechnen die Versicherungskaufleute der IKK-Direkt derzeit mögliche Prämien durch. "In der Planung haben wir eine Prämie von mindestens zehn Euro im Monat", sagte IKK-Direkt-Chef Ralf Hermes der Süddeutschen Zeitung. Wie hoch die Prämie tatsächlich ausfällt, lässt sich derzeit allerdings noch nicht sagen, da die Gesundheitspolitiker den endgültigen Einheitssatz erst im Herbst festlegen werden. Nur dann kennen die Kassen ihre Einnahmen und können seriös kalkulieren.
Außerdem könnten einige Kassen nach Start des Gesundheitsfonds viel stärker als bisher Zusatzangebote unterbreiten - etwa Spezialprogramme für Diabetiker oder bei alternativen Heilmethoden. Verbraucher können dann die aus ihrer Sicht günstigste Kasse wählen, wenn sie ihrer bisherigen Kasse mindestens 18 Monate angehört haben. Diese "Bindungsfrist" gilt auch nach 2008 weiter. Nur bei einer Beitragserhöhung kann der Versicherte über das Sonderkündigungsrecht den Vertrag bereits früher auflösen.
Die Einführung des Einheitssatzes im Januar 2009 für alle Kassen löst jedoch kein Sonderkündigungsrecht aus, erläutert Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern. "Wer sich jetzt mit einem Wechsel an eine Kasse bindet, spart zwar bis Jahresende 2008 ein paar Euro bei seinem monatlichen Beitrag", sagt Etgeton. "Zugleich verbaut er sich aber die Chance darauf, bereits im Jahr 2009 auf den veränderten Markt reagieren und in eine für ihn günstigere Kasse wechseln zu können."
(SZ vom 28.6.2008/hgn)
Ägypten
denn der Gesundheitsfond läuft auf eine Zuzahlung des AN von 1 Prozent hinaus. Der Arbeitgeber bleibt außen vor, muss nicht, wie bisher 0,5 Prozent beischießen.
Der riesternde Arbeitnehmer kommt dadurch auf 25 Prozent Sozialabgaben, der Arbeitgeber wird bei 20 Prozent geschont.
Als die Linken für das kommende Jahrzehnt 24 Prozent Sozialabgaben für AN und AG vorschlugen, sprangen ihnen die Politik, die Arbeitgeber und die gesamte Presse mit nacktem Hintern ins Gesicht. Dafür hätte es aber höhere Renten und besseren Krankenschutz gegeben. 2009 zahlen also viele Arbeitnehmer 25 Prozent bei schlechteren KK-Leistungen und miserablen Renten.
Es lebe die "neue soziale Marktwirtschaft".
Mit der Regelung, Überschüsse durch Prämien zurückzuzahlen, wird es für jeden wesentlich undurchsichtiger, welche Kasse jetzt die günstige ist.
Das ist jetzt schon sichtbar, wenn man sich anschaut, welche Prämienmodelle derzeit von den Kassen genutzt werden. Bei einer muss ich mehrere Maßnahmen wie Vorsorgeuntersuchungen absolvieren, bei der anderen bekomme ich schon 50 , wenn ich einmal im Jahr zum Zahnarzt gehe. Manchmal werden Dinge kombiniert, die eigentlich nicht zusammengehören, z.B. Krebsvorsorge und Mitgliedschaft in einem Sportverein. Letzteres kann ja genauso heissen, ich gehe jeden Sonntag zum Gucken und zum anschliessenden Frühschoppen auf den Fussballplatz. Dafür bekomme ich dann 50 zurückerstattet.
Zudem sind diese Prämienregelungen immer an irgendwelche Aktionen des Kunden gekoppelt, von denen man ja nie genau weiss, ob man die so durchführen kann/wird oder nicht. Also ist immer erst mal vom vollen Tarifsatz auszugehen. Eine Prämie ist per Definition erst man unsicher. (vielleicht sollten Politiker einen Teil ihrer Bezüge als Prämien erhalten, damit sie den Unterschied besser verstehen :-)
Da es bei der neuen Regelung um wesentlich mehr Geld geht als bei der jetzigen Prämienregelung, ist abzusehen, dass die verantwortlichen Marketing- und Vertriebsleute viel Phantasie in die Erfindung noch tollerer Modelle investieren werden. Im Ergebnis werden die "echten" Tarife praktisch nicht vergleichbar sein, ähnlich den Telefontarifen, die mit irgendwelchen Gimmicks aufgewertet werden.
Nicht warten wegen einem Wechsel, sondern massiv fordern, dass dieser ganze Betrug am Einzahler beendet wird. Wenn fast alle gleiche Beiträge haben, muss man sich fragen, wozu 230 Kassen. Die Lüge von der Konkurrenz der Kassen wird immer offentsichtlicher.
Eine Kasse unter Leitung des zuständigen Ministeriums und basta. Alles andere ist Schaumschlägerei zur Erhaltung der 230 unnötigen Vorstände und Aufsichtsräte.
Diese Milliardenschwere Einsparung könnte an die Arbeitgeber und Arbeitnehmer weiter gegeben werden und zur Gesundung des derzeitigen maroden und überholtem Gesundheitssystem beitragen.