Teures Solidaritätsprinzip: Die erste Kasse verlangt von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag. Der Grund dafür sind zwei schwer erkrankte Patienten.
Die erste Krankenkasse Deutschlands kommt mit den Beträgen aus dem Gesundheitsfonds nicht mehr aus und muss einen Zusatzbeitrag erheben. Rückwirkend zum 1. Juli müssen die 30.000 Versicherten der Gemeinsamen Betriebskrankenkasse Köln (GBK) acht Euro mehr pro Monat zahlen.
Das Geld aus dem Gesundheitsfonds reicht nicht mehr: Die erste Krankenkasse erhebt von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag. (© Foto: ddp)
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Kassenvorstand Helmut Wasserfuhr sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Sanierungsbeirat habe beschlossen, den Zusatzbeitrag rückwirkend zu erheben. Grund dafür seien außergewöhnliche Behandlungskosten für einige Schwerstkranke. Die Kasse werde bereits vom Landesverband der Betriebskrankenkassen gestützt.
Zwei Patienten sollen letztlich für die Schieflage der Krankenkasse verantwortlich sein, sagte Wasserfuhr dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Wir hatten gleich zwei seltene Fälle von Bluter-Erkrankungen. In einem Fall handelt es sich um einen 26 Jahre alten Versicherten, im zweiten um ein damals sechs Jahre altes Kind."
Die beiden Fälle stammen allerdings aus den Jahren 2005 und 2006, liegen also drei und vier Jahre zurück. Für die Medikamente zur Verhinderung der Blutgerinnung habe man in den beiden Jahren rund 14 Millionen Euro aufwenden müssen, sagte Kassenvorstand Wasserfuhr. Im Jahr 2005 habe man allein zehn Millionen Euro für den 26-Jährigen bezahlt, wurde der Vorstand zitiert. Weltweit gebe es nur ein einziges Mittel, entsprechend teuer sei es. "Wir sind durch diese beiden Patienten zu einem Sanierungsfall geworden und hätten eigentlich schließen müssen", sagte Wasserfuhr.
Ministerium: "Der Fonds funktioniert"
Im Rahmen der Ausgleichszahlungen innerhalb des Betriebskrankenkassen-Systems sei der Kasse zunächst unter die Arme gegriffen worden. Wie lange der Sonderbeitrag erhoben wird, ist demnach unklar. Das hänge von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Kommt eine Kasse mit dem Geld aus dem neuen Gesundheitsfonds nicht aus, ist ein Zusatzbeitrag erlaubt. Möglich ist ohne die Prüfung der Einkommensverhältnisse ein Betrag von acht Euro im Monat pro Versichertem. Liegt der Betrag über acht Euro, muss die Kasse das Einkommen prüfen und den Beitrag auf ein Prozent des Einkommens begrenzen.
Das Bundesgesundheitsministerium hat auf den Fall der GBK gelassen reagiert. Es sei ein Erfolg, dass im Frühjahr noch von über einem Dutzend Zusatzbeiträgen die Rede gewesen sei und bislang erst "eine einzige, kleine Krankenkasse" davon Gebrauch mache, sagte eine Ministeriumssprecherin der Berliner Zeitung. Dies sei "ein Zeichen dafür, dass der Gesundheitsfonds funktioniert".
Und auch die übrigen Kassen sehen keine Veranlassung, dem Beispiel der GBK zu folgen. Und auch wegen der Schweinegrippe-Massenimpfung rechnen die Kassen zunächst nicht mit zusätzlichen Beiträgen für die Versicherten. "Dass eine Krankenkasse allein wegen der zusätzlichen Ausgaben für die Schweinegrippe-Schutzimpfungen einen Zusatzbeitrag erheben muss, ist sehr unwahrscheinlich", sagte der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Florian Lanz. "Im konkreten Einzelfall kann dies jedoch immer nur die jeweilige Krankenkasse beurteilen."
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(sueddeutsche.de/AP/AFP/tob/mel)
Debatte über Urheberrecht
Bin mir nicht sicher, ob das so stimmt mit dem Verbot der freien Arztwahl, habe in den US Zeitungen gerade ewas anderes gelesen. Aber wenn es zutrifft, könnte man dies doch auch beim NHS einführen, wenn die Mehrheit der Bewvölkerung dies vehement fordern würde. Dazu ist ja kein totaler Systemumbau erforderlich, und die zusätzlichen Kosten würden sich in Grenzen halten.
Was die Ärzte angeht, war da nicht mal eine Story, die über Deutsche Ärzte im UK berichtet hat? Wenn man es sich dort sogar leisten kann, unter Gehaltsverzicht den Bereitschaftsdienst zu vermeiden, kann es mit der Bezahlung ja nicht schlecht aussehen. Ich hätte das bei einem stasatlichen System nicht unbedngt erwartet, eher Zustände wie bei den Assistenzärzten in unseren Krankenhäusern. Allerdings haben Sie natürlich völlig recht,daß es außerhalb der Dienstzeiten schwierig ist, medizinische Versorgung zu erhalten, ist ja wohl ein Unding! Dem sollte schleunigst abgheolfen werden. Allerdings wird auch das keinen Totalumbau des Systems erfordern.
Also, meiner Meinunhg nach zeigt dies, das "Gelbe vom Ei" gibt es nicht. Im Detail hat jedes System seine Schwächen. Aber Einheitskassen sind offensichtlich grundsätzlich eine vernünftige Alternative, mit einigen Vorteilen. Es kommt nur auf die Ausgestaltung an.
Ein direkter Vergleich unseres Gesundheitssystems mit dem britischen ist nur relativ schwierig möglich. In Deutschland sind halbstaatliche Organisationen (Krankenkassen) für den Beitragseinzug zuständig. Diese schließen Verträge mit selbständigen Leistungserbringern (Ärzte, Krankenhäuser, etc.). In UK werden mit Steuergelder beim Staat (bzw. NHS) angestellte Mediziner bezahlt. Das sind schon zwei sehr unterschiedliche Ansätze.
Ich bin selbst einige Jahr in den "Genuss" des NHS gekommen und möchte behaupten, Geld ist nicht das einzige Problem. Nachdem ich mich bei dem für mein Gebiet zuständigen GP registriert habe, bin ich ihm ausgeliefert - eine Alternative bzw. freie Arztwahl besteht nicht. Auch die zahnärztliche Versorgung in UK ist wohl eher desaströs, verglichen mit unseren Standards. Durch einen Gehaltsverzicht haben sich viele Ärzte aus der Verpflichtung zu Bereitschaftsdiensten (nachts, Wochenende) freigekauft - so dass ich möglichst nur Mo - Fr zwischen 8 und 17 Uhr krank werden sollte. Das sind wohl einfach andere systembedingte Probleme...
Bin ja normalerweise gut informiert (glaube ich), aber das wir statt 330 inzwischen nur noch unter 190 Kassen haben, hatte ich irgendwie nicht mitbekommen. Meiner Meinung anch ein positiver Trend! Natürlich sollte dieser nicht unbegrenzt weitergeführt werden, eine Situation (Oligopol) wie auf dem Strom- und Gasmarkt z.B. wäre nicht hilfreich. Dann liber gleich die Einheitskasse. 30-50 Anbieter klingt vernünftig, wenn diese auch bundesweit und allgemein zur Verfügung stehen.
Danke auch für die Details zu den Verwaltungskosten! War mir ja klar, das die großen Kassen da zu sehr aus dem Vollen schäpfen, aber das eine derartige Minikasse da locker mithalten kann hätte ich nicht gedacht. Von wegen, "economies of scale", man sieht wieder, die Wirklichkeit sieht anders aus. Hier sollte bei den Verwaltungskosten der Großen von der Aufsicht, aber auch von den Mitgliedern, stärker hingeschaut werden.
Trotzdem zeigt das vorliegende Beispiel eben sehr deutlich den Hauptnachteil der Minikassen: Die Solidarbasis ist einfach zu klein um unvermeidbar auftretende Extremfälle wirksam zu tragen.Daher beleibe ich bei miner Meinung, sowas hat kein Zweck, und Minikassen sollten mit größeren Kassen fusionieren. Insbesondere, um die Mitglieder besser abzusichern und vor solchen Überraschungen zu schützen.
Es wurde doch schon oft festgestellt das Kleine Krankenkassen wesentlich günstiger pro Versicherten sind als grosse, da AOK und Co. hauptsächlich damit beschäftigt sind sich selbst zu verwalten und dort die Vorstandschaft und das mittlere Mangement die richtig dicke Kohle einschiebt.
Bei einer kleinen Kasse hat man wesentlich flachere Hierarchien und dadurch weniger Wasserkopf. Das Problem mit dem schlechten Risikoausgleich bei weniger Patienten hat sich durch den tollen Gesundheitsfond, wahrscheinlich von den Lobbys der grossen KK gewollt, noch verschlimmert.
Klar. Ist dabei aber der Kritik der Wähler unterworfen. Und das funktioniert in England und Kanada sehr gut. Die Kritik ist größtenteils unsubstantiierte Panikmache. Der Hauptfehler des NHS ist, daß zuwenig Geld ins System gesteckt wird. 2500$/Kopf ist absolutes Schlußlicht unter industrialisierten Staaten (mit der Ausnahme von Singapur, evtl). So bilig geht's einfach nicht, und deswegen entstehen beim NHS teilweise erhebliche Wartezeiten.
Was aber die versicherten "Faktoren" angeht, auch bei uns wird nicht jedes unerprobte Mittel, nicht jede neuartige Operationsmethode, und nicht jede esoterische Anwendung bezahlt, richtig? Also, diese Kritik ist grob unfair.
Und was die Verwaltungskosten angeht: Soweit ich weiß sind diese bei den amerikanischen staatlichenh Versicherungen, VA und Medicare, im Bereich von 2% (!), also etwa die Hälfte von unseren. Damit steht ihr Argument also auf ziemlich tönernen Füßen. Natürlich kann man jetzt mit "Parkinson's Gesetz" argumentieren, aber das gilt ebenso für Verwaltungen in der privaten Wirtschaft, wie man sieht. Im realen Leben zeigt es sich aber eben, daß Einheitskassen geringere Verwaltungskosten haben.
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