Wegen der Zusatzbeiträge laufen den Krankenkassen die Kunden davon. Allein die BKK Heilberufe hat ein Drittel ihrer Mitglieder verloren. Wann geht die erste Kasse pleite?
Eines muss man der Politik lassen: Ihr Ziel, mehr Wettbewerb unter den Krankenkassen zu entfachen, hat sie erreicht. Seit die Kassen die Möglichkeit haben, Zusatzbeiträge zu erheben, schauen die Kunden ganz genau hin. Allein seit Beginn des Jahres sollen knapp 485.000 gesetzlich Versicherte ihre Kasse gewechselt haben, berichtet die Bild-Zeitung. Selbst Fachleute sind erstaunt. Der Zusatzbeitrag führe offenbar zu einer höheren Wechselbereitschaft als die unterschiedlichen Beitragssätze, über die sich die Kassen vor der Gesundheitsreform unterschieden, sagt der Münchner Gesundheitsökonom Günter Neubauer.
Den Krankenkassen, die Zusatzbeiträge eingeführt haben, laufen nun die Kunden davon. Profiteure sind unter anderem die Techniker Krankenkasse und die Barmer GEK. (© Foto: AP)
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Leidtragende dieses neuen Wettbewerbs sind jene Kassen, denen jetzt die Versicherten davonlaufen. In der Branche wird bereits gemunkelt, einige Anbieter müssten bald Insolvenz anmelden. Als erste Beispiele nennt die Bild-Zeitung die City BKK mit 167.000 Mitgliedern, die zum 1. April einen Zusatzbeitrag einführen will, und die BKK Heilberufe, die von ihren Versicherten bereits seit Jahresbeginn ein Prozent des Einkommens zusätzlich kassiert - im Höchstfall sind dies 450 Euro pro Jahr.
Gerüchte um Insolvenz
Ein Sprecher der BKK Heilberufe bestätigt eine "dramatische Entwicklung". Seit Jahresbeginn habe die Kasse ein Drittel ihrer Kunden verloren - insgesamt kehrten 50.000 von 170.000 Mitglieder der BKK Heilberufe den Rücken. Ob dies allerdings zu einer Insolvenz führen könnte, sei "nicht abzusehen", sagte der Sprecher zu sueddeutsche.de.
Bei der City BKK möchte man von derartigen Mutmaßungen nichts wissen. Derartige Gerüchte seien "Quatsch", sagte ein Sprecher zu sueddeutsche.de. Im Gegenteil - die City BKK habe seit Januar mehr Neumitglieder gewonnen als sie durch Kündigungen verloren habe.
Und doch - die Kassen, die auf Zusatzbeiträge pochen, stehen im harten Wettbewerb mit den Anbietern, deren finanzielle Situation es bislang erlaubt, auf den Obolus zu verzichten. Droht der Bundesrepublik nun eine "Zwei-Kassen-Gesellschaft"?
TK: Das Geschäft "brummt"
Abwegig ist das nicht. "Krankenkassen, die lange ohne Zusatzbeiträge auskommen, profitieren doppelt", sagt Gesundheitsökonom Neubauer. Einerseits könnten sie den Konkurrenten Mitglieder abjagen. Und zweitens seien dies auch in den meisten Fällen Versicherte, die geringe Kosten verursachten. "Diejenigen, die wechseln, sind eher die gesunden", sagt Neubauer. Sie würden diesen Aufwand häufiger auf sich nehmen.
Für Anbieter wie die BKK Heilberufe, die ohne Zusatzbeiträge nicht auskommen, ist dies der Super-Gau. Auch Fachleute sehen die Zukunft vieler Kassen kritisch. Zu Insolvenzen werde es zwar nicht kommen, glaubt Gesundheitsökonom Neubauer. Allerdings werde es in Zunkuft weitere Zusammenschlüsse geben. "Bevor eine Krankenkasse Insolvenz anmeldet, flüchtet sie lieber in die Arme eines Konkurrenten", sagt der Fachmann vom Münchner Institut für Gesundheitsökonomik. Am Ende des Prozesses, so schätzt Neubauer, würden neben einigen größeren AOK-Kassen nur fünf bundesweit tätige Anbieter übrig bleiben - und dazu 20-30 regionale Kassen.
Eine davon könnte die Techniker Krankenkasse (TK) sein, die versprochen hat, in diesem Jahr noch ohne Zusatzbeitrag auszukommen. Seit Jahresbeginn sind 151.000 Versicherte zur TK gewechselt - Tendenz steigend. Die Berater in den Geschäftsstellen hätten "alle Hände voll zu tun", sagt ein Sprecher. Das Geschäft "brummt".
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(sueddeutsche.de/hgn)
Debatte über Urheberrecht
Tut mir leid, aber den Ausführungen kann ich so nicht folgen. Sicher, die staatliche Bahn war nicht gerade ein Wunder an Effizienz - aber was wir jetzt haben ist schlimmer. Was hilft eine Deutsche Bahn, wenn die Tickets mehr kosten als ein Leihwagen, reihenweise Bahnhöfe dicht gemacht wurden und bei etwas Schneefall die Züge gleich massenweise ausfallen?
Und auch bei der Post hält sich meine Begeisterung in Grenzen.
es darf auf keinen Fall ein Kassenmonopol entstehen, alla Strom- /Energieanbieter. Das ist nämlich auch nix. Wichtig ist, dass die Kassenlandschaft endlich mal bereinigt wird, wichtig ist aber auch auf ein mindestmass an Wettbewerb zu achten. Eine Staatlich organisierte Einheitskasse zu installieren ist im Ansatz vielleicht richtiger, aber der Staat kann so was nicht ordentlich Einrichten und kontrollieren. Die Gefahr das ein krebsartiges Gewächs wie früher bei Bahn und Post heranwächst dämpft die Idee.
Bahn / Post / Energie sind eigentlich Staatsaufgaben. Beweist sich der Staat darin als Fähig, kann ihm sicherlich auch die Gesundheit obliegen. Bisher war jedoch in erschreckendem Maße das absolute Gegenteil der Fall........aber wer weiß, man soll niemals nie sagen....
Aber jetzt bitte nicht wieder mit Staatsknete einspringen, gell Herr Rösler. Über 200 Kassen mit fast identischen Leistungen braucht kein Land. Aber die Positivliste und weniger Kassen als Einsparpotential haben sie ja diskret übersehen, gell Herr Rösler.
Ich finde es o.k.
*Prust genau DAS habe ich vor Wochen prophezeit. Auch wenn die Abzocker-Kassen vielleicht nicht insolvent gehen, dann war die Einführung des Zusatzbeitrages allemal ein Schuss ins eigene Knie! Denn für die paar Euro pro bleibendem Mitglied gehen Tausende Euro für jedes einzelne wechselnde Mitglied verloren (oder ist da ein Denkfehler drin???). Das hätte jedem klar sein müssen, dass sich sowas nicht rechnet.
"Am Ende des Prozesses, so schätzt Neubauer, würden neben einigen größeren AOK-Kassen nur fünf bundesweit tätige Anbieter übrig bleiben - und dazu 20-30 regionale Kassen."
Das ist mit Sicherheit immer noch nicht die optimale Lösung, weil auch dadurch kein echter Wettbewerb entsteht. Aber da es den de fakto eh nicht gibt, vielleicht besser als gar nichts, es ist mir nie erklärbar gewesen, warum es hunderte Kassen mit auch vor der Reform praktisch identischen Leistungen geben muss. Je größer die Kasse, desto größer vielleicht auch der Druck auf die Pharma-Mafia, mit deren Preisen herunterzugehen...
Wunschdenken wahrscheinlich, denn es wird noch lange nur eines: teurer!
Bis Besserung eintritt, ist die Schadenfreude, dass der Gesundheitsfond sich in der Praxis als genau der kontraproduktive Moloch entwickelt, als den man ihn schon immer gesehen hat, das Einzige, was einem die Sache versüßen kann...
Mir wäre es am liebsten, wenn es gar keine Kasse gäbe!
Gesundheitsversorgung ist in meinen Augen eine hoheitliche Aufgabe, die vom Staat zu erbringen und via Steuern zu finanzieren ist. Die Kosten sind dann genauso hoch, wie sie eben sind - ohne Margen und dergleichen. Im Grunde haben wir das jetzt schon - nur mit dem entsetzlichen Wasserkopf der gesetzlichen Versicherungen oben drauf und den privaten Versicherungen daneben, die sich die Rosinen rauspicken dürfen und damit die Kosten für die Mehrheit in die Höhe treiben. Eine staatliche Gesundheitsversorgung, egal wie miserabel organisiert, kann nur besser und billiger sein als die Verschwendung, den wir uns derzeit leisten.
Und es ist in meinen Augen absurd auf Kosten der Gesundheit eines anderen überhaupt Geschäfte machen zu wollen!
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