Krankenkassen in Deutschland Wann muss ich eine Krankenversicherung abschließen?

Versichert sein will und muss jeder. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, eine Krankenversicherung abzuschließen?

Wenn Sie gerade gar keine Versichertenkarte haben: sofort! Denn grundsätzlich muss in Deutschland jeder krankenversichert sein. Wer keine Beiträge zahlt, muss dies nachholen - im Extremfall rückwirkend bis zur Einführung der Versicherungspflicht 2007 (für gesetzlich Versicherte) und 2009 (für privat Versicherte).

"Das darf man auf keinen Fall schleifen lassen", warnt Stephan Nuding, Krankenversicherungsexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Zumal auch noch Säumniszuschläge hinzukommen. Bei Zahlungsproblemen sollte man so früh wie möglich die Kasse informieren und beispielsweise versuchen, eine Ratenzahlung auszuhandeln. Denn wer zwei Monatsbeiträge schuldig ist, hat nur noch Anspruch auf eine Notfallversorgung.

Für wen die Pflicht zur gesetzlichen Krankenversicherung entfällt, etwa Berufsanfänger mit einem Jahreseinkommen von mehr als 50.850 Euro oder Arbeitnehmer, die sich selbständig machen, gilt: nicht allzu lange Zeit lassen. Sie haben maximal drei Monate, um sich in ihrer gesetzlichen Krankenkasse freiwillig weiterzuversichern. Das trifft auch auf Zuwanderer zu, die erstmals in Deutschland einen Job antreten. Nach drei Monaten haben sie, zumindest vorerst, keinen Zutritt mehr zu den gesetzlichen Kassen - und müssen sich unter den privaten Versicherern umsehen.

Fallen die Nachzügler beim Gesundheitscheck der privaten Unternehmen durch, haben sie höchstens weitere drei Monate - also bis zu sechs Monate nach Beendigung ihrer Versicherungspflicht bei der GKV - Anspruch auf eine Aufnahme in den Basistarif eines privaten Versicherers. Dessen Leistungsangebot gleicht zwar weitgehend dem der gesetzlichen Kassen, ist finanziell jedoch oft unattraktiver:

Neukunden, die älter sind als 20 Jahre, müssen unabhängig von ihrem Einkommen bei allen Anbietern die Höchstprämie von derzeit 592,88 Euro im Monat zahlen. Dieser Beitrag richtet sich nach dem höchstmöglichen Monatsbeitrag der gesetzlichen Versicherung - der dort jedoch nur für die einkommensstärksten Mitglieder anfällt.

Die Wahl der ersten Versicherung treffen in der Regel die Eltern für ihre Kinder: Sind die Eltern (oder das besser verdienende Elternteil) wie 90 Prozent der Bevölkerung Kassenpatienten, werden die Kinder im Rahmen der Familienversicherung kostenlos mitversichert. Für viele junge Erwachsene stellt sich erst mit deren Ende, spätestens mit 25 Jahren oder mit dem Eintritt ins Berufsleben, die Frage nach der passenden eigenen Versicherung.

Neben beruflichen Veränderungen sind familiäre Umstände wie Familienzuwachs ein häufiger Grund für die (neuerliche) Beschäftigung mit dem Versicherungsschutz. "Die Frage taucht immer an Schnittstellen im Leben auf", sagt Anke Richter, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch Lebenskrisen wie Krankheiten oder eine Scheidung können eine Überprüfung des eigenen Status auslösen.