Der Gesundheitsfonds kommt und die gesetzlichen Krankenversicherungen reagieren. Erneut schließen sich zwei Kassen zusammen - die KKH und die Betriebskasse der Allianz.
Nach der Fusion der Techniker Krankenkasse und der IKK Direkt zur größten deutschen Krankenkasse steht der Branche ein weiterer Zusammenschluss bevor: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wollen die Kaufmännische Krankenkasse Hannover (KKH) und die Betriebskrankenkasse der Allianz zur KKH Allianz fusionieren.
Bild vergrößern
Unter Druck: Immer mehr Krankenkassen schließen sich zusammen. (© Foto: ddp)
Anzeige
Details des Zusammenschlusses wollen die Beteiligten schon am Montag bekanntgeben. Ein Allianz-Sprecher bestätigte der SZ, dass die neue, kassenübergreifende Versicherung im nächsten Jahr an den Start gehen soll und gemeinsame Zusatzversicherungen anbieten will. Mit ihren zwei Millionen Versicherten ist die KKH die viertgrößte bundesweite Krankenkasse in Deutschland; die Betriebskrankenkasse der Allianz (BKK) hat zurzeit rund 100.000 Versicherte. "Angesichts der Veränderungen im Markt haben wir damit einen starken Partner", heißt es bei der Allianz.
Die Geschwindigkeit, mit der die Versicherer in diesen Tagen ihre Geschäfte zusammenlegen, zeigt den Konzentrationsdruck, den der Gesundheitsfonds schon im Vorfeld seiner Einführung in der Branche auslöst.
Vor allem die Betriebskrankenkassen gelten als die größten Verlierer der für den 1. Januar 2009 beschlossenen Änderung, denn diese können zurzeit noch mit günstigen Beitragssätzen bei den Kunden punkten. Der Durchschnittsbeitrag aller Betriebskrankenkassen liegt aktuell mit 14,7 Prozent weit unter Durchschnitt; allein bei der BBK liegt der allgemeine Beitragssatz im Moment bei 14,5 Prozent.
Nach der Einführung des Fonds jedoch wird jeder gesetzlich Versicherte einen Einheitsbeitrag zahlen müssen, der letzten Schätzungen zufolge irgendwo zwischen 15,5 und 15,8 Prozent liegen wird. Die genaue Höhe des Einheitsbeitrages für die rund 70 Millionen Krankenversicherten will die Bundesregierung am 1. November festlegen.
Zuletzt hatten die Betriebskrankenkassen eine Verschiebung des geplanten einheitlichen Beitragsssatzes in der Gesetzlichen Krankenversicherung um ein Jahr gefordert. Für BKK-Versicherte bedeute dies andernfalls, dass spätestens bei der Gehaltsabrechnung im Januar 2009 bedeutend weniger Nettogehalt auf dem Lohnzettel stehe, kritisierte der BKK-Bundesverband Anfang des Monats. Und zwar, "ohne dass das Mitglied für sich und seine Familie dafür einen umfangreicheren Leistungsanspruch erhielte."
So ergäben sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Mehrbelastungen von jeweils bis zu 1,3 Milliarden Euro, wenn der einheitliche Beitragssatz bei 16 Prozent liege, rechnet der Verband vor. Zurzeit sind in Deutschland mehr als 14 Millionen Menschen bei insgesamt 170 Betriebskrankenkassen versorgt. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent ist die BKK nach eigenen Aussagen die drittgrößte Kassenart in der gesetzlichen Krankenversicherung.
Start einer Fusionswelle
Für Branchenkenner sind die Zusammenschlüsse der Anfang einer großen Fusionswelle auf dem Markt, mit dem die Kassen ihre Positionen verbessern wollen. "Da die Anbieter nicht mehr über den Preis gehen können, wird der Wettbewerb verstärkt bei den Leistungen stattfinden", heißt es in der Branche. Daher seien weitere Fusionen - gerade bei den Betriebskrankenkassen - zu erwarten, da in Zeiten eines einheitlichen Beitragssatzes die Größe eines Anbieters zum entscheidenden Kriterium werde: Zum einen, um die bürokratischen Vorgaben des Gesundheitsfonds leichter zu stemmen; zum anderen, um gegenüber Pharmakonzernen, Krankenhäusern und anderen eine größere Einkaufs- und Verhandlungsmacht aufzubauen.
Dafür gehen die Kassen auch verstärkt kassenübergreifende Fusionen ein. Hatten sich mit der TK und der IKK Direkt eine Innungs- und eine Angestelltenkasse zusammengetan, kommen mit BBK und KKH nun auch eine Betriebskranken- und eine Ersatzkasse zusammen.
(SZ vom 22.09.2008/hgn/tob)
Eine ist völlig ausreichend. Es heißt ja auch Gesetzliche Krankenkasse. Wie richtig festgestellt, haben sich eine Menge Leute an so einen Nebenjob beim Geldverdienen in Aufsichtsräten gewöhnt und deshalb wird geflissentlich das Thema im Bundestag gar nicht erwähnt. Schauen Sie sich mal die Gehaltslisten allein der Vorstandsvorsitzenden an.
Da wir einem schwinlich. Es ist kein Sozialneid, wenn mann überflüssiges entfernt.
Jahresgehälter über eine Million Euro (nicht DM, selbst das wäre zuviel)für Anwesenheit ist rausgeschmissenes Geld. Wieviele Beitragszahler das erstmal erwirtschaften müssen ohne Gegenleistung. Es ist ja kein Produktionsbetrieb. Die so etwas zugelasen haben, sollten gleich mitbestraft werden. Milliarden sind inzwischen verschleudert wurden.
Völlig korrekt was sie da zu Papier bringen.
wenn ab nächstem Jahr, laut Bundesregierung eh jeder den selben Beitragssatz zahlen soll, dann frag ich mich auch warum es diese enorme Anzahl an unterschiedlichen Krankenkassen geben muss.
Es ist doch von der Bundesregierung oder von Abgeordnetenebene gar nicht gewollt die Anzahl und damit die Bürokratie bzw. den Verwaltungswahnsinn der Krankenkassen zu begrenzen, da ja dann eine wichtigen "Einnahmequelle", im Bezug auf Lobbyismus-gelder,mancher Politiker und Minister wegbricht.
wenn es keine zwei oder drei klassenmedizin geben soll, darf es in Deutschland nur noch maximal 2 oder 3 unterschiedliche Krankenkassen geben, die unter Staatlicher Kontrolle stehen. Das bedeutet weniger Beitragsgeldverluste in den Verwaltungsapparaten und eine Verbesserung der medizinischen Versorgung.
Auch ein Beweis, dass das Konkurrenzgelabere zum Erhalt von ca. 250 Krankenkassen nicht stimmt, eine Lüge ist und der Bürger Jahrzehnte für dumm verkauft wurde bzw. wird.
Wann setzen sich die verantwortlichen Politiker zusammen und bereiten eine Gesetzesvorlage aus um diesem haltlosen Spuk ein Ende zu bereiten.
Eine Gesetzliche Krankenkasse unter Leitung des Ministeriums entlastet die Beitragszahler und damit auch die Unternehmen. Bei dieser Gelegenheit sind auch mal die Fremdleistungen zu untersuchen und anschließend zu entfernen. Durch diese Maßnahmen wird auch die Leistung für die Beitragszahler wieder zunehmen.