Wenn die Kosten für zwei Schwerkranke von einer Krankenkasse nicht gestemmt werden können, dann stimmt etwas nicht im System.
Zwei Patienten haben gereicht, damit die erste gesetzliche Krankenkasse zum Mittel des Zusatzbeitrags greifen muss. Zwei von etwas mehr als 40.000 Versicherten in der Gemeinsamen Betriebskrankenkasse Köln (GBK).
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Patient auf Intensivstation: Je mehr Menschen die Kosten im Gesundheitssystem tragen, desto besser. (© Foto: dpa)
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Die beiden Patienten waren Sonderfälle mit einer seltenen Form der Bluter-Krankheit. Millionen Euro mussten allein für die Medikamente ausgegeben werden. Und doch darf es nachdenklich stimmen, wenn eine Kasse unter den Bedingungen des seit Jahresfrist geltenden Gesundheitsfonds künftig wegen zweier Patienten mehr Geld von ihren Versicherten verlangen muss.
Acht Euro dürfen die Kasse unabhängig vom Einkommen der Versicherten zusätzlich nehmen. Bisher scheuen sich die Kassen davor - trotz angespannter Finanzlage.
Die Kassen fürchten Mitgliederschwund. Mit dem Zusatzbeitrag müssten sie jeden Versicherten über sein Sonderkündigungsrecht informieren. Es ist jedoch schwer zu erklären, warum der Kunde bei exakt gleicher Leistung acht Euro mehr im Monat zahlen soll.
Der Fall GBK lässt verschiedene Schlüsse zu: Zum einen unterstreicht er, dass 141 Betriebskrankenkassen doch ein paar zu viel im Markt sein könnten. Von denen haben viele nicht mehr Mitglieder als die GBK. Zu wenig offenbar, um außerordentliche Risiken abdecken zu können.
Die Causa zeigt auch, wie die Krankenversicherungskosten schleichend auf die Versicherten verlagert werden. Es gab mal Zeiten, da haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Versicherungskosten eins zu eins geteilt. Die sind längst vorbei. Zahnersatz muss der Versicherte bereits alleine übernehmen - und auch der Zusatzbeitrag wird allein von den Versicherten getragen.
Das stellt den Solidargedanken der Krankenversicherung in Frage. Schwere Krankheiten können jeden treffen. Es wäre gut, wenn dafür dann alle Versicherten einstehen würden und nicht nur ein paar tausend, die zufällig in der gleichen Kasse sind. Nur so können außerordentliche Kosten gerecht verteilt werden.
Es wäre noch besser, wenn auch die paritätische Finanzierung der Kassen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber wieder hergestellt würde. Arbeitgeber profitieren schließlich erheblich von gesunden Mitarbeitern.
Dafür aber müsste dass System rück- und umgebaut werden. Einer der wenigen Vorteile des ansonsten verkorksten Gesundheitsfonds ist, dass er sowohl in ein Bürgerversicherungsmodell umgebaut werden kann, in das alle mit allen Einkommen einzahlen. Auch die Reichen, die sich derzeit noch in den privaten Kassen aus der Solidarverantwortung herausstehlen. Es kann aber auch zu einem vom Einkommen unabhängigen Kopfprämienmodell mutieren, wie es sich die CDU vorstellt, aber nicht mehr so laut propagiert
Wie das Krankensversicherungssystem der Zukunft aussieht, wird also ganz entscheidend von der kommenden Wahl abhängen. Es sei denn, es kommt wieder zu einer großen Koalition. Dann bleibt vier Jahre lang alles, wie es ist.
Das wäre jedoch eine ziemlich kranke Lösung.
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(sueddeutsche.de/jja)
Christopher Lee zum 90.
oh, was glauben sie denn was zb ein krebspatient "kostet"? lassen sie den nur auf der intensivstation liegen - dann kommen sehr schnell sehr gewaltige kosten. so ungewöhnlich scheint mir das nicht.
Sie bringen es auf den Punkt!
Grundversorgung für alle in die dann bitte auch ALLE einzahlen. Schnickschnack wie Chefarzt & Einzelzimmer für die, die dafür zusätzlich zahlen wollen.
Ein Blick in die Niederlande könnte hilfreich sein. Dort zahlt jeder Erwachsene eine kleine Kopfpauschale (Ehepaare also doppelt), dazu werden ein paar Prozent des Einkommens als Zusatzprämie bis zu einer Bemessungsgrenze fällig. Anteilig schätze ich es auf etwa 50/50. Kinder sind kostenfrei.
Vorteil: Der verheiratete Alleinverdiener zahlt mehr wie der alleinverdienende Single, Doppelverdienern wird nicht mehr so sehr das Fell über die Ohren gezogen. Bei uns machts in der Beitragssumme einen großen Unterschied, ob ein Alleinverdiener 60.000 verdient oder ein Doppelverdiener zwei mal 30.000. Die Leistung ist die gleiche und gerecht ist das ganz sicher nicht.
Allgemein würde mich interessieren, was passiert wenn nicht nur die Steuern, sondern auch die Sozialversicherung gesplittet würden. Also ein Alleinverdiener mit 60.000 genau so besteuert und versichert wird wie ein Doppelverdienerhaushalt mit 2 x 30.000. Zum einen könnten die prozentualen Beiträge durch die breitere Bemessungsgrundlage sicher sinken (es muss daher nicht für jeden teurer werden), zum anderen umgeht man Probleme wenn Ehen geschieden werden. Schließlich erwirbt jeder Partner eigene Ansprüche.
Es fällt mir echt schwer zu glauben, dass ein Patient alleine Millionen Euro für Medikamente ausgeben muss. Wenn das wirklich der Fall sein sollte, dann verstehe ich nicht, wieso hier wieder die alte Diskussion von GKV vs. PKV vom Zaum gebrochen wird. DAS sollte doch näher beleuchtet werden. Millionen von für einen einzigen Patienten. Das kann es doch nicht geben, da müsste doch mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermitteln.
Das ganze System krankt doch daran, da die vier beteiligten Partein - Ärzte, Krankenkassen, Pharmaindustrie und Patienten - unterschiedlich gestellt sind. Oder besser, wir haben eine 3-gegen-1-Situation: Alle bedienen sich an dem Topf, den der Patient zu füllen hat. Und dieser hat kaum Rechte. Alle reden vom tollen Markt, aber unter diesen Bedingungen kann kein Markt funktionieren.
Was ein Blödsinn. Da macht man einen teuren Gesundheitsfonds, an dem sich alle Kassen beteiligen und dann passiert sowas. Hier hätte man vielleicht mal ein paar Rückversicherer fragen sollen, wie man sowas aufzieht. Aber wahrscheinlich waren wieder nur Anwaltskanzleien beteiligt.
Und an alle Verteidiger der PKV - Glauben Sie allen Ernstes, dass diese zwei Patienten lange in einer PKV wären? Die Beiträge der PKV sind auch wegen der Risikoauswahl so günstig.
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