Ein Kommentar von Thorsten Denkler

Wenn die Kosten für zwei Schwerkranke von einer Krankenkasse nicht gestemmt werden können, dann stimmt etwas nicht im System.

Zwei Patienten haben gereicht, damit die erste gesetzliche Krankenkasse zum Mittel des Zusatzbeitrags greifen muss. Zwei von etwas mehr als 40.000 Versicherten in der Gemeinsamen Betriebskrankenkasse Köln (GBK).

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Patient auf Intensivstation: Je mehr Menschen die Kosten im Gesundheitssystem tragen, desto besser. (© Foto: dpa)

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Die beiden Patienten waren Sonderfälle mit einer seltenen Form der Bluter-Krankheit. Millionen Euro mussten allein für die Medikamente ausgegeben werden. Und doch darf es nachdenklich stimmen, wenn eine Kasse unter den Bedingungen des seit Jahresfrist geltenden Gesundheitsfonds künftig wegen zweier Patienten mehr Geld von ihren Versicherten verlangen muss.

Acht Euro dürfen die Kasse unabhängig vom Einkommen der Versicherten zusätzlich nehmen. Bisher scheuen sich die Kassen davor - trotz angespannter Finanzlage.

Die Kassen fürchten Mitgliederschwund. Mit dem Zusatzbeitrag müssten sie jeden Versicherten über sein Sonderkündigungsrecht informieren. Es ist jedoch schwer zu erklären, warum der Kunde bei exakt gleicher Leistung acht Euro mehr im Monat zahlen soll.

Der Fall GBK lässt verschiedene Schlüsse zu: Zum einen unterstreicht er, dass 141 Betriebskrankenkassen doch ein paar zu viel im Markt sein könnten. Von denen haben viele nicht mehr Mitglieder als die GBK. Zu wenig offenbar, um außerordentliche Risiken abdecken zu können.

Die Causa zeigt auch, wie die Krankenversicherungskosten schleichend auf die Versicherten verlagert werden. Es gab mal Zeiten, da haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Versicherungskosten eins zu eins geteilt. Die sind längst vorbei. Zahnersatz muss der Versicherte bereits alleine übernehmen - und auch der Zusatzbeitrag wird allein von den Versicherten getragen.

Das stellt den Solidargedanken der Krankenversicherung in Frage. Schwere Krankheiten können jeden treffen. Es wäre gut, wenn dafür dann alle Versicherten einstehen würden und nicht nur ein paar tausend, die zufällig in der gleichen Kasse sind. Nur so können außerordentliche Kosten gerecht verteilt werden.

Es wäre noch besser, wenn auch die paritätische Finanzierung der Kassen durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber wieder hergestellt würde. Arbeitgeber profitieren schließlich erheblich von gesunden Mitarbeitern.

Dafür aber müsste dass System rück- und umgebaut werden. Einer der wenigen Vorteile des ansonsten verkorksten Gesundheitsfonds ist, dass er sowohl in ein Bürgerversicherungsmodell umgebaut werden kann, in das alle mit allen Einkommen einzahlen. Auch die Reichen, die sich derzeit noch in den privaten Kassen aus der Solidarverantwortung herausstehlen. Es kann aber auch zu einem vom Einkommen unabhängigen Kopfprämienmodell mutieren, wie es sich die CDU vorstellt, aber nicht mehr so laut propagiert

Wie das Krankensversicherungssystem der Zukunft aussieht, wird also ganz entscheidend von der kommenden Wahl abhängen. Es sei denn, es kommt wieder zu einer großen Koalition. Dann bleibt vier Jahre lang alles, wie es ist.

Das wäre jedoch eine ziemlich kranke Lösung.

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(sueddeutsche.de/jja)