Ein Kommentar von Guido Bohsem

Die Krankenkassen rutschen ins Minus und die niedergelassenen Ärzte bekommen mehr Geld. Für die Versicherten heißt das: Sie müssen sich wieder auf steigende Beiträge einstellen.

Die Zahl hört sich dramatisch an, und sie ist es auch: Im ersten Halbjahr verbuchten die gesetzlichen Krankenkassen ein Defizit von rund einer Milliarde Euro. Das Minus kam zustande, obwohl immer mehr Arbeitslose einen Job finden und damit deutlich mehr Menschen in die Gesundheitsversicherung einzahlen als noch vor zwölf Monaten.

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Arbeitnehmer, Unternehmen und Rentner müssen Anfang 2009 mit kräftig steigenden Beiträgen rechnen. (© Foto: AP)

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Gewiss, vieles spricht dafür, dass das Ergebnis am Ende des Jahres weit weniger schlecht ausfallen wird, als dieser Zwischenstand vermuten lässt. Denn schließlich werden die Einnahmen der Kassen kräftig steigen, wenn erst die hohen Lohnabschlüsse wirken und wenn das Weihnachtsgeld aufs Konto fließt.

Steigende Beiträge

Doch werden die Kassen deutlich schlechter dastehen als 2007, als sie noch einen Überschuss von 1,8 Milliarden Euro verbuchen konnten. Es sind vor allem die höheren Kosten für die Behandlung im Krankenhaus und die wachsenden Ausgaben für Medikamente, die die Versicherer belasten.

Wieder einmal zeichnet sich ab, dass Arbeitnehmer, Unternehmen und Rentner Anfang 2009 mit kräftig steigenden Beiträgen rechnen müssen. Das gilt erst recht, wenn die Ausgaben einsetzen, die in der Halbjahresbilanz noch gar nicht auftauchen - die bessere Honorierung der niedergelassenen Ärzte, das Finanzpaket für die Krankenhäuser und die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.

Das ist dramatisch, weil in einer Zeit des wirtschaftlichen Abschwungs ein durchschnittlich bezahlter Arbeitsplatz auf einen Schlag um 240 Euro pro Jahr teurer zu werden droht. Das Versagen der großen Koalition bei der Gesundheitsreform wird immer deutlicher. Sie hat es versäumt, das System auf eine sichere Finanzgrundlage zu stellen.

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(SZ vom 03.09.2008/tob)