Komponist für Warteschleifen-Musik Der Erfinder des Gedudels

Für die Verbraucher ist es eine Qual, für die Unternehmen noch eine gute Einnahmequelle: die Warteschleifen-Musik bei Anrufen. Stefan Ladage zählt zu Deutschlands erfolgreichsten Komponisten dieser Branche. Was macht für ihn gutes Gedudel aus?

Von Verena Wolff

Als Kunde fragt man sich manchmal, was schlimmer ist: Eine kostenpflichtige Service-Hotline anrufen zu müssen oder in der Warteschleife mit "Für-Elise"-Gedudel geparkt zu sein. Nicht nur die Kunden nervt das - auch Firmen wollen etwas Individuelles. Und bestenfalls eine Botschaft in der Wartepause transportieren. Der erfolgreichste Komponist in Sachen Jingle, Hotline und Warteschleife in Deutschland ist Stefan Ladage aus Herford.

Stefan Ladage komponiert Musik für Jingles, Warteschleifen und Mobilboxen.

(Foto: Ladagemedia)

"Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin/kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin/Die Nase im Wind, den Kunden im Sinn/und ein Lächeln stets mit drin" - so klingt die Firmenhymne von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft, eingesungen von Hunderten Mitarbeitern. Und zu hören in der Warteschleife der Airline. Ein paar flotte Synthesizerklänge untermalen das Spektakel - fertig ist das Marketinginstrument mit Mehrwert.

Doch es muss nicht immer der ganz große Song sein, hat Ladage festgestellt. "Den meisten Unternehmen geht es darum, kein nerviges Einheitsgedudel in der Warteschleife zu haben", sagt der 43-Jährige. Sie wollen etwas Eigenes, "meist etwas Flottes", sagt er mit einem Schmunzeln. Denn "flott" definiere jeder Kunde anders: "Für den einen ist Jazz flott, für den anderen Klassik und für den Dritten Techno." Alles Musikrichtungen, so der Experte, die in Telefonschleifen nicht funktionieren.

Ladage hat eine umfangreiche Bibliothek eigener Kompositionen, die entsprechend der Anforderungen angepasst werden. Und wenn nichts passt, wir neu komponiert. Seit 14 Jahren macht der diplomierte Musiker den Job schon, angefangen hat alles mit einem Zufall. Vor 14 Jahren hatte er Besuch von der Lokalzeitung, ein Schulmusical sollte aufgezeichnet werden. Beiläufig erzählte Ladage dem Reporter von seinem neuesten Projekt: Er sollte eine Telefonmelodie für eine Bielefelder Firma komponieren. Die Zeitung berichtete - am nächsten Tag standen mehr Zeitungen und das Fernsehen vor der Tür. Und Ladage konnte sich vor Aufträgen kaum retten.

Heute produziert Ladage in seinem Studio im Tresorraum eines früheren Bankgebäudes 24.000 Telefonwarteschleifen im Jahr, "von Starterpaketen für kleine Handwerker bis zu ausgefeilten Audiomarketingkonzepten für internationale Konzerne". 27 Mitarbeiter arbeiten für ihn, der Jahresumsatz ist nach eigenen Angaben siebenstellig.

Die Musik für die Warteschleifen muss beruhigend sein, aber nicht einschläfernd, sagt er - und sie muss dem Zeitgeist entsprechen. "Das ändert sich alle paar Jahre, heute ist etwas Loungiges, Ruhiges modern." Und die Komposition muss zum Kunden passen: "Für den Baumarkt müssen wir es eher volksmusikähnlich machen, für den Friseursalon innovativ." Und eine alte Weisheit stammt noch aus den Zeiten, als er als kleiner Knirps mit dem Musiker Ady Zehnpfennig auf der Bühne stand: "Was auf einer Hochzeit oder bei einem Konzert funktioniert, das läuft auch in der Warteschleife."

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