Von Nikolaus Piper

Die große Krise die Weltfinanzmärkte hat Anzeichen eines Bankenkrachs. Das ist gefährlich, aber auch notwendig und, wenn alle Beteiligten die Nerven behalten, überaus heilsam.

Wer weiß heute noch, was ein Bankenkrach ist? Verzweifelte Kunden stürmen die Schalter, weil sie glauben, dass die Bank nicht mehr zahlen kann - und zerstören mit ihrer Panik die letzten Chancen auf Rettung der Bank. Im schlimmsten Fall kann so ein Krach auch gesunde Institute mit in den Abgrund ziehen.

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Den letzten derartigen Sturm erlebte die Bundesrepublik im Juni 1974 beim Zusammenbruch der Herstatt-Bank. Seither sind Gehalts- und Sparkonten bei deutschen Kreditinstituten versichert; wenn eine Bank zusammenbricht, wie die Hofer Schmidt-Bank 2001, dann tun sich andere Institute zusammen, um das Schlimmste zu verhindern. Bankenkräche sind eine Sache der Vergangenheit.

So schien es jedenfalls bis zu diesem Sommer. Doch nun sucht eine große Krise die Weltfinanzmärkte heim, und diese Krise hat alle Anzeichen eines Bankenkrachs, selbst wenn es einen Sturm auf die Geldautomaten nicht gibt und auch nicht geben wird. Banken sind davon als Institutionen direkt auch gar nicht betroffen, sie sind es nur indirekt als Emittenten von Wertpapieren und als Manager hochriskanter Investmentfonds.

Doch in dieser Eigenschaft sehen sie sich jetzt dem massiven Druck ihrer Kunden ausgesetzt; Investoren fordern ihr Geld zurück, Kreditgeber verweigern sich und die Stimmung ist so nervös, dass manche schon eine Bedrohung für das Weltfinanzsystems sehen.

Was die gegenwärtige Krise von früheren, echten Bankenkrächen unterscheidet - und was sie mit ihnen verbindet -, zeigt sich am klarsten dort, wo alles seinen Anfang nahm: im amerikanischen Immobilienmarkt. Wie überall auf der Welt finanzieren amerikanische Familien ihr Eigenheim in der Regel durch einen Hypothekenkredit. In früheren Zeiten behielten die Banken diese Kredite jedoch in ihren Büchern, das Risiko blieb bei ihnen und ihren Geldgebern hängen, was insgesamt die Vorsicht förderte.

Heute gibt es diese Grenzen nicht mehr. Banken können die Kredite bequem in zum Teil hochkomplexe Wertpapiere umwandeln und an Anleger weltweit verkaufen, zum Beispiel an Hedgefonds, die damit viel Geld verdienen - oder verlieren können. Dadurch werden die Risiken breiter gestreut und die Verleiher können nachlässiger mit dem Geld umgehen. Zum Beispiel dadurch, dass sie massenhaft Hypothekenkredite an ärmere Familien verkaufen, die sich das eigentlich gar nicht leisten können.

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