Klaus F. Schmidt: Aufstieg und Fall Einmal Millionär und wieder zurück

Mit einem Wasser-Sprudler verdiente Klaus F. Schmidt ein Vermögen - dann verspielte er alles. Heute lebt er in einer kleinen Dachkammer.

Von Hannah Wilhelm

Klaus F. Schmidt hatte alles. Eine eigene Firma, eine Haus am holländischen Ijsselmeer, eine Yacht, ein schnelles Auto. Eine rote Viper war das, mit der er 270 km/h schnell durch die Nacht schoss. "Wie eine Rakete", erinnert er sich, und es blitzt in seinen klaren blauen Augen. "Es ist wahrscheinlich gut, dass ich die Viper nicht mehr habe, sonst hätte ich mich vermutlich schon längst zu Tode gefahren", sagt er und nippt an seinem Tee. Schmidt hat gar nichts mehr, er hat alles verloren, nicht nur die Viper, sondern auch Haus, Yacht und Millionen. Alles verspielt im Casino.

Gewonnen hatte er das alles in den 90er Jahren. Sodastream war sein Glück. Diese kleine Maschine, die aus Leitungswasser Sprudel macht, brachte Schmidt Millionen, denn er verkaufte die Geräte in Deutschland. Die Umsatzzahlen weiß er noch heute, er rattert sie auswendig herunter. 1997 waren es fast 70 Millionen Mark. Im Jahr darauf steigt er aus. Fünf Millionen Mark zahlt ihm sein Partner dafür, dass er geht. Eigentlich war sein Anteil mehr wert, sagt er. Egal. Wenn er mehr bekommen hätte, hätte er das auch nur verzockt, meint er.

Die Kugel als Mahnung

Er nimmt wieder einen Schluck Tee. Kaffee trinkt er nicht, sein Magen sei zu nervös, sagt er und beginnt in seiner grünen Nylontasche zu wühlen, sie ist abgegriffen, speckig. "Da, in der Tasche waren damals übrigens Millionen in bar, die ich von meinem Partner für die Firma bekommen habe", erzählt er und lächelt. Heute sind da nur Unterlagen, und - "warten Sie, ich hab sie gleich" - irgendwo noch eine weiße Roulettekugel. Er hat sie immer dabei, als Mahnung.

Das Leben von Klaus F. Schmidt ist ein ständiges Auf und Ab. Das war schon immer so. 59 Jahre alt ist er, und das Auf und Ab scheint die Farbe aus Gesicht und Haaren gezogen zu haben. Er ist blass, sehr blass. Aber seine Augen sind wach. Wenn er von all den Verlusten seines Lebens erzählt, blitzen sie. Auch die norddeutsche Stimme klingt amüsiert. Er ärgert sich über all die Abstürze gar nicht so sehr. Sie gehören für ihn dazu. Das Leben ist eine Achterbahn, ein Abenteuer - oder gar nichts.

Harte Zeiten auf dem Meer

Wenn er von seiner Familie spricht, wird die Stimme kalt und hart. Eltern und Geschwister lassen ihn allein, da ist er gerade fünf. Sie gehen nach Kanada, um ihr Glück zu machen. Klaus, der jüngste Sohn, bleibt zurück. Er ist zu klein zum Arbeiten, zu nichts nütze. Also wächst er bei der Oma in Bremerhaven auf. Den Eltern geht es gut in Kanada, in Bremerhaven dagegen ist das Geld knapp. Die Oma kann dem Kleinen keine Grenzen setzen, also sucht er sie selbst. Den Hauptschulabschluss schafft er nicht, "ich war der Schlechteste von 800 Schülern", sagt Schmidt und lacht wieder, als ob das alles ein großes Abenteuer gewesen wäre. Sein Lehrer sagt ihm: "Du wirst entweder kriminell oder ein Penner." Auch da lacht er.

Er geht zur See, mit 17, arbeitet als Page auf einem Passagierschiff. Er verdient gut. Wenn sie in New York anlegen, kauft er sich die Platten der Beatles und der Beach Boys. Er wird entlassen - weil er mit einem mitreisenden Mädchen schmuste. Überzogen findet er das, aber was will er tun, das gute Leben ist vorbei. Er heuert auf einem Fischkutter an. Vor seinen Augen wird ein Mädchen vergewaltigt, der Koch über Bord geworfen. Sagt er. Wie auch immer, es war die schlimmste Zeit seines Lebens.

In den 70er Jahren hat Schmidt lange Haare, jobbt herum, liest viel. Und irgendwann streicht er das Haus der Nachbarin. Ein Jahr später hat er einen Handwerksbetrieb mit elf Mitarbeitern, wieder drei Jahre später ist er pleite. Schuld sind die anderen, ein Bauträger, der nicht zahlt, die Umstände, wie auch immer. "Schreiben Sie einfach: Lebensbruch", diktiert er. Er macht eine Werbeagentur auf, "zugetraut habe ich mir eigentlich immer alles, sogar Sachen, von denen ich keine Ahnung hatte". Bald beschäftigt er vier Leute, schlittert wieder in die Pleite. Sein Hauptauftraggeber habe versucht, ihn zu erpressen, sagt er.

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