Justiz untersucht Herkunft des Geldes BayernLB-Vorstand erhielt 50 Millionen Dollar

Woher kam das Geld? Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hat der ehemalige Risiko-Vorstand der BayernLB, Gerhard Gribkowsky, heimlich 50 Millionen Dollar aus Mauritius und der Karibik erhalten - das er in einer Privatstiftung namens "Sonnenschein" anlegte. Nun ermittelt die Justiz, ob das Vermögen aus kriminellen Geschäften stammt, die mit der Formel 1 zu tun haben.

Von Klaus Ott und Nicolas Richter

Bei Bayerns Landesbank gibt es neue Turbulenzen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat der ehemalige Risiko-Vorstand Gerhard Gribkowsky in seiner Amtszeit heimlich 50 Millionen US-Dollar aus Mauritius sowie der Karibik erhalten und in einer österreichischen Privatstiftung namens "Sonnenschein" angelegt. Die Münchner Staatsanwaltschaft, der er das Vermögen zunächst verschwiegen hatte, untersucht, ob das Geld aus kriminellen Geschäften stammt, die mit der Formel 1 zu tun haben.

Gribkowsky hatte bei der Landesbank eine Schlüsselposition inne. Er war von 2002 bis 2008 als Vorstandsmitglied dafür zuständig, Risiken frühzeitig zu entdecken und Kreditausfälle zu vermeiden. Im April 2008 schied er aus dem Vorstand aus, nachdem er sich vergeblich darum bemüht hatte, Chef der Landesbank zu werden. Ein Jahr vorher, im Mai 2007, hatte Gribkowsky ohne Wissen der BayernLB in Salzburg die "Sonnenschein Privatstiftung" gegründet und in einer Tochterfirma der Stiftung das Vermögen angelegt, das ihm zuvor aus Mauritius im Indischen Ozean und den Jungfraueninseln in der Karibik zugeflossen war. Von den 50 Millionen Dollar blieben nach Steuern in Österreich knapp 25 Millionen Euro übrig. Zweck der Stiftung ist die "Versorgung des Stifters", also Gribkowskys, und weiterer von ihm benannter "Begünstigter".

Nachdem die SZ Gribkowsky am 23. Dezember mit dem heimlichen Vermögen konfrontiert hatte, war dieser zur Münchner Staatsanwaltschaft gegangen, um die Ermittler über die Stiftung zu unterrichten, bevor diese davon in der Presse lesen würden. Die Staatsanwaltschaft untersucht nun nach Angaben ihres Leiters Manfred Nötzel, "woher dieses Vermögen stammt". Der SZ sagte Gribkowsky zunächst, es handele sich um Familien-Vermögen, was aber nicht stimmte. Anschließend gab er dazu keine weiteren Auskünfte mehr.

Die Staatsanwaltschaft prüft vor allem, ob die 50 Millionen Dollar aus der Formel 1 kommen könnten, mit der Gribkowsky jahrelang viel zu tun hatte. Ausgangspunkt war im Jahr 2002 die Pleite des Medienhändlers Leo Kirch, dem die BayernLB zwei Milliarden Euro geliehen hatte. Kirch hatte sich zuvor bei der Formel 1 eingekauft. Dieses Engagement übernahm die Landesbank, um durch einen späteren Verkauf der Rennserie wieder zu ihrem Geld zu kommen. Das war Gribkowskys Aufgabe. Die BayernLB stritt zunächst vor Gericht mit dem britischen Geschäftsmann Bernie Ecclestone, der die Formel 1 aufgebaut hatte. Ecclestone hatte auch Ärger mit fünf großen Autokonzernen. Mercedes, BMW, Renault, Honda und Toyota, denen Ecclestones Einfluss zu weit ging, drohten mit dem Aufbau einer eigenen Rennserie.

Doch dann änderte die BayernLB ihr Vorgehen. Vorstand Gribkowsky stellte sich hinter Ecclestone und erklärte: "Wir unterstützen ihn." Anschließend verkaufte die BayernLB ihren Anteil an der Rennserie an einen Finanzinvestor aus London, mit dessen Hilfe Ecclestone seine Macht in der Formel 1 zementierte. Das wirft die Frage auf, ob die 50 Millionen Dollar als Dankeschön dafür geflossen sein könnten, dass Ecclestone in prekärer Lage Hilfe von Gribkowsky bekam. Gribkowsky: "Das ist eine Spekulation, daran kann ich mich im Moment nicht beteiligen." Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt habe, könne er öffentlich darlegen, dass alles in Ordnung sei.