Frankreichs berüchtigtem Banker Kerviel drohen fünf Jahre Haft. Mit einem Enthüllungsbuch wirbt er um Sympathien.
In gut einem Monat beginnt sein Prozess. Höchste Zeit für Jérôme Kerviel, mit Interviews und einem Buch um Sympathien zu werben. Denn Banker wie er stehen gerade nicht hoch im Kurs, und es wäre verwunderlich, wenn die öffentliche Meinung nicht die Atmosphäre im Prozess beeinflussen würde.
Viel Neues verrät der heute 33-jährige Kerviel in seinem Buch nicht. Sein Anwalt verspricht derweil schon "weitere Enthüllungen" für den Prozess. (© Foto: Reuters)
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Für ihn, den ehemaligen Händler der Société Générale, steht viel auf dem Spiel. Um fünf Milliarden Euro soll er die französische Bank Anfang 2008 mit betrügerischen Geschäften gebracht haben. Das wirft ihm die Bank, aber auch die Staatsanwaltschaft vor, und darauf stehen bis zu fünf Jahre Haft.
Kerviel, 33, ist freilich anderer Meinung. Er hält sich für einen "Sündenbock" und für ein kleines Rädchen in einem kaputten System. Das Buch, das an diesem Mittwoch in Frankreich erscheint, trägt deswegen den Titel L'engrenage - Mémoires d'un trader, auf Deutsch: "Das Räderwerk - Memoiren eines Börsenhändlers".
Auf 270 Seiten steht dort, was Kerviel seit zwei Jahren und in diesen Tagen vor allem auch in etlichen Interviews beteuert: "Ja, ich trage einen Teil der Verantwortung, aber ich bin nicht schuldig im strafrechtlichen Sinn. Was ich getan habe, war vielleicht nicht erlaubt, es war aber geduldet und sogar erwünscht von meinen Vorgesetzten und dem Topmanagement. Denn es brachte der Bank viel Geld."
Vergleiche mit Prostituierten
Kerviel gewährt in mehreren Kapiteln Einblicke in das Alltagsleben von Aktienhändlern, er erzählt von deren "abgeschottetem Dasein" und ihrer "Realitätsferne", von den "phänomenal großen Summen", mit denen sie in Sekundenschnelle jonglieren, und von der "Perversität" des Systems.
Er bedient dabei auch Klischees. Zum Beispiel vergleicht er die Händler mit Prostituierten. Am Ende des Tages heiße es: "Zählerstand ablesen! Na, wie viel hast du heute gemacht? Ah, du warst heute eine gute Geldmaschine."
Auf dem Buchtitel blickt der Bretone Kerviel ernst und abgehärmt. Er ist nicht der einzige entzauberte Börsenhändler, der aus seinem persönlichen Scheitern oder dem Absturz der Finanzmärkte Kapital schlagen will, indem er nun Insider-Geschichten in Buchform auftischt und sich zum Anwalt der Kritiker macht.
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Debatte über Urheberrecht
"Das Buch ist auch ein Hilferuf. Kerviel appelliert an seine ehemaligen Kollegen, mit der Wahrheit herauszurücken. "
dann müßte man vielleicht die ganze Bande einsperren. An seiner Schuld wird das wenig ändern. Es bleibt ein eher kläglicher Versuch, den eigenen Anteil zu relativieren.
Jeder, der an diesem System teilnimmt, weiß was er tut und er weiß auch, daß er mehr oder weniger permanent Gesetze übertritt. Über Moral, Kollateralschäden bei Kleinanlegern und den Schaden für die Gesamtwirtschaft verliert er vorsichtshalber ohnehin kein Wort. In diesem Fall müßte er sich nämlich freiwillig für 10 Jahre Knast anmelden.
Wie in Bayern auch ist die ganze Bande schuldig: Vorstand, Verwaltungs-/Aufsichtsrat und die Zocker unten. Alle haben das Manipulationssystem am Laufen gehalten und davon profitiert. Wenn es dann nicht mehr klappt, sollen die auch alle wieder was davon haben. Deshalb: Für alle freie Kost und Logis mit hübschen schwedischen Gardinen über Jahre hinaus.
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Armer Mann, sind mal wieder alles die anderen schuld.
Schnarch....