Von Simone Boehringer

Jamaika ist pleite und kann Zahlungsverpflichtungen teilweise nicht mehr nachkommen. In Argentinien, Bolivien, Grenada, Pakistan und der Ukraine sieht es nicht viel besser aus.

Türkis schimmerndes Meer, weiße Strände und ein lockeres Leben verbinden wohl viele gestresste Amerikaner und Europäer mit Jamaika. Doch die Lockerheit hat offenbar einen hohen Preis. Der karibische Inselstaat ist pleite. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat das Land auf SD für "Selected Default" heruntergestuft. Heißt: Das Land, in dem Promis von Ralph Lauren bis Paul McCartney Urlaub machen, kann einigen seiner Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen.

Jamaika, iStock

Jamaika ist pleite und kann einigen seiner Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. (© Foto: iStock)

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Eine echte Überraschung ist das nicht, schließlich hatten die Kreditexperten das Land, zu dessen wichtigsten Einnahmequellen der Tourismus gehört, schon länger mit der Note CCC belegt gehabt und dazu einen negativen Ausblick gegeben. Aber es ist peinlich, so mitten in der Hauptsaison, die von Dezember bis April reicht und bis vor der Finanzkrise vor allem die High Society aus Nordamerika, aber auch zunehmend europäisches Jetset anzieht.

Angelehnt an das US-amerikanische Schulnotensystem bedeuten C- und D-Noten auf dem internationalen Kapitalmarkt nämlich nichts anderes, als dass ein Land bei der Buchhaltung seine Hausaufgaben nicht macht. "Ein hohes bis sehr hohes Insolvenzrisiko" bescheinigen Ratingagenturen Ländern dieser Kategorie, zu denen laut S&P neben Jamaika auch Ecuador (CCC+), das zweitärmste Land Südamerikas, gehört.

Nach Erfahrungen mit Staatsschuldnern, die bis ins Jahr 1975 zurückreichen, ist ein Land in dieser Bewertungsgruppe mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent im ersten Jahr pleite gegangen, im zweiten und den darauffolgenden Jahren betrug das Risiko nach S&P-Statistik 50 Prozent. Es kann also niemand sagen, er habe es nicht gewusst, zumal der Öl-, Bananen- und Blumenexporteur Ecuador bereits Ende 2008 schon einmal die Zahlungen an ausländische Gläubiger gestoppt hatte.

Weitere Pleite-Kandidaten stehen schon Schlange

Die gute Nachricht: Weder Jamaika noch der lateinamerikanische Andenstaat sind eng mit den internationalen Kapitalmärkten verbunden. Entsprechend geringe Auswirkungen sind zu erwarten. Im Falle Jamaikas hat der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits einen Milliarden-Kredit zugesagt, der auch die ausländischen Schulden des Karibikstaates mit abdeckt.

Die schlechte Nachricht: Auch knapp oberhalb der Riege unmittelbarer Pleitekandidaten, in der Ratingkategorie B-, finden sich in einer jüngst veröffentlichten Länderliste S&Ps gleich ein paar Kandidaten, deren Situation ähnlich gefährdet ist wie die Jamaikas: Argentinien, Bolivien, Grenada, Pakistan und die Ukraine sind mit dieser Note belegt. Deren Insolvenzrisiko liegt nach historischer Statistik zwischen knapp sieben Prozent binnen zwölf Monaten und mehr als 20 Prozent in den nächsten acht Jahren. Experten sehen vor allem bei der Ukraine und Argentinien genauer hin. Ersteres Land liegt regelmäßig wegen nicht bezahlter Gasrechnungen im Clinch mit Nachbar Russland. Von der Zahlungsfähigkeit der Ukraine hing zuletzt auch ab, wie zuverlässig russische Gaslieferungen via Transit Europa erreichten. Der IWF hat Kredite gewährt und mit Auflagen zu Reformen versehen.

Argentinien ist der größte Fall, der die Gemüter von Privatanlegern bewegt. Zum einen bemüht sich das 2001 pleite gegangene Land wieder einmal um eine Umschuldung. Gut 20 Milliarden Dollar sind die Südamerikaner ausländischen Gläubigern noch schuldig. Bevor die nicht abbezahlt sind, gibt es keine neuen Kredite. Die aber hat das Land nötig.

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(SZ vom 19.01.2010/mel)