Irland in der Rezession Absturz aus dem Paradies

Hoffnung ist auch das Wort, das Damien Hennelly immer wieder benutzt. Der Manager der staatlichen Investitionsförderagentur IDA (Investment and Development Agency) räumt ein, dass das Land in einer schwierigen Phase steckt. "In der Finanzbranche herrscht große Unsicherheit. Davon ist auch Irland betroffen. Doch wir hoffen, dass die Krise bald überstanden ist", sagt der IDA-Vertreter.

Er weist Kritik zurück, dass Irland durch niedrige Abgaben und laxe Regulierung Spekulanten und allzu riskante Finanzgeschäfte geradezu angezogen habe. "Unsere Steuersätze verstoßen nicht gegen die EU-Regeln. Unsere Finanzaufsicht ist sehr effektiv", sagt Hennelly. Er ist sichtlich besorgt um das Image Irlands als europäischer Finanzplatz. Deutlich wird auch, dass sich die Insulaner schon gar nicht in die Rolle eines Sündenbocks für das Finanzdesaster drängen lassen wollen.

Rechtfertigung und Trotz

So reagiert man denn auch auf den langen Fluren der obersten Finanzaufsicht am College Green in der Dubliner Innenstadt verschnupft über entsprechende Vorwürfe aus Brüssel, dass den Iren bei der Bewältigung der Krise die Jacke näher sei als die Hose - sprich: ein solidarisches Vorgehen aller EU-Mitglieder durchkreuzen würden. "Wir wurden für unsere Bankengarantie an den Pranger gestellt. Doch dann haben Deutsche und Briten etwas ähnliches gemacht, um ihren Banken zu helfen", klagt ein Behördenmitarbeiter.

So ist es kein Zufall, dass gerade viele junge Iren, die in den vergangenen Jahren zu den Hauptprofiteuren des Wirtschaftsbooms gehörten, beinahe trotzig auf wirtschaftliche Untergangsszenarien in den irischen Medien reagieren. "Ich mache mir nicht so wahnsinnig viele Gedanken. Ich weiß, wenn ich meinen Job verliere, suche ich mir einen anderen suchen. Irgendwie wird es schon weiter gehen", sagt Catherine McLane. Die 32-jährige Bankangestellte schlendert zusammen gerne mit ihrer Freundin durch das Dubliner Nobelkaufhaus Brown Thomas. Die Louis Vuitton Handtasche für 2200 Euro kann sie sich zwar nicht leisten. Aber auf das neue Prada-Modell habe sie schon ein Auge geworfen, lacht die junge Frau.

"Kleeblatt wird wieder blühen"

Im Dubliner Pub-Viertel am Temple Bar, dort wo schon nachmittags das Guinness-Bier in Strömen fließt, hockt Michelle Goode in einem kleinen, schummerig beleuchteten Stoffzelt. Es steht in einem Raum, in dem Glaskugeln von der Decke hängen. Kerzenduft breitet sich aus. Goode ist Wahrsagerin - ein krisenfester Job, der bei den traditionell abergläubischen Iren hohen Respekt genießt. "Meine Kunden kommen aus vielen Bereichen. Da sind auch erfolgreiche Bankleute darunter. Die wollen doch wissen, wie es jetzt mit der Karriere weitergeht", sagt die Frau mit den grauen Haaren. Ihre Augen flackern dabei lustig. Das Geschäft laufe gut, sagt sie. Goode legt ihren Klienten die Karten oder liest aus der Hand. Und wie sieht die Gesamtprognose fürs Land aus? "Kleeblatt wird wieder blühen", ist sich Goode sicher.

Nicht ganz so sicher scheint dabei Karin Bacon zu sein. Die Leiterin der Internationalen Schule in Dublin muss um die Finanzierung der Ausbildungsstätte fürchten. Die erfolgreiche Privatschule an der Pembroke Street war bislang vor allem für Kinder ausländischer Manager beliebt. 8200 Euro kostet einer der 25 Plätze pro Jahr.

Doch nun gibt es ein Problem: Die Schule wurde bislang von der Depfa Bank im erheblichen Maße gefördert. Ob sich das Institut einen solchen Luxus noch leisten kann, ist mehr als unsicher. Die Bankenkrise zieht ihre Kreise.