Wie kinderfreundliches Wohnen drinnen und draußen funktioniert
Reinhard Böwer, 53, Architekt aus Freiburg, hat dort das neue Stadtviertel Rieselfeld mitentwickelt und im Freiburger Vaubanviertel zahlreiche Gebäude mitkonzipiert. Beide Viertel gelten bundesweit als Musterquartiere, was das Wohnen mit Kindern angeht. Böwer ist selbst Vater von zwei Kindern.
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SZ: Inwiefern versucht man beim Planen neuer Wohnquartiere, Rücksicht auf Kinder und ihre Bedürfnisse zu nehmen?
Böwer: Bei den Planungen der Stadtteile Rieselfeld und Vauban standen Lebensraumgestaltung und Ökologie im Vordergrund. Wir bekamen die Vorgabe, alle Gebäude in Niedrigbauweise, auf Wunsch auch in Passivbauweise zu errichten. Die Kinder, die hier leben, erfahren täglich, wie Ökologie funktionieren kann, wie man etwa vernünftig mit Wasser umgeht. Viele Straßen wurden als Wohn- und Spielstraßen gebaut.
SZ: Besteht demografisch gesehen nicht die Gefahr, dass ein Viertel, in dem viele Familien mit Kindern leben, in 20 Jahren zum Schlafquartier wird?
Böwer: Die Gefahr kann es geben. Doch wurde bei den Planungen und bei den Grundstücksvergaben der Stadt Wert auf eine Durchmischung der Altersgruppen gelegt. Die Vielfalt in allen Bereichen, bei den Altersgruppen, auf der sozialen Leiter, bei den Berufen bis hin zur Ansiedlung von Handwerksbetrieben und Läden ist enorm wichtig.
SZ: Was ist kindgerechtes Bauen?
Böwer: Es muss darum gehen, dass sich die Menschen mit ihrer Wohnumgebung identifizieren können. Egal, ob die Bewohner Familien mit Kindern sind, Senioren, Singles oder Paare. Jeder - auch ein Kind - hat das Bedürfnis, seine Umgebung selber auszugestalten. Als Planer muss man beim Entwerfen von Häusern und Wohnungen gedanklich Platz lassen können, Architektur darf nicht alles gestalten wollen.
SZ: Wie wichtig ist die Größe des Kinderzimmers?
Böwer: Ein Kinderzimmer sollte nach Möglichkeit 15 Quadratmeter Fläche nicht unterschreiten. Wenn das Zimmer an sich klein ist, kann ein Hochbett helfen. Oft dient der Platz unter dem Hochbett den Kindern zum Bau von Höhlen oder Nischen. Kinder benötigen außerdem eine gute Infrastruktur: Regalflächen, Schubladen, ausreichend Schrankraum. Nur so können sie ihren Besitz in Ordnung halten. Das kommt ihrem Bedürfnis nach Klarheit, Ritualen und Verlässlichkeit entgegen.
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