Otte: Amerika steht mit dem Rücken zur Wand. Wir haben dort 15 Prozent echte Arbeitslosigkeit. Wir haben einen drohenden Kollaps der Wirtschaft. Es kann sein, dass sie sich qua Inflation entschulden. Die Amerikaner könnten es schaffen, den großen Reset-Knopf zu drücken und so wieder neu anzufangen. Aber wir kommen in eine wirtschaftspolitisch und weltpolitisch unübersichtliche Phase. Das ist schon riskant gerade. Normalerweise gab es immer Kriege, wenn sich das Zentrum der Weltpolitik verschoben hat. Von Portugal nach Spanien, von Spanien nach Holland, von Holland nach England, von England in die USA.

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SZ: Der Krieg als Reset-Knopf.

Otte: Eben.

SZ: Wann geht es denn los mit der Inflation?

Otte: Es ist eine merkwürdige Zeit. Wir haben einerseits viele deflationäre Impulse: Arbeitslosigkeit, Pleiten, sinkende Häuserpreise. Auf der anderen Seite wird die Geldmenge massiv ausgedehnt. Ich denke, wir werden in den nächsten zwei Jahren Klarheit haben, wo es hingeht. Es ist nicht gesagt, dass Bernanke und Co das in den USA hinbekommen. Wenn nicht, dann Heidewitzka! Wenn die eine Hyperinflation kriegen, dann gute Nacht. Die EZB hält viele Dollars, die dann wertlos wären. Die Japaner und Chinesen noch mehr. Dann kocht die Suppe richtig. Wir kommen in sehr turbulente Zeiten.

SZ: Was wäre denn Ihr Wunschszenario?

Otte: Eine leichte Inflation. Vier, fünf, sechs Prozent, dann könnte man die Staatsschulden abtragen. Für Berufseinsteiger wäre das gut. Für die junge Generation.

SZ: Aber für die Älteren nicht. Deren Ersparnisse würden ihren Wert verlieren. Kann man das verantworten?

Otte: Ach, aber ich finde, wir in Deutschland sind ansonsten doch sehr fair zu der Generation meiner Eltern.

SZ: So ein richtiger Optimist sind Sie aber nicht. Sie haben sich Ackerland gekauft. Für den Fall einer Weltwirtschaftskrise?

Otte: Ich habe in der Pfalz Ackerland gekauft, ja. Aber nicht wegen der Krise. Die Vorfahren meiner Mutter kommen von dort. Und ich bin im Sauerland aufgewachsen. So habe ich einen Bezug dazu. Ich will meinen Kindern das Gefühl mitgeben, was es bedeutet, eigenes Land zu besitzen. Es ist aber verpachtet. Es bringt ein, zwei Prozent Rendite. Die steigt aber mit der Inflation, das ist wie ein inflationsgesichertes Sparbuch.

SZ: Sie haben sich das durchgerechnet?

Otte: Klar, das Ackerland ist Lifestyle und Investment.

SZ: Wie groß ist es?

Otte: Zehn Hektar. Das reicht, um eine Familie zu ernähren.

SZ: Also doch ein wenig Krisenangst!

Otte: Ein bisschen vielleicht (lacht).

Interview: Alexander Mühlauer und Hannah Wilhelm

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(SZ vom 22.11.2010/aum)