Von Lars Klaaßen

Ferdinand Ludwig erforscht am Institut Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (Igma) der Universität Stuttgart, wie aus lebenden Holzpflanzen architektonische Tragstrukturen gebildet werden können. Der Architekt erläutert, womit sich Baubotaniker befassen.

SZ: Lebende Bäume beim Bau einzusetzen, das klingt nach einer sonderbaren Idee. Was erforschen seriöse Wissenschaftler dabei?

Ferdinand Ludwig

Ferdinand Ludwig (© Foto: privat)

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Ludwig: Seit dem Jahr 2004 wird der Ansatz, Holzpflanzen als lebende Tragwerke in der Architektur einzusetzen, unter dem Begriff Baubotanik am Igma erforscht. Die Baubotanik versucht, Bäume und ihre Wachstumsprozesse für bauliche Funktionen zu domestizieren.

Das Ziel ist, ihre natürliche Entwicklung zur Produktion wachsender Bauteile beziehungsweise lebender Tragwerke zu nutzen. Auf diese Art sollen die Vorteile von Wachstumsprozessen mit denen ingenieurmäßigen Konstruierens vereint werden.

SZ: Reicht es denn nicht, den Baustoff Holz in den bislang verbreiteten Arten zu nutzen?

Ludwig: Bäume passen ihre inneren Strukturen und ihre Form ständig an äußere Belastungen an. So entstehen heterogene, hoch belastbare Holzstrukturen, die im konventionellen Holzbau meist als ,,Holzfehler'' angesehen werden - man denke beispielsweise an Astanbindungen. Diese Anpassungsfähigkeit kann für architektonische Tragwerke fruchtbar gemacht werden.

SZ: Weisen Sie damit den Weg zurück auf die Bäume?

Ludwig: Diese Forschungen liefern Erkenntnisse, die in der Praxis die Realisierung größerer und komplexerer lebender Bauwerke - etwa Ferienhäuser oder Brücken - ermöglichen. Die Baubotanik bringt die Architekten dazu, völlig neu über ihr Metier nachzudenken.

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(SZ vom 5. 9. 2007)