Internes Papier der Bafin Bilanz des Schreckens

Gigantisches Milliardenrisiko: Die Finanzkrise trifft die deutschen Banken weitaus stärker als bislang bekannt. Kredite und Wertpapiere in problematischen Geschäftsfeldern addieren sich auf 816 Milliarden Euro, wie aus einem Bafin-Papier hervorgeht, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Von Guido Bohsem, Martin Hesse und Claus Hulverscheidt

Die Finanzkrise trifft die deutschen Banken deutlich stärker als bisher bekannt. Dies geht aus einer internen Aufstellung der Finanzaufsicht Bafin hervor. Das Papier gibt erstmals einen Überblick darüber, welche Kredite und Wertpapiere die Institute in problematischen Geschäftsfeldern besitzen. Deren Risiko summiert sich auf 816 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind die HRE, mehrere Landesbanken und die Commerzbank.

Allein bei der Commerzbank sind nach der Bafin-Aufstellung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt, Wertpapiere und Kredite im Wert von 101 Milliarden Euro von der Finanzkrise betroffen. Darin enthalten sind 49 Milliarden Euro aus der Bilanz der übernommenen Dresdner Bank. Die Commerzbank ist demnach von der Finanzkrise ähnlich stark betroffen wie die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, die HSH Nordbank, für die die Bafin 105 Milliarden Euro ansetzt.

Bei der Westdeutschen Landesbank mit 84 Milliarden Euro und der Landesbank Baden-Württemberg mit 92 Milliarden Euro sieht die Aufsicht Risiken in einer ähnlichen Größenordnung. Deutlich besser stehen die Deutsche Bank mit 21 Milliarden Euro, sowie die Postbank und die Hypovereinsbank mit jeweils fünf Milliarden Euro da. Am stärksten ist laut Bafin-Papier die vor der Verstaatlichung stehende Hypo Real Estate (HRE) betroffen, die 268 Milliarden Euro an Problemanlagen hält.

Banken weisen Rechnung zurück

Die meisten der 17 aufgeführten Banken wiesen die Zahlen als irreführend zurück. "Wir wissen nicht, wer die Zahlen zusammengestellt hat und können sie auch nicht nachvollziehen", sagte ein Sprecher der Commerzbank. Die HSH Nordbank erklärte, Wirtschaftsprüfer und der Bankenrettungsfonds Soffin hätten der HSH eine ausreichende und angemessene Risikovorsorge bescheinigt. Andere Institute verwiesen auf Zahlen in ihren Geschäftsberichten oder darauf, dass sie die Anlagen abgesichert hätten.

Die Commerzbank hat bislang staatliche Hilfen von 18,2 Milliarden Euro erhalten. In ihrem Geschäftsbericht hatte die Bank selbst Risiken aufgeschlüsselt und auf weitere "signifikante Belastungen" hingewiesen, die in unterschiedlichen Bereichen des Wertpapier- und Kreditsgeschäfts drohten. Allerdings ist unter Banken, Investoren und Aufsehern umstritten, welche Papiere als Schrottanlagen zu verstehen sind.

Eine Bafin-Sprecherin sagte der SZ, dass es sich bei den Zahlen nicht um tatsächliche oder künftige Verluste handele. Die Daten ließen zudem "keinerlei Rückschlüsse auf die Bonität der Banken zu".

Aufstellung mit großer Bedeutung

Die interne Aufstellung ist für die Regierung von großer Bedeutung. Die Berechnungen der Bafin fließen in die Pläne zur Errichtung von sogenannten Bad Banks, also Auffanginstituten für Problempapiere, ein. Nach Plänen des Finanzministeriums soll nur etwa ein Drittel der in der Liste aufgeführten Anlagen zur Auslagerung in eine Bad Bank in Frage kommen. Die Regierung will mit Hilfe der Bad Banks die Funktion der Finanzmärkte wiederherstellen und die Grundlage für einen Aufschwung legen.

Die Zahlen der Bafin sind für die Regierung indes keine Überraschung. So war in den Unterlagen, die Finanzminister Peer Steinbrück vor Wochen an Kanzlerin Angela Merkel zur Vorbereitung des Banken-Gipfels am Dienstag geschickt hatte, sogar von potentiell gefährdeten Anlagen von 853 Milliarden Euro die Rede. Diese Zahlen vom Anfang des Jahres gelten aber als nicht mehr aktuell. Das neue Papier nennt als Bewertungsstichtag dem 26. Februar.

Lesen Sie hier die Reaktionen auf das Bafin-Papier.