Revolutiönchen in Washington D.C.: Der Internationale Währungsfonds spielt das Szenario einer Inflation von vier Prozent durch - um vor Krisen besser geschützt zu sein.
In der Finanzkrise haben die Notenbanken die Wirtschaft mit Geld überschwemmt. Viele Ökonomen fürchten daher eine Teuerungswelle. Jetzt sorgte der Internationale Währungsfonds (IWF) für eine Sensation und erklärt vier Prozent Inflation für erstrebenswert. Den Deutschen stehen unbequeme Debatten bevor.
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Inflationsrate im Überblick - zum Vergrößern bitte auf die Lupe klicken. (© Graphik: SZ)
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Es ist eine kleine Revolution: Der IWF, bis vor kurzem noch prinzipienfester Streiter für Stabilität, will mehr Inflation zulassen. Der Chefvolkswirt des Fonds, Olivier Blanchard, legte den Notenbanken nahe, ihr Teuerungs-Ziel von zwei auf vier Prozent zu erhöhen. Das Arbeitspapier unter dem Titel "Makroökonomische Politik neu denken" stellte der IWF vorige Woche auf seine Internetseite. Autoren waren, neben Blanchard, die beiden IWF-Ökonomen Giovanni Dell'Arricia und Paulo Mauro. Es hieß zwar, der Beitrag gebe nur die Meinung der Autoren wieder und sei keine offizielle Position des IWF. Der Warnhinweis dürfte jedoch eher formeller Natur gewesen sein. Tatsächlich war der Text so prominent platziert, dass jedermann klar sein musste: IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn unterstützt ihn.
Der IWF greift damit in eine der brisantesten ökonomischen Fragen der Gegenwart ein. Noch herrscht zwar in allen Industrieländern Geldwertstabilität, doch die ist bedroht, wenn es den Notenbanken nicht gelingt gegenzusteuern, wenn die Kreditnachfrage wieder anzieht. Die Angst vor der Inflation zeigt sich zum Beispiel im Goldpreis, der seit Wochen über 1000 Dollar liegt. Und jetzt erklärt ausgerechnet der IWF, dass Inflation gar nicht das Problem ist, sondern ein Teil der Lösung. Wenigstens ein bisschen davon.
Die Inflationsdebatte wird allein schon durch die riesigen Staatsdefizite angeheizt, die im Zuge der Finanzkrise aufgelaufen sind. Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff glaubt, dass die Steuern in den USA um 30 bis 50 Prozent steigen müssten, um den Haushalt mittelfristig zu sanieren. Da dies keine Regierung durchsetzen könne, sei Inflation der einzige Ausweg.
Fehlschlag Eurozone?
Noch kritischer ist das Thema für die Eurozone. Blanchards Vorgänger als IWF-Chefökonom, der MIT-Professor Simon Johnson, glaubt, dass der Euro ohne mehr Geldentwertung nicht überleben wird. In einem Beitrag für das Wall Street Journal schrieb Johnson: "Die Europäische Zentralbank sollte ihre Politik korrigieren, die Zinsen weiter senken und höhere Inflation in der Währungsunion zulassen. Wenn dies für den germanischen Kern nicht hinnehmbar ist, dann sollte Berlin/Frankfurt zugeben, dass die Eurozone selbst ein Fehlschlag ist."
Dabei geht es um das Grundverständnis der deutschen Politik. Zweimal während des 20. Jahrhunderts haben die Durchschnittsbürger in Deutschland fast ihre gesamten Ersparnisse verloren - erst in der Hyperinflation des Jahres 1923, dann bei der Währungsreform von 1948. Das hat sich in das kollektive Gedächtnis der Nation eingegraben. Es waren die Deutschen, die während der Inflationswelle der 70er Jahre die Wende zu mehr Stabilität einleiteten: Am 5. Dezember 1974 verkündete die Deutsche Bundesbank in Frankfurt ihr neues Geldmengenkonzept und wurde so zu einer der mächtigsten Institutionen in Europa.
Im August 1979 folgten die Amerikaner den Deutschen. Der Chef der Federal Reserve in den USA, Paul Volcker, unterzog die Wirtschaft einer Rosskur mit Zinsen von bis zu 20 Prozent. Bundesbank und Fed hatten letztlich Erfolg mit ihrer Politik und alle waren sich einig, dass sie die richtigen Lehren aus der Geschichte gezogen hatten: Inflationserwartungen müssen erstickt werden, sobald sie auch nur zu ahnen sind.
Im Laufe der Jahre bildete sich dabei ein Konsens unter Notenbanken heraus: Der Geldwert ist dann hinreichend stabil, wenn die Inflationsrate "unter zwei Prozent" liegt, wie es in der offiziellen Formulierung der Europäischen Zentralbank (EZB) heißt. Dass EZB und Fed nicht das scheinbar Naheliegende wählten, nämlich eine Inflation von null Prozent, hat einen klaren Grund: Wenn das Preisniveau in normalen Zeiten überhaupt nicht steigt, dann droht es in schlechten Zeiten zurückzugehen, und das ist noch gefährlicher als Inflation. Wenn die Preise sinken, und alle erwarten, dass sie noch weiter sinken werden, entsteht eine deflationäre Spirale, die in die Katastrophe führen kann.
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DFB-Pleite gegen die Schweiz
....eigentlich zwecks Inflation auf Jahre hinaus gesättigt oder wer kennt nicht Produkte die schläg Zwölf Uhr in Euro genausoviel kosteten wie zur DM Zeit?
Vermögen zu haben ist gut, Liquidität zu haben ist besser... Bissl mehr Inflatione wäre nicht verkehrt.
"Geht es im Hintergrund der Griechenland-Krise nicht auch genau um die Frage: Währungsstabilität oder Inflationierung? "
Nein, nicht direkt. Griechenland hat ja keinen Einfluss auf die Geldmenge des Euro, den hat nur die EZB. Deshalb haben wir ja die Maastricht Kriterien, und an die hat sich Griechenland nicht gehalten.
Gruß Balldieb
Das habe ich in diesem Forum schon vor einem Jahr gefordert :o))
Der große Vorteil: Das Horten von Geld wird teuerer und somit erhöht sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Damit wird unter anderem das Refinanzieren langfristiger Kredite mit kurzfristigem Geld erschwert.
Das sollten sie bei der EZB auf jeden Fall machen!
Beste Grüße Balldieb
Toller Artikel!
Geht es im Hintergrund der Griechenland-Krise nicht auch genau um die Frage: Währungsstabilität oder Inflationierung?
Wird die EZB weich und gibt ihre Ziele auf? (wie es die FED und die Notenbank in England auch getan haben)
Hat die FED vielleicht auch ein Interesse daran, dass der Euro abgewertet wird, weil sie sonst ihre Inflationspolitik nicht verkaufen können?