Londons Banken knausern bei Prämien - nur 7,4 Milliarden Pfund gibt es in diesem Jahr. Tausende Entlassungen werden befürchtet, hochqualifizierte Banker und Broker könnten nach Asien abwandern
Es ist immer das Gleiche: Wenn die schlichten, braunen Umschläge in diesen Wochen in den Londoner Banken verteilt werden, steigt der Adrenalinspiegel. Banker und Broker erfahren die Höhe ihrer Bonuszahlung. Doch die vorweihnachtlichen Tage werden nur die wenigsten Geldmanager glücklich machen, denn Kreditinstitute und Finanzfirmen knausern mit Extra-Vergütungen. Die internationale Kreditkrise hinterlässt ihre Spuren in der Londoner City, Europas größtem Finanzviertel.
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Und nicht nur die Boni sinken. Viele Banken haben bereits Tausende von Jobs abgebaut, seitdem die Turbulenzen die Märkte erschüttern. Personalvermittler erwarten in den kommenden Wochen in besonders schwächelnden Banksparten zusätzliche Entlassungen.
Für die Wirtschaft Großbritanniens hat dies einschneidende Folgen. Knapp zehn Prozent der Wirtschaftsleistung geht auf den Finanzbereich zurück. "Hat die Londoner Finanzindustrie einen Schnupfen, hustet die ganze Insel", warnt ein Berater der Labour-Regierung.
Zu spüren bekommt dies auch Finanzminister Alistair Darling, der damit zu kämpfen hat, ein immer größeres Haushaltsloch zu stopfen. In den vergangenen zehn Jahren trug der boomende Finanzsektor zu etwa 30 Prozent der Unternehmenssteuereinnahmen bei. Hält die Bankenkrise an, wird dies die Budgetprobleme dramatisch verschärfen.
Ein böses Erwachen
Dabei hat es jahrelang Manna in der Finanzbranche geregnet. Bei Jahresgrundgehältern von durchschnittlich 100.000 Pfund pro Jahr, also etwa 140.000 Euro, konnten Investmentberater, Anleihe- und Wertpapierhändler leicht das zehn- bis zwanzigfache durch erfolgsabhängige Leistungen hinzuverdienen. Top-Banker bei Morgan Stanley, JP Morgan und Goldman Sachs kamen sogar auf zweistellige Millionenbeträge.
"Jetzt wird es viele, böse Enttäuschungen geben, schwant Harry Pilkington von der Personalberatung Armstrong International. Die Gesellschaft rechnet damit, dass die Bonuszahlungen in der Londoner City in diesem Jahr im Schnitt um zehn bis 20 Prozent unter denen des vergangenen Jahres liegen werden. Im Bereich Unternehmensfinanzierung und Wertpapierhandel müsse sogar mit einem Rückgang von 50 Prozent gerechnet werden, sagen die Experten.
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Moderne Verwaltung
Die hochqualifizierten Banker und Broker vom Londonder Canary Wharf haben letzlich mit dafür gesorgt, dass eine der größten Privatbanken Englands, die Northern Rock, wahrscheinlich verstaatlicht wird.
Die anstehende Verstaatlichung einer Privatbank in einem "westlichen" Land ist meines Erachtens weit tragischer, als die wirtschaftlichen Auswirkungen von gekürzten Bonuszahlungen.
Na dann sollten die Briten aber ganz schnell einen gesetzlichen Mindestlohn einführen, damit der Schnupfen nicht chronisch wird und die Banker (und Broker) auf der Parkbank übernachten müssen, weil sie sich keine anständige Wohnung mehr leisten können.
Ah halt, da fällt mir gerade ein, die Briten haben ja im Gegensatz zu den Deutschen schon seit Jahren einen Mindestlohn, heißt nur anders, nämlich National Minimum Wage, weil die Landessprache dort bekanntermaßen Englisch ist.
Na dann kann der Schnupfen ja nicht so schlimm werden.
Stellt sich eigentlich nur die Frage, warum unsere Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel von der CDU, gegen einen gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland ist.
Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert in Zusammenarbeit mit der Initiative Neue Soziale Mark[t!]wirtschaft.
Wir fordern Ein-Cent-Jobs für alle Arbeitslosen und eine Erhöhung des Kindergeldes für Einkommensmillionäre auf monatlich 15.000 Euro pro Kind.
Asien ist ja auch nicht schlecht!
Wenn es beim husten bliebe.
Der (besonderes im internationalen Vergleich) üppig gewachsene sichtbare Wohlstand der Briten beruht fasst auschliesslich auf pervertierenden Immobilienpreisen, die über den fatalen Umweg über zweite und dritte Hypotheken ungehemmten Konsum ermöglichten. Der heisse Kern ist der Finanzplatz London, von dem aus Käufer mit absurden Einkommen absurde Preise für den absurdesten Schuppen zu zahlen willens sind, was mittlerweile bis auf den entferntesten Flecken der Insel ausstrahlt.
Die Verbreitung der Euphoria und die wahre Verschuldung der Haushalte hat inzwischen Ausmasse angenommen, mit denen verglichen die US-Krise wie das Problem einiger unbedeutender Randgruppen wirken dürfte, sobald nach dem süssen Märchen von den zum ewigen Steigen verurteilten Immobilenpreisen der kalte Morgen kommt.
Wenn jetzt der Finanzplatz London abkühlt, wird diese Blase gleich mehrfach unter äusseren Druck geraten - durch Wegfall der potentesten Käuferschicht, durch Rückgang im Geldfluss aus der profitabelsten Serviceindustrie - zusätzlich zur internationalen Kreditkrise, in der die britischenBanken zweifellos tief den Fuss im Schlamm haben.
Eigentlich bleibt nur zu hoffen, dass sogenannte "Top-Banker" bald in Scharen nach Asien abwandern, um den Laden dort zu ruinieren. Ein prima Exportgut als Rache für giftiges Kinderspielzeug aus China.
Mir kommen gleich die Tränen. Aber es bleibt ja immer noch die Asien-Option.