Ein Kommentar von Nikolaus Piper

Was die Welt derzeit erschüttert, ist die vermutlich schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten - und die Politik aber steht jetzt vor schwierigen Aufgaben. Dazu gehört mehr, als kurzfristig eine Panik an den Finanzmärkten zu verhindern.

Seit sieben Monaten steht die Weltwirtschaft im Schatten der Krise. Die Börsen spielen verrückt, einige Banken wurden in ihren Grundfesten erschüttert, den Vereinigten Staaten als wichtigster Volkswirtschaft droht eine Rezession. Jetzt beraten Politiker in Washington, London und Berlin darüber, wie sie die Welt vor Schlimmerem schützen können. Dabei ist es wichtig, die Gefahr zunächst einmal genau zu kennen.

Wenn der Sturm an den Finanzmärkten vorbei ist, birgt billiges Geld viele Risiken. (© Foto: dpa)

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Was die Welt derzeit erschüttert, ist die vermutlich schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten. Die Preise von Häusern und Grundstücken in den USA und einigen anderen Ländern sinken zum Teil dramatisch, das gegenseitige Vertrauen der Banken ist nachhaltig gestört, weil niemand weiß, welche Fehlspekulationen das jeweils andere Geldinstitut noch einräumen muss.

Die Aktienbörsen werden von gefährlichen Verkaufswellen heimgesucht. Trotzdem hat das Ganze nichts mit einer Krise der Weltwirtschaft zu tun. Im Gegenteil: Die globale Ökonomie ist wesentlich besser verfasst als während der letzten Krise, dem Zusammenbruch der Internet-Spekulation im Jahr 2000.

Die meisten Unternehmen verdienen gut, jedenfalls außerhalb des Finanzsektors, Aktien sind im Durchschnitt nicht spekulativ überwertet, die Zahlungsbilanzen der wichtigsten Schwellenländer in Ordnung, Boom-Staaten wie China und Indien wachsen inzwischen so stark, dass sie mit ihrer Nachfrage die Weltmärkte stabilisieren können. Und selbst eine Rezession in Amerika dürfte milde ausfallen.

150 Milliarden Dollar sorgen für Vertrauen

Die Politik aber steht jetzt vor einer doppelten Aufgabe: Kurzfristig eine Panik an den Finanzmärkten zu verhindern. Und mittelfristig ähnlichen Krisen für die Zukunft vorzubeugen. Bisher ist es zumindest gelungen, einen Börsenkrach und den Zusammenbruch der Kreditversorgung zu vermeiden.

Die großen Notenbanken haben Milliarden in das Finanzsystem gepumpt, die Federal Reserve in Washington senkte in beispielloser Weise die Zinsen. Vermutlich folgt an diesem Mittwoch ein weiterer Zinsschritt. Der Kurs von Amerikas Notenbankchef Ben Bernanke ist riskant.

Wenn der Sturm vorbei ist, könnte das viele billige Geld die Inflation fördern, eine neue Spekulationsblase auslösen oder beides. Mitten im Sturm ist es aber schwer zu sagen, ob Bernankes Risikoabschätzung letztlich nicht doch richtig ist.

Ähnlich das Konjunkturpaket, das Präsident George W. Bush und der Kongress derzeit in Washington vorbereiten. Die Aussicht auf 150 Milliarden Dollar zur Stärkung der Nachfrage sorgt zweifellos für Vertrauen. Gut möglich allerdings, dass das Programm erst wirkt, wenn die Rezession schon wieder vorbei ist. Ziemlich sicher ist auch, dass die Sanierung des US-Staatshaushalts weiter hinausgezögert wird.

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