Banken wanken, Kurse stürzen, aber Indexfonds erleben einen regelrechten Boom - weil sie für Anleger leicht zu durchschauen sind.
Manche scheuen bei ihren Anlageentscheidungen vor nichts zurück. Alexander Seibold ist so einer. Früher als andere unkte der Fondsmanager aus Gmund am Tegernsee, dass die Welle an Problemen in den USA noch weiter anschwellen wird und erinnerte an den ersten Kurseinbruch im Jahr 2000. "Der eigentliche Kollaps folgte erst später." Deshalb empfahl Seibold seinen Kunden beizeiten, einen guten Teil des Vermögens am Geldmarkt zu investieren - mit Hilfe von ETFs, der noch jungen Klasse börsengehandelter Indexfonds.
Frankfurter Börse - der Dax fällt. Viele Anleger ziehen ihr Vermögen aus klassischen Aktien, Zertifikaten und Investmentfonds ab. (© Foto: ddp)
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Selbst setzte der Vermögensverwalter verstärkt auf "Short-ETFs", mit denen Anleger von fallenden Aktienkursen profitieren können. Der Mut hat sich ausgezahlt. Im schwierigen Börsenjahr 2008 erzielte der promovierte Betriebswirt zweistellige Gewinne, gewann Auszeichnungen für seine Fonds und belegte im Depot-Contest der DAB Bank Platz eins. Die ETFs haben Seibold überzeugt - durch minimale Kosten, Schnelligkeit im Handel und hohe Transparenz: "Man weiß genau, was man bekommt, nämlich den Index." Beispielsweise ist ein Dax-ETF das exakte Ebenbild des Deutschen Aktienindex, das Papier entwickelt sich genauso wie das Börsenbarometer.
Anleger investieren in ETFs
So wie der 50-jährige Firmengründer aus Bayern machen es viele Anleger: Die Sparer ziehen ihr Geld aus Aktien, Zertifikaten und klassischen Investmentfonds ab; immer mehr Kapital geht in ETFs. Europaweit steckten Anleger im vergangenen Jahr (bis Oktober) 48,0 Milliarden Euro in diese börsengehandelten Indexfonds, aus aktiv gemanagten Investmentfonds flossen dagegen 394,5 Milliarden Euro ab, wie aus Zahlen von Lipper Feri hervorgeht. Damit wuchs das in ETFs investierte Vermögen auf 111,4 Milliarden Euro; fünf Jahre zuvor waren es gerade einmal 15,9 Milliarden.
"ETFs sind das richtige Anlagevehikel zur rechten Zeit", sagt Thomas Meyer zu Drewer, der das ETF-Geschäft von Lyxor in Deutschland leitet. Die Bankenkrise hat das Vertrauen in die Sicherheit von Zertifikaten erschüttert. Die Anleger sind enttäuscht über die hohen Verluste aktiv verwalteter Investmentfonds, deren Manager die Kurse von morgen ja auch nicht kennen. In Abschwungphasen schrauben Sparer ihre Renditeerwartungen zurück, gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Kosten einer Geldanlage. Rosige Zeiten also für ein Investmentvehikel, das jeder Discounter wohl unter dem Label "gut und günstig" vermarkten würde. Meyer zu Drewer jedenfalls ist optimistisch: "Der ETF-Markt wird in diesem Jahr zwischen 20 und 30 Prozent wachsen." Schon seit einigen Jahren ist der Zuwachs zweistellig.
Als der erste Exchange Traded Fund - so heißen die ETFs im Englischen - 1990 angeboten wurde, sah es nicht so aus, als ob die Neuerfindung die Finanzwelt revolutionieren würde. Lange Zeit blieb die Aufmerksamkeit gering. Wenn sich die Indexfonds aber weiter der spektakulären Wachstumsraten der vergangenen Jahre erfreuen, wird das Jahr 1990 eines Tages als Meilenstein in der Geschichte der Geldanlage gelten - so wie das Jahr 1924, in dem in Boston der erste moderne Investmentfonds gegründet wurde. Dann könnte wahr werden, was Lee Kranefuss, Chef des weltweit größten ETF-Anbieters iShares, schon vor Jahren behaupte: ETFs seien für die Fondsbranche das, was die CD für die Plattenindustrie war: "ein besseres Produkt für weniger Geld."
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hätten Sie evtl. einen Link, wo man sich gut und objektiv über ETF informieren kann?
Bei der Lektüre dieses Artikels beschleicht mich leider der Eindruck, dass die Verfasserin nicht wirklich weiß, worüber sie eigentlich schreibt: ETF's sind nicht das Gleiche wie Indexfonds! Ein ETF ist ein Fonds, dessen Anteile man über die Börse von einem Market Maker erwirbt, der die ETF-Anteile seinerseits von der Fondsgesellschaft gegen Einlieferung von Aktien, Anleihen etc. erhält. Der Unterschied zu einem klassischen Fonds liegt also vor allem im Vertriebsweg der Fondsanteile. Welche Anlagestrategie der so vertriebene Fonds verfolgt, ist eine ganz andere Frage. Die meisten ETF's sind zwar (noch) klassische Indexfonds, mittlerweile werden aber auch schon aktive Anlagestrategien als "Index"-ETF angeboten (siehe z.B. den erwähnten Short-ETF). Mit einem klassischen Indexfonds, welcher einen Börsenindex nachbildet, hat das nicht mehr viel zu tun. Der erste Indexfonds war übrigens der Vanguard S&P500 Index Fund, der bereits 1976 aufgelegt wurde. Das war damals eine echte Revolution in der Fonds-Landschaft, ETF's packen hingegen nur noch ein paar Gimmicks oben drauf.
Der Anlageerfolg von Seibold, der im Artikel als Beweis für die Überlegenheit von ETF's herangezogen wird, hat mit den ETF's nicht viel zu tun. Eine solche Strategie, nämlich zuerst "Cash" und später "Short" hätte man auch mit anderen Instrumenten hinbekommen. Der eigentliche Hauptvorteil von ETF's für den Privatanleger, dass sich nämlich die Fonds-Vermittler nicht mehr auch an den jährlichen Verwaltungsgebühren eine goldene Nase verdienen können, und die jährlichen Verwaltungsgebühren deshalb viel niedriger als bei klassischen Fonds ausfallen, kommt im Artikel viel zu kurz.
Dieses wichtige Thema für Privatanleger hätte eine sorgfältigere Bearbeitung verdient gehabt, schade.
ETF sind wohl auch deshalb so beliebt, weil sie gegenüber Aktienfonds sehr niedrige Verwaltungsgebühren haben.
Zudem sind sie an Börsen handelbar: Man spart sich den Ausgabe-Aufschlag der Fonds-Gesellschaft, wenn man die ETF direkt an der Börse kauft.
hierzu interessant: zeit.de/2007/40/G-ETF
Leider scheint gerade in den ETFs von db x-trackers nicht das drin zu sein, was draufsteht.
In der neuesten Ausgabe von Finanztest steht, dass diese durch sogenannte
Swap-Geschäfte nachgebildet würden, also tatsächlich gar nicht alle Aktien des Index
enthalten.
Es wäre gut, wenn der Artikel auf das Wesen dieser Swap - Geschäfte eingegangen wäre.
Es klingt zwar ganz solide, wenn ein Fonds z.. B. dem DAX nachbildet. Problematisch kann das allerdings werden, wenn ein großer Teil des Marktkapitals in solchen passiven Fonds investiert ist.
Die Zusammensetzung von Auswahlindizes orentiert sich zum großen Teil am Marktvolumen eines Wertes. Werte die höhere Börsenumsätze erzielen und eine höhere Markkapitalisierung aufweisen werden bevorzugt in die Indizies aufgenommen. Die Nachfrage nach Aktien eines Unternehmens ist also ein entscheidender Faktor, wenn es um die Zusammensetzung eines Index und der Gewichtung der enthaltenen Werte geht.
Im normalen Börsenhandel beurteilt der Anlager die Situation eines Unternehmens und entscheidet ob er Aktien des Unternehmens kauft oder verkauft. Bei aktiv gemanageten Fonds übernimmt dies der Fondsmanager. Die Einschätzung der Anleger bestimmt also letztlich die Zusammensetzung des Index.
ETFs hebelen diese Mechanismus aus, damit könnte ein großes Analgevolumen von ETFs dazu führen, dass die Indizies sehr statisch werden und jeden Bezug zur realen Unternehmensbewertung verlieren. - Ein neue Blase.
Fazit: Normalerweise müsste man diese Konstrukte verbieten, werden sie zur vorherrschenden Anlageform, können sie einen ähnlich Finanzkrise auslösen wie heute.
Mit gutem Grund ist es z. B. auch in Mietverträgen grundsätzlich verboten, die Miete automatisch an die Inflation anzupassen - da sonst der Indikator selbst zum Einflussfaktor wird. ETFs sind an der Börse ein vergleichbares Konstrukt.
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