Mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) können Privatleute anlegen wie Profis: einfach und günstig. Experten zeigen, wie's geht.
Vernunft beherrscht die Wirtschaftswelt, behaupten Ökonomen. Doch wenn es um Geld geht, stellen sich die Menschen oft ziemlich dumm an. Dabei ist es gar nicht so schwer, das Ersparte vernünftig anzulegen. Es gilt nur, ein paar Grundweisheiten zu beachten.
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(© Grafik: SZ)
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Erstens: Kein Privatanleger ist besser als der Markt, deshalb Finger weg von einzelnen Aktien. Zweitens: Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, welche Richtung die Aktienkurse oder Zinsen einschlagen werden. Prognosen, wo der Dax am Jahresende steht, sind deshalb Unsinn. Drittens: Fondsmanager wissen vielleicht mehr als Privatanleger - bessere Investoren sind sie deshalb noch nicht.
"Man sollte nicht erwarten, dass ein Fondsmanager auf Dauer und nach Abzug der Kosten den Markt schlägt", sagt Martin Weber, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim. "Das zeigen viele Studien. Deshalb halte ich den Kauf von Indexfonds für sinnvoller als den Erwerb aktiv gemanagter Fonds."
Weil die Banken am Verkauf von börsengehandelten Indexfonds nicht viel verdienen, werden Privatkunden die Vorteile dieser jungen Anlageklasse oft vorenthalten. Nur etwa ein Prozent der Privatanleger nutzt Exchange Traded Funds (ETFs), wie sie auf Englisch heißen, schätzt das Institut für Vermögensaufbau. Das ist in der Tat dumm.
Enttäuschung vermeiden
Denn mit ETFs lässt sich ohne großen Aufwand ein Depot zusammenstellen, das den eigenen Bedürfnissen nach Sicherheit und Rendite gerecht wird - ohne dass die Kosten einen großen Teil des Gewinns auffressen.
"Indexfonds sind effizient und kostengünstig", sagt Markus Kaiser, der für Veritas SG ETF-Dachfonds managt. "Anleger vermeiden damit die Enttäuschung, dass ihr Investment schlechter ist als der Markt, aber sie verzichten auch auf angenehme Überraschungen."
Auch Klaus Hinkel, Vorstand von Artus Direct Invest, schwört auf ETF-Portfolios. Als Herzstück eines Depots wählt er am liebsten zwei oder drei große und marktbreite Aktienindizes wie den Dow Jones Stoxx 600, der in 600 große bis kleine Unternehmen aus 18 europäischen Ländern investiert, oder den MSCI Welt.
Der Index wurde vom US-Investmenthaus Morgan Stanley entwickelt und spiegelt das Auf und Ab von Standardwerten an den globalen Aktienmärkten wider. Zusätzlich setzt Vermögensverwalter Hinkel auf Dividendenstrategien für europäische oder deutsche Aktienmärkte - ein Anlagemodell für Risikoscheue. In mittelprächtigen Börsenzeiten greifen Anleger gern auf Aktien von Unternehmen zurück, die hohe Dividenden ausschütten.
"Sex Appeal bekommt ein Depot durch gezielt ausgewählte Indexfonds auf Branchen, Themen oder einzelne Länder", sagt Hinkel. Derzeit schätzt der Fondsmanager Wetten auf Chemie, Versorger, Infrastruktur und erneuerbare Energien. "Auch europäische Banken kann man guten Gewissens kaufen, weil sie so stark gefallen sind", glaubt er.
Und selbst die Telekombranche sei einen Versuch wert. Schließlich sollte der Anleger aufstrebende Volkswirtschaften und die sogenannten BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China dabei haben. "Man darf aber nicht zu viel auf solche Satelliten setzen", sagt Hinkel. "Mehr als drei bis vier Prozent sollten es nicht sein, denn solche Märkte laufen schnell - vorwärts wie rückwärts." Nach einem solchen Baukastenprinzip kann jeder Anleger ein Depot bestücken, ganz nach eigenen Vorlieben.
Wie man damit Anlagestrategien für sechs verschiedene Risikotypen darstellt, zeigen die Musterportfolios der Quirin-Bank (Graphik). Das Haus hat sich auf Honorarberatung spezialisiert und berät Anleger auch in der Frage, wie ein Vermögensaufbau mit ETFs funktioniert: eigentlich ganz einfach, wie die Beispiele zeigen. Es beginnt mit dem Depot "Substanz", das sich mit einem Aktienanteil von nur 20 Prozent an sicherheitsliebende Anleger richtet; die übrigen 80 Prozent sind in Rentenanlagen investiert - alles in Euro. Und es endet mit dem Modell "Chance", das vom Investor eine hohe Risikobereitschaft fordert. Drei Viertel des Kapitals werden in Aktien aus Europa, den USA, Japan und den Schwellenländern investiert, der Rest in Immobilien und Rohstoffe aus der ganzen Welt.
Während das risikoarme Depot im Durchschnitt der vergangenen neun Jahre eine Rendite von 4,8 Prozent brachte, verdienten Sparer mit der chancenorientierten Variante 8,3 Prozent bei deutlich höherem Risiko. "Das Mischungsverhältnis der Anlageklassen - Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe - entscheidet über die Rendite", sagt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandssprecher der Quirinbank. "Diese Aufteilung ist wichtiger als die Frage ,Kaufe ich Bayer oder BASF?'"
Wichtige Aufteilung
Anleger, die selbst ein Depot aus Indexfonds bauen wollen, können dies bei einem Onlinebroker günstig tun.
Alle drei Monate sollten sie ihre Geldanlage aber durchputzen. Anlageprofi Hinkel empfiehlt, einen Fonds zu verkaufen, wenn der zugrundeliegende Index die 200-Tage-Linie durchbrochen hat, und dadurch Verluste zu begrenzen. Hierfür wird an jedem Tag der Durchschnitt der vergangenen 200 Tageskurse gebildet. Die Linie zeigt den langfristigen Trend eines Wertpapiers an. Praktisch jedes Chartprogramm im Internet kennt sie.
Wem das zu aufwendig ist, der kann natürlich zu einem Dachfonds greifen, der in börsengehandelte Indexfonds investiert. Mehr und mehr Vermögensverwalter wie Hinkel und Kaiser, aber auch Banken legen solche Fonds auf. Sie nehmen dem Kunden die Entscheidung ab, in welche ETFs er investiert. Und sie eignen sich wie alle Dachfonds, dauerhaft der Abgeltungssteuer zu entgehen. Die mitunter hohen Gebühren fürs Dachfondsmanagement können den Charme einer kostengünstigen Anlage in ETFs allerdings deutlich trüben.
(SZ vom 27.05.2008/hgn)
Die von Frau Hoffmann beschriebenen Inhalte sind grundsätzlich richtig - könnten aber besser sein.
1. Indexfonds bilden eben nur den Markt ab, keiner kann besser sein.
2. Der Hinweis z.B. auf den Kauf an der Börse sorgen für geringe Kosten, diese könnten aber bei einem guten Berater ganz entfallen.
3. Den Hinweis am Ende auf den Wechsel einer Anlage aufgrund der Prüfung der 200 Tage Linie führen wir als Berater seit über 4 Jahren genauso professionell durch. Dabei übernehmen wir genau diese Arbeit für jeden unserer Kunden.
Nun hat vielleicht nicht jeder die Chance uns in der Nähe von Hamburg zu besuchen, aber eine Fondsberatung bei der der Berater wöchentlich die Fonds kontrolliert, der wöchentlich seine Kunden informiertund jeden Fondswechsel kostenlos ermöglicht. Rendite durch Sicherheit.