Harte Vorwürfe gegen Peer Steinbrück: Mit seiner Äußerung über eine "Abwicklung" der HRE soll der Finanzminister die Lage des Immobilienfinanzierers verschlimmert haben.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) soll mit seiner Aussage, die Hypo Real Estate (HRE) werde "abgewickelt", die Krise des Kreditinstituts verschärft haben. Dieser Vorwurf ergibt sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus einem von der früheren HRE-Spitze in Auftrag gegebenen Bericht. Der Bericht stammt von der Rechtsanwaltskanzlei Shearman & Sterling: Sie war vom alten, inzwischen abgelösten HRE-Vorstand beauftragt worden, den Ablauf der Krise darzustellen.
Wer trägt die Schuld am HRE-Desaster? In einem Bericht einer Anwaltskanzlei werden Vorwürfe gegen Finanzminister Steinbrück laut. (© Foto: AP)
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Im Finanzministerium wurden die Vorwürfe zurückgewiesen. Eine Mitverantwortung Steinbrücks für die HRE-Krise sei "abwegig", sagte ein Sprecher.
Steinbrück hatte am 29. September 2008 nach einer ersten Rettungsaktion für die HRE öffentlich von einer "geordneten Abwicklung" der Bank gesprochen. Das soll, so argumentiert die Kanzlei im dem bislang unveröffentlichten Bericht, die Lage des bis heute um seine Existenz kämpfenden Kreditinstituts zu verschlimmern. Welche Folgen Steinbrücks Äußerung gehabt hat, soll auch der HRE-Untersuchungsausschuss im Bundestag klären, der voraussichtlich diese Woche auf Betreiben von FDP, Grünen und der Linken eingesetzt werden wird.
"Überraschende" Äußerung
Die Opposition will herausfinden, ob Steinbrück, dessen Ministerium oder die Bankenaufsicht im Umgang mit der Krisenbank Fehler gemacht haben und dies den Staat und die Steuerzahler zusätzliches Geld kosten könnte. Die in München ansässige Immobilien- und Pfandbriefbank wird vom Bund mit Garantien in Höhe von 87 Milliarden Euro gestützt. Außerdem ist in Kürze eine Kapitalzufuhr in Höhe von bis zu zehn Milliarden Euro erforderlich.
Der Bericht von Shearman & Sterling datiert vom 21. Oktober 2008. Die Anwaltskanzlei schildert darin auch die Ereignisse nach der ersten, 35 Milliarden Euro teuren Rettungsaktion von Ende September 2008, der binnen einer Woche ein zweites Hilfspaket mit zusätzlichen Kreditlinien von noch einmal 15 Milliarden Euro folgte.
In dem Bericht heißt es, Steinbrücks Äußerung von einer "geordneten Abwicklung" der Bank sei für die HRE "überraschend" gewesen, da man von einer Fortführung der Geschäfte ausgegangen sei. Noch am selben Tag habe die Rating-Agentur Standard & Poor's die HRE herabgestuft. Vertreter von Standard & Poor's hätten gegenüber der HRE angegeben, Steinbrücks Äußerung seien "mitursächlich" für ein schlechteres "Kurzfrist-Rating" gewesen. Zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen können, hängt auch von deren Bewertung durch solche Agenturen ab.
Lesen Sie im zweiten Teil, welche Wirkungen Steinbrücks Aussagen offenbar hatten - und was der Beschuldigte selbst sagt.
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Die HypoRealEstate betrieb kein Privatkundengeschäft. Der Bilanzausweis Kundeneinlagen bedeutet nicht, daß das Geld von Privatkunden stammt. Vielmehr legten institutionelle Anleger aus dem In- und Ausland Gelder in Erwartung einer hohen Rendite bei der HRE an.
Sie können aus der Höhe der Bilanzsumme einer Bank nicht auf eine Systemrelevanz schließen. Es ist zu hinterfragen, wie sich die Bilanzsumme zusammensetzt! Außerdem ist strikt zu trennen zwischen nach deutschen Pfandbriefrecht emittierten Pfandbriefen, die nach wie vor auch bei der HRE ein hohes Maß an Sicherheit bieten und und die restlichen Passiv-Produkte der HRE, deren Beischerung aus der Insolvenzmasse erfolgen würde. Auf der Aktivseite stehen von der HRE ausgereichte Kredite. Bei Insolvenz der HRE sind die Kreditnehmer zunächst nicht tangiert. Da kommt es später auf die Bonität der Kreditnehmer an. Wo also die Systemrelevanz, die so oft strapaziert wird. Besonderes, schützenswertes know-how zeichnete die HRE und ihre Töchter auch nicht aus, ansonsten stünden sie nicht da, wo sie jetzt stehen.
Die Entscheidung des Bundes zur Stützung und Rettung der HRE hat ein Fass ohne Boden geöffnet. Mit Steuergeldern wird Vermögen umverteilt. Außerdem ist die Enteignung und Abfindung der Aktionäre eine höchst fragwürdige Maßnahme, die unter Umständen noch auf dem Tisch des Bundesverfassungsgerichts landet.
Nee klar, liebe HRE Top-Manager. Ihr fahrt den Karren in den Dreck, halb so wild; her mit den Boni, Prämien und Abfindungen.
Doch dann kommt der Steinbrück des Weges, sieht den Karren im Dreck liegen und sagt, dass da ein Karren im Dreck liegt. Na, das geht natürlich garnicht. So eine Sauerei aber auch!
wohl glatt auf Schadenerstatz verklagen muessen .....
solche Boese Auesserungen die Kursschaedlich sind, damit man dann die Bank
billiger uebernehmen kann..
wer wird denn wohl Herr Steinbrueck.. die Sammelklage laeuft...
noch ein Nachtrag,
lt. Jahresabschluss 2007 werden Verbindlichkeiten ggü. Kunden in Höhe von 27,1 Mrd. EURO ausgewiesen.
Interessant ist, dass im Jahresabschluss Verbindlichkeiten ggü. KI von insg. 110 Mrd. EURO ausgewiesen werden. Davon knapp 103 Mrd. EURO mit einer Laufzeit bis ein Jahr. Entspricht nicht der Betrag in etwa der Bürgschaftsleistung der Regierung?
selbst wenn die HRE kein Einlagengeschäft von Privatkunden hat, musste sie sich doch refinanzieren. Was ist dann mit diesen Geldern.
Was die Systemrelevanz angeht, kann man geteilter Meinung sein. Ich will aber ein Beispiel geben. Opel braucht zum Überleben gerade mal 3 Mrd. EURO. Die Bilanzsumme der HRE beträgt gut 400 Mrd. EURO. Ich ziehe einfach mal 100 Mrd. für mögliche Sachanlagen ab. D. H. mit der Aktive könnten 100 Betriebe wie Opel finanziert werden bzw. würden durch die Insolven ebenfalls in den Abgrund gerissen (Forderungen müssten im Falle der Insolvenz eingetrieben werden, Kreditzusagen gestrichen werden). Ich denke, da kann man durchaus von Systemrelevanz sprechen.
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