Schwere Vorwürfe von der Finanzaufsicht Bafin: Die angeschlagene Hypo Real Estate soll ihre Lage vor der ersten Rettungsaktion kräftig geschönt haben.
Die Finanzaufsicht Bafin hat schwere Vorwürfe gegen das Management der Hypo Real Estate (HRE) erhoben. Die Bank soll vor der ersten Rettungsaktion wesentliche Informationen über den tatsächlichen Geldbedarf ihrer irischen Tochter Depfa zurückgehalten haben. Das geht aus einem Bericht der Behörde an das Bundesfinanzministerium hervor. Bislang hat das Institut die Darstellung jedoch bestritten.
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Die HRE soll wichtige Informationen über die finanzielle Lage der Depfa zurückgehalten haben. (© Foto: AP)
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Die Einschätzung der Bafin stärkt die Position des Bundesfinanzministeriums. Glaubt man ihr, war nicht Ressortchef Peer Steinbrück (SPD) für die weiteren Schwierigkeiten bei der Depfa und damit für die Notwendigkeit einer zweiten Rettungsaktion verantwortlich, sondern die HRE selbst.
In Bankenkreisen war Steinbrück angegriffen worden, weil er mehrfach von einer Abwicklung der HRE gesprochen hatte, die im Rahmen der Rettungsaktion anstehe. Er habe damit die Lage des Instituts deutlich verschlechtert, lautete die Kritik.
Bundesbank, Banken und Versicherer hatten dem Institut in der ersten Rettungsaktion insgesamt 35 Milliarden Euro zugesagt. Diese werden durch eine Bürgschaft des Bundes in gleicher Höhe abgesichert. Im zweiten Paket stockten die Finanzinstitute ihre Hilfen um weitere 15 Milliarden auf 50 Milliarden Euro auf.
Nach dem Bericht der Bafin informierte HRE-Chef Georg Funke die Aufsicht am Donnerstag vergangener Woche - also nach dem ersten Rettungspaket - darüber, dass sich die Liquiditätslage der Depfa dramatisch verschlechtert habe. Eine Refinanzierung der Bank sei nicht möglich, die Bank finde keine Geschäftspartner mehr, heißt es in der Aufzeichnung, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
Der Manager und sein Vorstandskollege Markus Fell trugen demnach vor, dass die Depfa durch eine niedrigere Bewertung am Finanzmarkt und schlechtere Refinanzierungsbedingungen seit Wochenbeginn mehrere Milliarden Euro an Liquidität verloren habe. Die im ersten Rettungspaket gewährte Notfallliquidität der Bundesbank in Höhe von 7,5 Milliarden Euro werde nur noch bis Freitag reichen.
Zuvor habe die HRE gegenüber der Bafin, der Bundesbank und dem Bankenkonsortium mit anderen Zahlen operiert, heißt es in dem Schreiben weiter. Diese seien "als worst case bezeichnet" worden, also als größter anzunehmender Bedarf. "Ich habe unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass diese Fehlinformationspolitik Konsequenzen nach sich ziehen wird", schreibt der namentlich nicht genannte Bafin-Mitarbeiter an das Finanzministerium.
Nach der Darstellung der Aufsicht informierte die Deutsche Bank Bafin-Chef Jochen Sanio etwa eine Stunde später über den Stand der Prüfungen, die das Institut bei der Depfa in Irland anstellte.
Die Bank hatte den Auftrag erhalten, die Bücher der HRE-Tochter in Dublin genauer zu prüfen, als dies in der Eile der ersten Rettungsaktion möglich gewesen war. Nach dem Eindruck der Banker habe die HRE "wesentliche Informationen zurückgehalten", heißt es in dem Bafin-Bericht.
Es handele sich um ein Commercial-Paper-Programm im Umfang von 20 Milliarden Euro, aus dem die Depfa Bank plc. nun Liquiditätsabflüsse zu verzeichnen habe. Dies sei "ursächlich für die derzeit nochmals verschärfte Liquiditätssituation."
Insgesamt seien die Prüfer der Deutschen Bank zu der Auffassung gekommen, "dass sowohl die zum kurz- als auch längerfristigen Liquiditätsbedarf ermittelten Zahlen stark von den seitens der HRE bisher mitgeteilten Zahlen abweichen", schreibt die Bafin weiter.
Bis Ende des Jahres bestehe ein Liquiditätsbedarf von 51 Milliarden Euro, um das Überleben der HRE zu sichern. Rechne man den Bedarf aus dem kommenden Jahr hinzu, benötige das Institut bis Ende 2009 über 70 Milliarden Euro.
(SZ vom 10.10.08/ld/jkr)
Griechenland und die Euro-Zone
Vor etwa 1 Jahr hat die HRE
die ehemalige deutsche staatliche Bank Depfa
für 6 Milliarden EURO erworben. Diese Bank war
vor einigen Jahren privatisiert worden und hatte
dann ihren Sitz in die Republik Irland verlegt, um
die deutsche Steuerbelastung zu umgehen.
Der Vorstand dieser Bank hat sich dann Vergütungen gewährt,
die höher lagen als die höchstbezahlten deutschen Bankvorstände.
Die Probleme liegen wohl nicht bei der HRE selbst,
sondern bei der DEPFA, deren ehemaliger Vorstand
sich mit der Prämie für den Verkauf seiner Bank an HRE
noch zum Abschied eine Prämie gewährte, über deren Höhe
sich die Presse ausschweigt, die jedoch einen 3stelligen Millionenbetrag
ausgemacht haben soll. Daneben haben sich die Angestellten dieser
Bank einschließlich der Vorstände von ihren Aktien getrennt und
nochmals daran verdient.
Interessant ist auch Anfang 2007 sich die Depfa im
"US Municipal Capital Market-Geschäft" eingekauft hat ,
durch denErwerb der Fist Albany Capital Inc.
In einer Pressmitteilung vom 6.3.2007 der Depfa steht:
"Die Depfa wird durch den Ausbau des kommunaleen Kundenfranchise
(was heißt das??) und der geographischen Präsenz ihre Marktdurchdringung
in den USA, dem größten Staatsfinanzierungsmarkt weltweit, vertiefen können ..."
Die Finanzkrise wird in der Öffentlichkeit immer als eine Krise der Baufinanzierung
dargestellt. In Wirklichkeit sind wohl die meisten Kredite an staatliche Stellen
vergeben. Dabei hat sich die deutsche DEPFA (ursprünglich gegründet mit
Beschränkung auf Deutschland) massiv in der ganzen Welt, insbesondere
in den USA engagiert.
Die Presse ist hiermit aufgerufen, ihre Archive durchzuforsten und dort
verfügbare Pressemitteilungen aus den vergangenen Jahren in der
aktuellen Berichterstattung aufzuarbeiten.
Wie schön klein, schnell und vor Allem ( ... the tightness of the financial market) gut vernetzt die Welt doch heutzutage sei - dies wird in letzter Zeit so oft erwähnt.
Da es nicht sein kann, dass die Jungs das Geld zur Rettung der HRE weder in die Irische See oder den Nordatlantischen Ozean noch zum Whiskeybrennen verzündeln, wäre es doch wissenswert, wohin genau das ganze Geld von den apokalyptischen Reitern verschleppt wird.
Was man vom originären Produktionsfaktor kopieren kann, hat es in sich, Fallen stellen, Netze spannen, macht bodenständig.