Ein Kommentar von Martin Hesse

Die Aktionäre der Hypo Real Estate geißeln die Regierung zu Unrecht. Denn nicht der Bund, sondern das alte Management hat sie enteignet.

Ein Jahr nachdem der Bund die Hypo Real Estate (HRE) vor dem Zusammenbruch bewahrt hat, ist die Bank voll verstaatlicht. Ein letztes Mal haben die Minderheitsaktionäre Wut und Häme über das neue Management und den Rettungsfonds Soffin ausgeschüttet. Sie sprechen von kalter Enteignung und Diebstahl.

Hypo Real Estate, Foto: AP

Proteste bei der HRE-Hauptversammlung: Nicht der Staat hat die Aktionäre enteignet, sondern das ehemalige Management. (© Foto: AP)

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So verständlich die Wut von Aktionären ist, die bei der HRE ihre Altersvorsorge verloren haben, sie ignorieren eine schlichte Wahrheit: Ohne den Eingriff des Staates im vergangenen Herbst wäre keinem der Aktionäre, die sich über die Verstaatlichung empören, auch nur ein Cent aus ihrer HRE-Anlage geblieben.

Nicht der Soffin, das alte Management um Georg Funke hat die Aktionäre enteignet.

Dennoch wirft das Vorgehen des Bundes Fragen auf, die letztlich vor dem Bundesverfassungsgericht beantwortet werden dürften. Hätte der Bund die HRE nicht stützen und sanieren können, ohne die Kleinaktionäre über eine Sonderregelung herauszudrängen?

Es hätte wohl Wege gegeben, die Rechte der Minderheitseigner zu beschneiden, statt sie abzufinden, um ein permanentes Störfeuer gegen die Sanierung zu verhindern.

Zudem bleibt der Eindruck, die HRE-Aktionäre seien im Vergleich zu Eignern anderer staatlich gestützter Banken schlechter behandelt worden. In die Commerzbank steckte der Staat 18 Milliarden Euro, ohne den Aktionären ihre Rechte und die Chance zur Wertaufholung zu nehmen.

Allerdings steht die HRE noch immer weit schlechter da als die Commerzbank. Wenn sie überhaupt eine Zukunft hat, dann nur als drastisch gestutzte Bank. Der Bund wird noch viel Geld in der Bank lassen - das wohl kaum einer der jammernden Kleinaktionäre hätte geben können und wollen.

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(SZ vom 06.10.2009/tob)