SZ: Haben Sie als Mann, der sein ganzes Leben bei einer privaten Bank gearbeitet hat, kein Problem damit, dass Ihr Haupteigentümer künftig der Staat ist?

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Wieandt: Nein, überhaupt nicht. Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen.

SZ: Teuer wird es auf jeden Fall. Die Steuerzahler haben bisher 92 Milliarden Euro bereitgestellt, so viel wie noch nie für ein Unternehmen in Deutschland. Ist die Bank ein Fass ohne Boden?

Wieandt: Manche Menschen befürchten, das ganze Geld sei weg. Aber das ist überhaupt nicht so. 42 Milliarden Euro sind staatliche Garantien, die nur in Anspruch genommen würden, wenn die HRE nicht mehr leistungsfähig wäre. Und 50 Milliarden Euro sind von uns mit Sicherheiten unterlegte Kreditlinien, die unter anderem von einem Finanzkonsortium kommen und für die teilweise der Bund bürgt. Der Steuerzahler hat bis heute keinen Euro verloren. Gleichzeitig bezahlen wir, und das ist richtig so, Gebühren für die Garantien an den Staat.

SZ: Wie hoch ist der maximale Verlust des Staates, wenn alles ausfällt?

Wieandt: Das ist eine rein hypothetische Frage. Wir haben ein Konzept für die Sanierung präsentiert. Wir konzentrieren uns künftig auf das Immobilien- und Staatsfinanzierungsgeschäft auf der Grundlage des Pfandbriefs. Aus dem internationalen Geschäft außerhalb Europas werden wir uns weitgehend zurückziehen. Und wir werden uns an der goldenen Bankregel orientieren, langfristige Engagements auch langfristig zu refinanzieren. So können wir wieder wettbewerbsfähig werden.

SZ: Bekommen Sie derzeit überhaupt noch frisches Geld von privater Seite?

Wieandt: Für uns ist es im Moment sehr schwierig, uns an den Finanzmärkten zu refinanzieren. Aber wenn der Bund einsteigt, wäre dies das Vertrauenssignal, auf das die Märkte warten. Dann sind wieder ganz andere Kredite an uns möglich.

SZ: Warum soll der Staat die Bank überhaupt retten? Wäre es nicht billiger für alle Bürger, die Hypo Real Estate einfach pleitegehen zu lassen?

Wieandt: Ein Zusammenbruch unserer Bank birgt hohe Risiken für andere Elemente des Finanzsystems. Wir haben eine Bilanzsumme von 400 Milliarden Euro, die ist vergleichbar mit der der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Die Eskalation der Finanzkrise nach dem Fall von Lehman hat gezeigt, welche Auswirkungen Kettenreaktionen an den Märkten haben können.

SZ: Wann bekommen die Steuerzahler ihr Geld zurück?

Wieandt: Wir haben erklärt, dass wir für die Restrukturierung sicher zwei bis drei Jahre brauchen. Das wird ein steiniger Weg werden.

SZ: Welche Fehler haben Ihre Vorgänger im Vorstand gemacht?

Wieandt: Ich konzentriere mich auf die Zukunft, nicht auf die Vergangenheit, die zudem bekanntermaßen Gegenstand von Untersuchungen des Aufsichtsrates und von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ist.

SZ: Für ehemalige Vorstände wie Vorstandschef Georg Funke waren teilweise großzügige Abfindungen und Ruhegehälter vorgesehen. Die meisten Deutschen haben dafür kein Verständnis.

Wieandt: Die Vergütungen für Vorstände sind Sache des Aufsichtsrats. Mein Eindruck ist, dass sich unser Aufsichtsrat seiner Verantwortung gegenüber dem Unternehmen, aber auch der Öffentlichkeit sehr wohl bewusst ist.

SZ: Wenn der Aufsichtsrat den kritischen Zeitgeist in Sachen Managergehälter kennt: Wie viel verdienen Sie?

Wieandt: Ich habe einen Fünf-Jahresvertrag und werde alles zur Rettung dieser Bank tun. Einzelheiten meines Vertrages werden gemäß den Corporate-Governance-Regeln veröffentlicht.

SZ: Wenn der Staat einsteigt, würden die Vorstandsgehälter ohnehin auf 500.000 Euro beschränkt.

Wieandt: Der Vorstand würde das natürlich akzeptieren und die Gehälter, wo erforderlich, auf das notwendige Niveau senken.

SZ: Der Namen Hypo Real Estate dürfte für alle Zeiten verbrannt sein. Planen Sie schon eine Umbenennung?

Wieandt: Wir prüfen diese Frage, und es gibt erste Überlegungen in diese Richtung. Aber im Vordergrund steht jetzt nicht die Verpackung. Wir arbeiten mit Vorrang am Inhalt.

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(SZ vom 30.01.2009/mel)