Wie der Kollaps einer Bank und des deutschen Finanzsystems in letzter Sekunde abgewendet wurde.
Es ist kurz nach zwölf Uhr an diesem Montag in Berlin, als Torsten Albig, der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, diese Worte sagt: "Ja, wir sind in einer Krise." Sie sind nicht mehr als eine Vergewisserung, eine nüchterne Beschreibung des Orkans, der am Wochenende auf dem deutschen Finanzmarkt gewütet hat. Sie sind gewissermaßen der regierungsamtliche Beleg dafür, dass die gesamte deutsche Finanzwirtschaft am vergangenen Wochenende kurz vor dem totalen Zusammenbruch stand, dass die amerikanische Finanzmarktkrise endgültig in Deutschland angekommen ist.
Von der Finanzkrise voll erwischt: der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. (© Foto: ddp)
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Nur wenig mehr als zehn Stunden vorher stand eines der größten Finanzinstitute der Republik vor der Schließung, die Hypo Real Estate (HRE) mit Sitz in München. Eine Bank, die so groß ist wie die Mitte September Pleite gegangene US-Investmentbank Lehman Brothers. Sie ist etwa achtmal so groß wie die ins Trudeln geratene Mittelstandsbank IKB.
Nur kurz vor knapp wurde die HRE gerettet, mit der Unterstützung anderer Banken, vor allem aber mit Mitteln aus den Kassen des Staats. Der Bund muss eine Bürgschaft von 26,6 Milliarden Euro übernehmen, damit die Hypo Real Estate weiter arbeiten kann und damit ihr die anderen Banken Geld leihen. Geld, das das Institut dringend braucht, um seine laufenden Geschäfte finanzieren zu können.
Um die Dramatik der Rettungsaktion zu erfassen, muss man sich an den vergangenen Donnerstag erinnern. Die Spitzen der deutschen Bankenbranche trafen sich mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, um die Lage zu beraten. Die Stimmung war nach Angaben von Teilnehmern nicht gelöst, aber auch nicht angespannt. Steinbrück hatte zuvor in einer Regierungserklärung vor dem Parlament versichert, dass die deutsche Bankenlandschaft nicht so stark von der Finanzmarktkrise betroffen sei wie die amerikanische. Er betonte dem Parlament und den Bürgern gegenüber, dass ihre Einlagen sicher seien, trotz all der Turbulenzen, die den Finanzmarkt in den Wochen davor erfasst hatten. Immerhin war kurz zuvor die halbe Wall Street untergegangen, und das Geschäftsmodell der Investmentbank hatte sich ein für allemal erledigt. "Die Welt wird nicht mehr so sein wie vor dieser Krise", sagte der Finanzminister und prophezeite, dass die amerikanische Hochfinanz ihre dominante Rolle verlieren werde. Das deutsche System der Universalbanken, wo die Institute eben auch über Einlagen verfügten, habe sich als deutlich robuster erwiesen als das amerikanische Modell.
Schon einige Zeit unter Beobachtung
Ernster wurde der Ton, als Steinbrück nach dem Treffen in der großen Runde noch in kleinerem Kreis weiter diskutierte - mit den Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank, Josef Ackermann und Martin Blessing, mit Bundesbankpräsident Axel Weber und dem Chef der Finanzaufsicht, Jochen Sanio. In dieser Runde, so wird aus Finanzkreisen berichtet, sei das Thema HRE angeschnitten worden. Insbesondere die Bankenvorstände hätten den Minister darauf hingewiesen, dass sich da womöglich etwas zusammenbraute. Die Aussagen trafen Steinbrück nicht unvorbereitet. Sein Ministerium beobachtete zu diesem Zeitpunkt die Lage bei der HRE schon seit etwa zwei Wochen.
An diesem Donnerstag war die Lage an den Finanzmärkten schlecht, am Freitag darauf war sie noch schlechter. Wider ersten Meldungen waren die Verhandlungen über das Rettungspaket gescheitert, mit dem die US-Regierung den dortigen Banken faule Kredite von bis zu 700 Milliarden Euro Dollar abnehmen wollte. Am Nachmittag dann gab es eine erste Krisenbesprechung über die HRE. Daran nahmen nach Angaben aus Finanzkreisen wiederum Sanio, Weber und auch der Chef des Bankenverbands, Klaus Peter Müller, teil. Zugeschaltet war auch Steinbrücks für die Finanzmärkte zuständiger Staatssekretär Jörg Asmussen.
Weil die HRE-Tochter Depfa langfristige Verpflichtungen im großen Stil kurzfristig finanziert hatte, spitzte sich auch die Lage bei der HRE zu. Es waren länger laufende Kredite mit einem anderen bedient worden, die nur wenige Wochen oder sogar nur einen Tag lang laufen. Das geht normalerweise solange gut, wie der Markt ausreichend Geld zur Verfügung stellt. Doch schon am Freitag zeichnete sich ab: Genau dieses Geld ist nicht da. Infolge der Finanzmarktkrise war kaum eine Bank bereit, der anderen etwas zu leihen.
Lesen Sie weiter, was Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück wichtig war.
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Eurovision Song Contest
Die anzubetenden, gloriosen Leistungsträger können stolz auf ihre Leistung sein. Die "Regeln" des Marktes waren so, dass sie ohne jedes Risiko eine wundersame Traumrendite ermöglichten.
Besagte Rendite wird jetzt mit negativem Vorzeichen verstaatlicht. Der kleine Mann, die kleine Frau darf nun die von unserer Elite er"schwindelte" Traumrendite mit tatsächlicher Arbeit und ohne Mindestlöhnen absicher. Welch ein Aberwitz: die Malocher finanzieren die Gierigen. Unfassbar.
Die Verantwortungslosen müssen in Verantwortung genommen werden. Und die, die diese so fantastischen Regeln für "Leistungsträger" -bewußt- so gestaltet haben, sollten ihre Beine in die Hand nehmen. Dies Pa.ck können wir hier nicht brauchen.
Werden wir eigentlich regiert?
Das derzeitige Wirtschaftssystem funktioniert zum Wohle einer immer kleinen werdenden Minderheit hervorragend und für die überwiegende Mehrheit mehr schlecht als recht, aber immerhin es funktioniert -noch. Würde man es jetzt zusammenbrechen lassen, wie das einige marktradikale und Schadenfrohe fordern, so träfe das nicht nur einige der Profiteure sondern in noch viel stärkerem Maß diejenigen, die sich keine Reserven anlegen konnten um eine Krise zu überstehen, also die große Mehrheit. Als Folge einer solchen Krise, die sich zunehmend auch in der Realwirtschaft niederschlägt, wird die Kapitalkonzentration (siehe Fusionen) befördert und das ganze Spiel beginnt von neuem, mit einer noch ungünstigeren Ausgangsbasis für die Allgemeinheit.
Dass ein System, welches auf Gewinnmaximierung und privater Gewinnaneignung fußt, nur zum Nutzen einiger weniger führt, nicht durch staatliche Eingriffe erhalten werden sollte ist ein Erkenntnisgewinn der Krise, der zum Allgemeinwissen wird.
Weder Flickschusterei, noch einfach so laufen lassen, sondern eine grundsätzliche Kehrtwende muss die notwendige Konsequenz werden.
Ein erster wichtiger Schritt hin zu einer dem Allgemeinwohl dienenden Wirtschaftsordnung wäre die Verstaatlichung sämtlicher Banken und nicht nur derer die bereits bankrott sind.
"Europas Banken und Amerikas Konjunktur bergen Risiken". Als Antwort auf den Warn-Satz der Woche kann man nur noch mit den Hoffnungen aufwarten, dass ein möglicherweise positives Konsumentenverhalten der US-Bürger die algemeine Krisenlage schwächen kann.
Wenn diese internationale und auch deutsche Finanzkrise überhaupt etwas "Gutes" mit sich bringt, dann die gnadenlose Erkenntnis, dass den Geldgangstern und Superspekulanten jetzt endlich mit rigorosen Strafgesetzen entgegengewirkt werden muß.
Die 35 Milliarden EUR Sicherungsleieistung der Bundesregierung an die Hypo Real Estate lassen sich nur vertreten durch die Gewissheit, dass damit vielen Kreditnehmern der Ruin erspart werden konnte.
Das entbindet die Verantwortlichen für die Zockerei mit Kundengeldern nicht von ihrer Pflicht, angemessenen Schadensersatz zu leisten, damit der Bund nicht auf seiner Sicherheitsleistung sitzen bleibt.
Zunächst einmal sind die Eigentümer der HRE durchaus nicht schadlos aus dem Desaster herausgekommen. Deren Vermögen wurde mal kurz und heftig auf 10% des ursprünglichen Werts zusammengedampft, und das immerhalb eines Jahres. Wenn man davon ausgeht, daß ca. 75% davon auch noch von ausländischen Investoren zu tragen ist, dann verstehe ich nicht, warum hier keine Schadenfreude aufkommt. Die 25% der Kleinanleger hat es natürlich auch erwischt, da könnte der ein oder andere zukünftig mit weniger Altersversorgung auskommen müssen. Was erhalten bleibt, sind Arbeitsplätze und - natürlich - Ansprüche gegenüber den Schuldnern, die sowohl durch als auch über die HRE weiter bedient werden müssen. Bei einer Abwicklung wären diese Assets eventuell noch von den Schuldnern für ein Butterbrot zurückgekauft worden. Das kann ja nun wirklich keiner wollen. Jetzt sollten wir hoffen, daß die Bürgschaft garnicht erst in Anspruch genommen werden muß, auch wenn die Weltuntergangstrommer der SZ in diesem Artikel dies vielleicht schon als gegeben suggerieren.
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